«Es fühlt sich alles gut an»
10.04.2026 Wohlen, Politik, PorträtInterview mit Gemeindeammann Roland Vogt: Er zieht eine positive Bilanz über seine ersten 100 Tage
Er ist gut gestartet und geht die Herausforderungen demütig an. Gemeindeammann Roland Vogt bilanziert positiv über die ersten 100 Tage. Und er formuliert ...
Interview mit Gemeindeammann Roland Vogt: Er zieht eine positive Bilanz über seine ersten 100 Tage
Er ist gut gestartet und geht die Herausforderungen demütig an. Gemeindeammann Roland Vogt bilanziert positiv über die ersten 100 Tage. Und er formuliert seine klare Haltung: «Lieber weniger anstreben, dafür das Maximum herausholen.» Das gilt auch für den Finanzbereich.
Daniel Marti
Sie sind heute Freitag auf den Tag genau 100 Tage im Amt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Roland Vogt: Die Bilanz fällt sicher positiv aus. Ich bin gut gestartet und wurde von den Mitarbeitenden der Verwaltung gut aufgenommen. Ich habe mich zudem in meine neuen Ressorts Präsidiales und Sicherheit einarbeiten können. Ich habe schon einiges, was zum Job des Gemeindeammanns gehört, kennengelernt. Es fühlt sich alles gut an – geschäftlich und persönlich. Auch der Start des Gesamtgemeinderates ist geglückt. Man darf nicht vergessen, der Gemeinderat besteht aus vier neuen Mitgliedern. Das ist herausfordernd. Aber auch hier fällt die erste Bilanz positiv aus.
Bisher ist der Gemeinderat zweimal stark in Erscheinung getreten. Bei der Brunnenputzaktion und in der Einwohnerratssitzung im März. Gab es weitere starke Zeichen?
Im Moment laufen viele Geschäfte, ob Finanzen oder Schulraum oder Schule allgemein. In den ersten drei Monaten musste sich der Gemeinderat zuerst zurechtfinden. Darum wurden halt etliche Zeichen erst im Hintergrund gesetzt. Die Brunnenaktion war eine Art Teamevent für den Gemeinderat.
Die Brunnenputzaktion hat viel Aufmerksamkeit eingebracht. Wie waren die Reaktionen?
Sie wurde von der Bevölkerung meistens positiv aufgenommen. Es sei schön, dass dieser Brunnen nun endlich gereinigt wurde und dass wir das zusammen gemacht haben, heisst es. Das waren die beiden mehrheitlichen Reaktionen. Es wurde auch öfters erwähnt, dass es einfach gut ist, dass das Wohler Wahrzeichen nun wieder glänzt. Wir haben mit geringem Aufwand etwas Gutes getan. Das finden viele Leute cool. Und das freut uns. Jene, die ein Problem mit dieser Aktion hatten, gab es natürlich auch.
An der Einwohnerratssitzung im März wurde der Schulraum auf Kurs gebracht. Das ist äusserst positiv …
Der Gesamtgemeinderat steht hinter der Variante mit den beiden Provisorien im Bünzmatt und Junkholz. Es ist wichtig, dass die beiden Provisorien auf bestehendem Gemeindeland realisiert werden können. So kann Wohlen im August 2027 den nötigen Schulraum zur Verfügung stellen und wenn nötig zusätzlich weiter ausbauen. Zudem fällt Ende 2026 das Provisorium im Oberdorfweg und somit eine jährliche Miete von 460 000 Franken weg. Wichtig ist zu betonen, dass der Vertrag für die Miete am Oberdorfweg Ende 2026 ausläuft und nicht verlängert wurde. Und dass die Container nun an den beiden Standorten weitergebraucht werden können.
Für das Sportzentrum Niedermatten mit der Sanierung der Tennisplätze wurde ein Zeichen gesetzt. Wie wichtig ist das?
Das ist ein positives Signal für Wohlen und den Sport. Weitere Sanierungen stehen an. Dabei müssen wir immer Varianten wählen, die der finanziellen Situation der Gemeinde entsprechen. Und es ist normal und gut, dass sich die Vereine finanziell an den Sanierungen beteiligen. Das Sportzentrum Niedermatten ist eine tolle Sportanlage. Zudem haben wir eine wichtige Erkenntnis erlangt.
Welche denn?
Die Grundsatzvereinbarung mit den Sportzentrum-Vereinen ist immer noch gut und nach wie vor gültig. Auf dieser Basis werden wir die künftigen Sanierungen anschauen und die Projekte ausarbeiten.
Zurück zu den ersten 100 Tagen. Was hat Sie besonders gefreut?
Ich bin in einen neuen Abschnitt in meinem Leben eingetreten und ich habe meinen Arbeitsplatz nach Wohlen verlegen können. Ich habe bereits dreizehn Jahre in Wohlen gearbeitet. Nun kann ich ab und zu wieder zu Fuss zur Arbeit, oder innert fünf Minuten mit dem Auto bin ich praktisch überall, wo ich hinmuss. Der erste Tag, als ich als Gemeindeammann ins Büro ging, war speziell und ein schönes Gefühl. Ich gehe täglich demütig zur Arbeit, allerdings mit einer positiven Demut, denn ich möchte Wohlen weiterbringen.
Was war eher enttäuschend?
Wie wir in der EDV aufgestellt sind, das ist ein grosses Manko. Im Hintergrund läuft zwar vieles in dieser Richtung, aber digital sind wir auf der Verwaltung massiv im Hintertreffen. Es gibt fast nichts Schlimmeres, als wenn am Morgen der Computer nicht funktioniert. Der Kredit für die Erneuerung ist ja gesprochen und der Ersatz wird zum Glück in diesem Jahr erfolgen.
Was haben Sie am Arbeitsort, in der Verwaltung, angetroffen?
Ich habe durchwegs aufgestellte und motivierte Mitarbeitende kennengelernt. Ich habe den Puls noch nicht überall gefühlt, aber alle Mitarbeitenden wollen sich für Wohlen einsetzen.
Es wird gemunkelt, die Verwaltung habe zu viel Macht?
Nein, das ist nicht so. Eventuell sind einzelne Abteilungen mächtiger und stärker gewachsen als andere. Dessen ist man sich bewusst. In der Abteilung Planung, Bau und Umwelt wurden zudem viele Stellen bewilligt, das ist spürbar, das hat aber auch mit den vielen Projekten zu tun.
Wie viel haben Sie von Ihrem Vorgänger, Arsène Perroud, im Gemeindehaus zu Beginn Ihrer Amtszeit noch gespürt?
Er hat bis am letzten Tag seine Arbeit erledigt und seine Ideen verfolgt und so Wohlen auf seine Art weitergebracht. Das wird noch länger spürbar sein. Es gab eine saubere Übergabe und er hat seine Hilfe und Unterstützung angeboten. Zwei-, dreimal hat er sogar nachgefragt, wie es denn geht. Ich kann nur positiv über Arsène Perroud sprechen.
Die Strukturen, die er geschaffen hat, spürt man natürlich im Gemeindehaus. Dort wird es sich zeigen, ob sich Wohlen diesen Zustand weiter leisten kann oder will.
Apropos Perroud, er ist immer noch Präsident des KESD Bezirk Bremgarten, der Repla Unteres Bünztal und beim Abwasserverband. Er wird im Sommer abgelöst werden müssen. Haben sich Lösungen ergeben?
Beim KESD wird sich Frau Vizeammann Sonja Isler-Rüttimann in den Vorstand wählen lassen. Für das Präsidium hat eine andere Gemeinde ihr Interesse angemeldet. Beim Abwasserverband ist Arsène Perroud auf uns zugekommen mit dem Vorschlag, dass er weiterhin Präsident bleiben möchte und Projekte zu Ende führen dürfe. Das ist für uns in Ordnung, da wir als Abgeordnete auch vertreten sind.
Und das Repla-Präsidium wäre etwas für Sie?
Ich werde da sicher im Vorstand tätig sein wollen. Das Präsidium ist ein Thema, aber ich muss erst die Situation analysieren. Auch beim Bevölkerungsschutz Aargau Ost ist die Besetzung des Präsidiums noch nicht geklärt. Wir als Gemeinde Wohlen sollen in den Vorständen Einsitz nehmen, aber nicht den Anspruch haben, überall den Chef zu spielen. Darum können und sollen auch kleinere Gemeinden die Möglichkeit haben, ein Präsidium zu besetzen.
Zur Arbeitsbelastung. Sie haben sich für ein Pensum von 70 Prozent als Gemeindeammann entschieden, und Sie arbeiten noch bei der Stadtpolizei Zürich. Wie kommen Sie klar mit dieser Aufgabenteilung?
Bis jetzt komme ich damit gut klar. Natürlich habe ich gewusst, dass dies zur Herausforderung wird. Ich bin Montag, Dienstag, Mittwoch und meistens auch am Donnerstag im Gemeindehaus. Der Freitag ist fix mein Polizeitag in Zürich.
Der Samstag oder Sonntag ist individuell. Da bleibe ich flexibel. So ist meine Woche mehr als ausgefüllt. Letztlich ist diese Aufteilung vor allem für meine Freizeitgestaltung herausfordernd.
Kritiker sagten schnell, dass die 70 Prozent nicht reichen …
Für so eine grosse Gemeinde wären 100 Prozent das ideale Pensum für einen Gemeindeammann. Einwohnerrat und Volk haben damals entschieden, dass der Wohler Gemeindeammann zwischen 60 und 80 Prozent arbeiten soll. Genau dafür werde ich also auch bezahlt, für 70 Prozent. Aber ich bin sicherlich mehr als 70 Prozent für die Gemeinde tätig. Übrigens arbeiten alle Gemeinderatsmitglieder viel mehr, als verlangt wird. Das gehört dazu, wenn man für so ein Amt kandidiert. Der Lohn steht nicht an vorderster Stelle.
Zum Gemeinderatsteam. Thomas Geissmann sagt, es sei viel Drive drin. Können Sie das bestätigen?
Das kann und darf ich bestätigen. Jedes Gemeinderatsmitglied musste sich in sein Ressort einarbeiten. Alle bringen sich ein und wollen Wohlen weiterentwickeln. Der Gesamtgemeinderat ist ein gutes Kollegium. Und Frau Vizeammann Sonja Isler-Rüttimann nehme ich in ihrer Rolle sehr positiv wahr.
Zu Themen, die Frau und Herr Wohler beschäftigen: Die Verkehrssituation ist schrecklich, ärgern Sie sich deswegen?
Ja, diese Situation ärgert mich tatsächlich. Aber die Situation wie in Wohlen gibt es in anderen Gemeinden auch. Sie ist dennoch sehr belastend und die Ursache liegt am ungebremsten Wachstum. Ein grosser Teil des Verkehrs kommt von Wohlen selbst. Der Kanton beobachtet die Situation, sollte er Lösungen finden, dann wären wir sofort dabei. Aber eine mögliche Südumfahrung steht nicht zuoberst auf der Liste des Kantons. Eigentlich müssen wir in Wohlen selbst schauen, dass wir das Verkehrschaos in den Griff bekommen.
Das Verkehrschaos ist an jedem Arbeitstag ersichtlich. Der Stau an der Bremgarterstrasse ist über 500 Meter lang, der Doppelkreisel beim Wohlerhof ist verstopft, auf der Jurastrasse stockt es bis nach Anglikon. Das ist doch nicht normal …
Genau, das nervt mich auch. Es stehen allerdings viele Automobilisten im Stau, die selbst in Wohlen wohnen. Das ist die Erkenntnis des Kantons, und diese Haltung entspricht wohl auch den Tatsachen. Wenn wegen uns der Verkehr nicht fliesst, hat das mit den Hindernissen auf den Strassen zu tun. Die vielen Bushaltestellen auf der Strasse und die Strassenverengungen, die gebaut wurden oder noch gebaut werden, tragen ihren Anteil zur Staubildung bei.
Wie kann man dieses Verkehrsproblem angehen, hat der Gemeinderat einen Plan?
Die Bevölkerung bevormunden und ihnen diktieren, wie sie zur Arbeit fahren müssen, ist nicht die Lösung. Nein, einen Plan B gibt es noch nicht. Unser Strassenverkehrsnetz in der Schweiz entspricht jenem einer Sechs-Millionen-Bevölkerung und auch in Wohlen wurden keine neuen Strassen gebaut. Wir machen uns Gedanken, wie wir das Verkehrsproblem lösen könnten. Staus gibt es jeweils von 16 bis 19 Uhr. Für diese Zeitspanne sollten wir Lösungen finden. Will man unser Wachstum nicht bremsen, brauchen wir einen Ausbau der Strassen. Das geht nur zusammen mit dem Kanton.
Die Finanzen: Ein Wort zum Budget 2027 …
Sie sprechen den Steuerfuss an. Eine Erhöhung des Steuerfusses muss unter allen Umständen verhindert werden. Bevor irgendwann eine Steuerfusserhöhung unumgänglich wird, muss verzichtet werden. So wird unter meiner Führung nur dann eine Steuerfusserhöhung beantragt, wenn es nicht mehr anders geht.
Der Gemeinderat ist an der Arbeit, das Legislaturprogramm zu erstellen. Was wurde in den ersten 100 Tagen erreicht?
Wir arbeiten an der Stossrichtung. Und die ist klar: Weniger ist mehr. Das aktuelle Legislaturprogramm sieht zu viel vor. Lieber weniger anstreben, dafür das Maximum herausholen. Das neue Legislaturprogramm wird wohl im Mai dem Einwohnerrat präsentiert.
Auch der neue Finanzplan ist in Arbeit. Da warten die Steuerzahler gespannt darauf. Was können Sie verraten?
Der neue Finanzplan kommt neu mit dem Budget 2027 heraus. Wir brauchen diese Zeit. Wir wollen bis dahin alles kritisch hinterfragen. Es gibt sehr viele Projekte, die angestossen wurden und neu beurteilt werden müssen.
Dann gibt es auch Verschiebungen von Projekten?
Selbstverständlich. Und noch besser wäre es, Projekte zu streichen. Alles andere bringt langfristig keine Entlastung. Die Investitionssumme im aktuellen Finanzplan liegt bei weit über 100 Millionen Franken. Alle im Gemeinderat wissen inzwischen, dass sich Wohlen das gar nicht leisten kann. Das geht so nicht weiter. Auch hier ist die Stossrichtung klar: Wir müssen mit den Einnahmen auskommen, die wir haben. Alles andere führt zu einer Steuerfusserhöhung oder zu noch höheren Schulden. Aber auch eine höhere Verschuldung ist irgendwann nicht mehr tragbar.
Zurück zur Politik. Welches ist das nächste Ziel, das Sie anstreben und erreichen wollen?
Der Anbau für das Gemeindehaus. Die Verwaltung ist ein Dienstleistungsbetrieb und soll funktionieren. Die Verbindung zwischen beiden Häusern muss möglichst bald gewährleistet sein. Dazu kommt noch die Asbestsanierung. Der Anbau sollte mitsamt der neuen EDV noch dieses Jahr funktionieren. Die Verwaltung leistet einen riesigen Aufwand, darum brauchen die Mitarbeitenden auch zeitgemässe und funktionierende Arbeitsplätze.

