Entwicklung erlebbar gemacht
02.06.2026 Kelleramt, Oberlunkhofen, Natur, KulturSpannender Kulturtag in Oberlunkhofen
Die Gemeinde Oberlunkhofen und ihre Geschichte feiern, darum ging es am Kulturtag. Die Hitze hat den Organisator zu einer Verkürzung des Rundgangs bewogen, die Bilanz fällt trotzdem positiv aus.
...Spannender Kulturtag in Oberlunkhofen
Die Gemeinde Oberlunkhofen und ihre Geschichte feiern, darum ging es am Kulturtag. Die Hitze hat den Organisator zu einer Verkürzung des Rundgangs bewogen, die Bilanz fällt trotzdem positiv aus.
Schönes Wetter hatte sich Josef Eichholzer gewünscht für den Kulturtag, den er in Oberlunkhofen organisierte. Schliesslich spielte Petrus fast zu gut mit: Die sonnig-heissen Bedingungen dürften manche vom coupierten Rundgang hoch zum Althau abgehalten haben. Einen ersten Zwischenhalt legt die Gruppe von rund 70 Personen am Sonnenberg ein. Hier wurde die 15-jährige Panoramatafel erneuert. Sie hilft, den Ausblick einzuordnen, der sich bei klarer Sicht bietet: auf den Pilatus und bis zu Eiger und Jungfrau.
Steine und Bäume
Im Althau sind die Gotthard-Findlinge Thema, die der Reussgletscher in der letzten Eiszeit abgeladen hat. Richard Walker, Autor des Buchs «Megalithe im Knonauer Amt», berichtet von der rätselhaften Ansammlung von Menhiren im Wald. Wobei nicht alle authentisch seien, schränkt er ein. So habe ein Esoteriker aus der Region manche willkürlich versetzt und aufgerichtet. Bei anderen Steinen liege allerdings die Vermutung nahe, dass sie in der Prähistorie so arrangiert wurden. Klarheit könne nur eine archäologische Grabung liefern, so Walker. Konkret gehe es darum, ob sich Keil- und Fixiersteine sowie Setzgruben nachweisen lassen.
Auch der Wald sei kulturell geprägt, leitet Förster Urs Huber auf das nächste Thema über, nämlich durch die Bewirtschaftung. Wie sich dies auswirkt, liess sich über die letzten Jahrzehnte beobachten. Orkan Lothar war es, der einer Hochblüte der Forstwirtschaft Ende 1999 ein jähes Ende bereitete. Er zeigte die Schwächen einer Monokultur von flachwurzelnden Fichten gnadenlos auf. Die trocken-warmen Verhältnisse seither setzten den Fichten weiter zu, was dem Buchdrucker leichtes Spiel machte. Das alles hat die Ausrichtung der Forstwirtschaft massiv verändert. Das Verhältnis von 70 Prozent Nadel- und 30 Prozent Laubwald hat sich umgekehrt. Aktuell setze man primär auf Eichen-Mischwald und Naturverjüngung. «Die Zeiten, mit Bauholz grosse Kasse zu machen, sind definitiv vorbei», so Huber.
Start in der Kirche
Zum Start hatten sich noch gegen 100 Interessierte in der kühlen Kirche eingefunden. «Ein Schmuckstück» sei sie, so Pfarreiseelsorger Claudio Gabriel, und: «Für mich so etwas wie mein Wohnzimmer.» Gemäss Mauerresten entstand bereits im 9. oder 10. Jahrhundert ein Kirchengebäude von rund 18 Metern Länge und 8 Metern Breite. Ein zweiter Kirchenbau weist auf das 11. und 12. Jahrhundert hin.
Im Jahr 1515 wurde die Kirche dann von Grund auf neu erstellt und wenige Jahre danach, am 25. April 1529, anlässlich der Reformation gestürmt, dabei wurden ihre Bilder und Altäre zerstört. 1777 erlebte die Kirche die umfassendste Renovation in ihrer 500-jährigen Geschichte: Das Kirchenschiff wurde um 4,7 Meter, eine Fensterreihe, nach hinten verlängert und um eine doppelgeschossige Empore erhöht. Dabei erhielt die Kirche auch ihre erste Orgel. Die beiden Deckengemälde Jesu Geburt und Auffahrt stammen aus dem Jahr 1924 vom Kunstmaler Josef Heimgartner.
1712 erhielt der Turm von Lunkhofen eine historische Bedeutung, weiss Gabriel weiter zu berichten: «Nach dem Zweiten Villmergerkrieg trennte die Linie vom Lunkhofer Turm zum Villmerger Turm die Region in ein Oberes und Unteres Freiamt.
Verbindendes Erlebnis
«Ich bin der Ansicht, dass das abwechslungsreiche und interessante Programm bei den Gästen gut angekommen ist», so die positive Bilanz von Kulturtag-Initiant Josef Eichholzer. Den Abstecher zum letzten Posten, dem römischen Gutshof, hat er angesichts der Hitze gestrichen. Und doch wirkt der Kulturtag nachhaltig: Viele Informationen stehen neu auf der Gemeindehomepage zur Verfügung.
Ebenfalls bleibend sind die am Anlass geknüpften zwischenmenschlichen Bande. Nach dem Rundgang trifft man sich wieder mitten im Dorf, diesmal in der Turnhalle. Bei Wurst, Getränken und Livemusik steht nun das Gesellige im Vordergrund. Auch das gehört zum Kulturtag.
--tst

