Emil, das Idol meiner Grosseltern
07.08.2026 WohlenEmil Steinberger zu Besuch mit «Emil – No einisch!» im Open-Air-Kino
Seit mehr als einem halben Jahrhundert bringt der mittlerweile 93-jährige Emil Steinberger die Schweiz zum Lachen. Im Open-Air-Kino Wohlen zeigt sich, weshalb sein Humor doch noch ...
Emil Steinberger zu Besuch mit «Emil – No einisch!» im Open-Air-Kino
Seit mehr als einem halben Jahrhundert bringt der mittlerweile 93-jährige Emil Steinberger die Schweiz zum Lachen. Im Open-Air-Kino Wohlen zeigt sich, weshalb sein Humor doch noch Generationen überdauert.
Anna Bingesser
Als ich meinen Grosseltern beim wöchentlichen Mittagessen erzähle, dass ein gewisser Emil Steinberger nach Wohlen kommt und ich mit meinen 23 Jahren diesen Namen noch nie gehört habe, fallen sie beinahe vom Küchenstuhl. «Du verbringst täglich vier Stunden in diesem Internet und kennst Emil nicht?», fragen sie entsetzt. Dass man Emil nicht kennt, erscheint ihnen als Bildungslücke der gröberen Sorte.
Meine Grosseltern sind, wie Emil, beide 1933 geboren. Sie sind mit ihm aufgewachsen. Als die ersten TV-Apparate aufkamen, da war Emil schon bald regelmässiger Gast in ihrer Stube. Ein Stück Kulturgut, das dem Land eine gewisse Spiessigkeit und Biederkeit mit dem Spiegel vorgehalten hat.
Wenn Emil im Fernsehen auftrat, dann durften im Haus meiner Grosseltern sogar einmal die Kartoffeln überkochen. Seine unverwechselbaren Auftritte und Figuren gehörten für sie zu einer Zeit, in der sich die ganze Familie vor dem Fernseher versammelte.
Emil war nicht irgendein Komiker. Emil war ein Ereignis.
Emil sorgt für nostalgische Gefühle
Nun steht dieser ältere Herr vor dem Open-Air-Kino bei der Kantonsschule Wohlen. Mit einem Füller in der Hand signiert er vor Filmbeginn Bücher und Karten. Neben ihm sitzt seine Frau Niccel. Seit rund 30 Jahren begleitet sie ihn überallhin. Und als hätten seine unzähligen Auftritte nicht schon auf Deutsch gereicht, lernte Emil die Stücke auch noch auf Französisch. «Ich habe ein Jahr in der Westschweiz gearbeitet. Das musste dann halt reichen», sagt er lachend. Viele der Besucherinnen und Besucher kennen ihn seit ihrer Kindheit oder Jugend. Sie zitieren seine Sketche und schwelgen in nostalgischen Erinnerungen von alten Auftritten.
Vielleicht auch mit wehmütigen Erinnerungen an die guten alten Zeiten. Aber die waren ja auch nicht immer nur gut. «Ein Mann hat mir auch schon gesagt, meine Schallplatten hätten sein Leben gerettet», sagt Emil. Gezeigt wird an diesem Abend «Emil – No einisch!».
Mit dem gleichnamigen Bühnenprogramm tourte Steinberger von 2015 bis 2017 durch die Schweiz. Darin greift er bekannte Figuren und Nummern aus mehreren Jahrzehnten noch einmal auf. Zwei Vorstellungen wurden filmisch festgehalten. Die aktuelle Tour führt Emil und Niccel Steinberger unter anderem nach Zug, Wohlen, Aarau und Luzern. Bei den Vorführungen sind Niccel und Emil immer anwesend.
Am Abend zuvor in Zug sei der jüngste Besucher neun Jahre alt gewesen, die älteste Besucherin über 90. Für ihn ist diese Tour aber nicht die letzte. «Ich lasse mich überraschen, wie es mir geht und wo es mich hintreibt.» Am Ende des Abends verstehe ich meine Grosseltern. Emil ist für sie nicht nur ein berühmter Kabarettist. Er erinnert sie an gemeinsame Fernsehabende, an Schallplatten im Wohnzimmer und an eine Zeit, in der die Kartoffeln auf dem Herd warten mussten.
Und vielleicht verbringe ich tatsächlich zu viel Zeit im Internet. Denn die Videos in den sozialen Medien bleiben mir nie so stark in Erinnerung wie die Stücke von Emil meinen Grosseltern.


