«Ech ha Gmeind» mit Rückblick der zu Ende gehenden Legislatur und Weiterentwicklung der Verwaltung
Zu viel vorgenommen, manches erreicht, einiges verschoben: Am Informationsanlass «Ech ha Gmeind» zog der Beriker Gemeinderat Bilanz. Auch die ...
«Ech ha Gmeind» mit Rückblick der zu Ende gehenden Legislatur und Weiterentwicklung der Verwaltung
Zu viel vorgenommen, manches erreicht, einiges verschoben: Am Informationsanlass «Ech ha Gmeind» zog der Beriker Gemeinderat Bilanz. Auch die Gemeindeverwaltung gewährte Einblicke – und machte deutlich, dass die Ressourcenfrage künftig entscheidend bleibt.
Sabrina Salm
Gemeindeammann Rosmarie Groux blickte anlässlich des Anlasses ehrlich auf die vergangenen vier Jahre zurück: «Wir haben uns zu viel vorgenommen. In der Hälfte der Legislatur merkten wir, dass wir zurückbuchstabieren müssen.» Vor allem die finanziellen Rahmenbedingungen liessen es nicht zu, alle gesteckten Projekte zu realisieren.
So musste etwa auf die Vervollständigung des Radroutennetzes zwischen Mattenhof, Gemeindehaus und Kesslernmatt verzichtet werden. Stattdessen setzt der Gemeinderat auf punktuelle Verbesserungen: Rote Markierungen an gefährlichen Ausfahrten sollen künftig die Sicherheit der Velofahrer erhöhen. Noch nicht umgesetzt ist auch das Projekt «Entsorgungsplatz». Hier scheint sich allerdings mit einer Mitbenutzung der Recyclingstelle in Bremgarten eine praktikable Lösung abzuzeichnen. Ganz ohne Erfolge verlief die Legislatur allerdings nicht. Zahlreiche Projekte konnten umgesetzt oder zumindest entscheidend vorangetrieben werden. Dazu zählt etwa die Arealentwicklung Riedacher, wo dereinst rund 500 neue Einwohner Platz finden könnten. «Immerhin liegt die Bewilligung des Kantons für den Gestaltungsplan bereits vor», berichtete Vizeammann Petra Oggenfuss. Allerdings seien Einsprachen von Grundeigentümern eingegangen, weshalb die Gespräche noch laufen. Auch die Teilrevision der Bauund Nutzungsordnung sei inzwischen beim Kanton, und für die Arealentwicklung beim Bahnhof würden bald erste Erkenntnisse vorliegen.
Eine Verwaltung im Wandel
Nicht nur die Politik, auch die Verwaltung stand am Abend im Mittelpunkt. Gemeindeschreiber und Verwaltungsleiter Patrick Vogel, seit 2023 im Amt, berichtete von umfangreichen Veränderungen im Gemeindehaus. «Als ich angefangen habe, habe ich viel Handlungsbedarf gesehen. Die Abteilungen arbeiteten zu sehr nebeneinander», so Vogel. Heute sei die Verwaltung deutlich besser vernetzt, die Trennung von operativen und strategischen Aufgaben weitgehend umgesetzt und die Abläufe effizienter.
In nur anderthalb Jahren habe die Verwaltung wesentliche Schritte geschafft: Das interne Kontrollsystem (IKS), das zuvor acht Jahre unbearbeitet blieb, wurde innerhalb von acht Monaten eingeführt. Zudem konnten beachtliche Einsparungen realisiert werden – rund 80 000 Franken durch den Verzicht auf Abteilungsleiter-Stellvertretungen, 25 000 Franken durch die Bereinigung von Altlasten und weitere 30 000 Franken durch optimierte Auftragsvergaben. «Heute haben wir eine gut funktionierende Verwaltung», zog Vogel ein positives Fazit.
Viel Verantwortung in einer Person
Die Bandbreite seiner Aufgaben ist allerdings ungewöhnlich: Neben den klassischen Funktionen eines Gemeindeschreibers und der Leitung der Verwaltung übernimmt Vogel auch Zuständigkeiten in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Gesellschaft, HR und Informatik. «Das ist auf Dauer nicht machbar», räumte er ein. Für die Weiterentwicklung brauche es dringend zusätzliche personelle Ressourcen.
Groux würdigte seinen Einsatz in höchsten Tönen: «Er hat uns alle sehr entlastet. Patrick Vogel ist ein Gewinn für die Gemeinde.»
Streitpunkt Stellenprozente
Damit rückt eine Frage wieder in den Vordergrund, die in Berikon bereits für Kontroversen gesorgt hat: die Erhöhung der Stellenprozente in der Verwaltung. Der Gemeinderat plant an der kommenden «Gmeind» einen weiteren Versuch. Wie dieser diesmal aussieht, ist noch nicht klar. Doch noch ist die Erinnerung frisch an das Referendum, das eine vorgesehene Erhöhung deutlich scheitern liess. Diesmal könnte die Ausgangslage jedoch anders sein. Erste Parteien sowie auch die Finanzkommission signalisierten am Anlass ein gewisses Verständnis für einen erneuten Anlauf.
Ob die angekündigte neue Vorlage zur Erhöhung der Pensen diesmal mehrheitsfähig sein wird, bleibt jedoch abzuwarten. Am Informationsanlass klang jedenfalls ein klarer Appell aus dem Publikum in Richtung Gemeinderat: «Bereitet euch richtig vor, informiert gut und bezieht die Parteien und die Finanzkommission mit ein.» Nur so könne ein erneuter Anlauf vielleicht erfolgreich sein.