«Einmalig auf der ganzen Welt»
13.02.2026 Wohlen, MuseumHeute Freitag, 13. Februar, feiert das Strohmuseum auf den Tag genau seinen 50. Geburtstag
Es war von Anfang an eine Besonderheit – national und international. Vor einem halben Jahrhundert wurde das Strohmuseum eröffnet und es entwickelte sich stets weiter. Das ...
Heute Freitag, 13. Februar, feiert das Strohmuseum auf den Tag genau seinen 50. Geburtstag
Es war von Anfang an eine Besonderheit – national und international. Vor einem halben Jahrhundert wurde das Strohmuseum eröffnet und es entwickelte sich stets weiter. Das Schweizer Strohmuseum ist seit 2013 in einem historischen Gebäude einquartiert und gilt als Wohlens Aushängeschild.
Daniel Marti
Idee, Umsetzung, Realisation und Eröffnung waren wichtige Meilensteine, die das Strohmuseum geprägt haben. Aber auch der Standortwechsel von der Liegenschaft Bankweg 2 in die Villa Isler bedeutete eine wesentliche Entwicklung für das Museum, zugleich war es der Schritt hin zur Professionalisierung. Eines blieb in den 50 Jahren immer gleich: Kulturgut und Kunsthandwerk aus vergangenen erfolgreichen Zeiten wurden in die Gegenwart und Zukunft transportiert.
Die offizielle Eröffnung des Strohmuseums am Freitag, 13. Februar 1976, war eher eine elitäre Angelegenheit. Nur geladene Gäste hatten Zutritt, 200 an der Zahl. Die Bevölkerung durfte dann zwei Tage später das neue Museum bestaunen. «Viele Unterstützer und Sponsoren haben das Strohmuseum ermöglicht, und diesen Gästen wollte man an der Eröffnung natürlich etwas Exklusives bieten», blickt Lokalhistoriker Daniel Güntert zurück. Güntert ist beim Strohmuseum zudem fürs Archiv verantwortlich.
Startkapital von über 720 000 Franken
Die finanziell vielschichtige Unterstützung war tatsächlich beeindruckend. Ein grosser Betrag von 143 000 Franken stammt vom Verband Aargauer Geflechtsfabrikanten. Und 93 weitere Donatoren spendeten 580 000 Franken, darunter auch die Initianten Guido Bruggisser und Rudolf Isler. So kamen total finanzielle Mittel in der Höhe von gesamthaft 723 000 Franken zusammen. Ein schönes Startkapital. «Das war schon damals ganz viel Geld und eine grosse Wertschätzung», staunt die heutige Museumsleiterin Petra Giezendanner.
Hinzu kam noch ein vom Einwohnerrat bewilligter Kredit in der Höhe von 460 000 Franken für die Herrichtung und den Umbau der Liegenschaft Bankweg 2. Die Renovation des Hauses lag übrigens in der Verantwortung von Architekt Hans Wyder. Dort, am Bankweg, blieb das Freiämter Strohmuseum während 37 Jahren. Im Mai 2013 wurde es im Park in der Villa Isler neu eröffnet – und 2023 in «Schweizer Strohmuseum» umbenannt.
«Wohler Anzeiger» gab 1954 den Input zur Gründung
Die Idee, ein Strohmuseum zu errichten, entstand bereits 1954 und wurde erst 1968 vertieft. Auf Schloss Heidegg fand 1954 die Ausstellung «Aargauische Strohgeflechtkunst» statt. Dazu bemerkt der «Wohler Anzeiger»: «Man darf sich wirklich freuen, dass hier einmal der Versuch unternommen worden ist, ein illustratives Bild über die aargauische Strohgeflechtkunst zu geben. Vielleicht gibt diese temporäre Schau Anlass zur Gründung eines Strohmuseums in der Metropole der Aargauischen Strohindustrie in Wohlen.»
Und 1968 folgte die Ausstellung «Mode en paille» im Schloss Lenzburg. Sie war ein grosser Erfolg und ebenfalls Initialzündung zur Gründung eines Strohmuseums. Die treibenden Kräfte waren die Wohler Strohindustriellen Guido Bruggisser, der Kreative, und Rudolf Isler, der Unternehmer. «Sie beide wollten den Menschen bewusst machen, dass die Strohindustrie eben auch Kunsthandwerk bedeutet», so Lokalhistoriker Güntert. «Und dieses Kulturerbe galt es zu sichern – für die Gegenwart und die Zukunft.»
In ganz Europa nichts Ähnliches
Zurück zur Eröffnungsfeier vor genau 50 Jahren. Diese Zeitung berichtete Folgendes: «Unser Museum ist einmalig, nicht nur in der Schweiz; es hat in ganz Europa nichts Ähnliches. Und selbst grosse Museen in Übersee können nicht mit einer Fülle von Material zu diesem Thema aufwarten.» Auf diese Kulturstätte könne Wohlen stolz sein.
Grafiker H. R. Woodtli aus Zürich konzipierte die Ausstellung. «Ein solches Museum gibt es bisher ja noch gar nicht», betonte er. Sein Hauptanliegen war, grösstmögliche Transparenz zu schaffen, mit viel Durchsicht, viel Luft, viel Freiheit. Und der damalige Gemeindeammann Rudolf Knoblauch lobte das kulturelle Gemeinschaftswerk. Sein Originalton: «Wohlen darf sich glücklich schätzen, mit solchen Gütern beschenkt worden zu sein, es ist einmalig auf der ganzen Welt.»
Diverse Meilensteine und drei Persönlichkeiten
Die Gründung war jedoch nur ein Meilenstein in der Geschichte des Strohmuseums. Der Standortwechsel in die Isler-Villa ist ein weiterer. Bei der Züglete kam vor allem eines zum Ausdruck: «Ohne die Finanzen und das Engagement der Ortsbürgergemeinde wäre der neue Sitz in der Isler-Villa nie zustande gekommen», betont Güntert. «Und die Ortsbürgergemeinde sichert mit ihrer Unterstützung auch den Betrieb des Strohmuseums.» Für den Kauf des Anwesens zahlte die Ortsbürgergemeinde 2,9 Millionen Franken, auch der Baukredit in der Höhe von 4,5 Millionen Franken wurde grossmehrheitlich bewilligt.
Bei der Gründung des Strohmuseums sind die Strohindustriellen Guido Bruggisser und Rudolf Isler entscheidend gewesen. «Beim Wechsel in die Villa Isler war der ehemalige Gemeindeammann Walter Dubler massgebend.» Er habe mit grossem Engagement den politischen und finanziellen Weg geebnet, so Güntert. Dubler ermöglichte zudem auf vielen Ebenen finanzielle Unterstützung. Insgesamt 3,2 Millionen Franken trugen seine Anstrengungen bei Stiftungen, beim Kanton und Gönnern ein. So blieben für die Umbautätigkeiten noch Netto-Investitionen von 1,3 Millionen Franken übrig.
Neben den drei Persönlichkeiten Bruggisser, Isler und Dubler vergisst der Lokalhistoriker die vielen freiwilligen Helfenden nicht. Vor allem am Standort am Bankweg waren etliche Frauen immer wieder im Einsatz. «Viele arbeiteten fleissig, leisteten spontane Einsätze. Das war nicht spektakulär, aber äusserst wertvoll.»
Grosse Unterstützung leistete auch die Stiftung Freiämter Strohmuseum, die am 31. Mai 1974 gegründet wurde. «Sammlung, Erhaltung und Darstellung der Erzeugnisse der Stroh- und Hutgeflechtindustrie», lautet ihr Zweck. Auch die Betreuung und die Erhaltung des Freiämter Strohmuseums zählen dazu.
Anna Hegi als Türöffnerin
Mit dem Einzug in die Villa Isler wurde der Schritt hin zur Professionalität vollzogen. Dies mit der Museumsleiterin Anna Hegi, die das Museum ganz bewusst öffnete. «Anna Hegi merkte, dass man die Handwerkskunst in die Zukunft transportieren musste. Sie war eine echte Türöffnerin», so der Lokalhistoriker. Türöffnerin auf dem Weg in die Zukunft. Dort, wo das Strohmuseum heute angesiedelt werden darf.
Am neuen, im Jahr 2013 bezogenen Standort sind etliche Aktivitäten möglich. Vor allem Sonderausstellungen. «So können wir ganz bewusst nach aussen auftreten», erklärt Museumsleiterin Petra Giezendanner. «Unser Atelier und die Kurse kommen sehr gut an.» Wichtig seien auch historische Projekte. Wie beispielsweise die historischen Interviews. Da wurde ganz viel Wissen transportiert. Auch kritische Stimmen gegenüber den Industriellen fanden ihren Platz. Es soll eben authentisch sein, «und wir wollen nichts beschönigen», sagt Lokalhistoriker Daniel Güntert.
Für Museumsleiterin Giezendanner und Lokalhistoriker Güntert ist der Stellenwert des Schweizer Strohmuseums nicht hoch genug einzuschätzen. Gerade auch am 50. Geburtstag. «Mit dem Strohmuseum können wir das kulturelle Erbe in die Gegenwart transportieren», sagt Petra Giezendanner. «Es ist vorteilhaft und gut, dass sich die Institution geöffnet hat und mittlerweile ihre Schätze zeigt», betont Güntert. Das Schweizer Strohmuseum sei zum «Aushängeschild von Wohlen geworden. Es ist etwas Schönes, etwas Spezielles. Ich glaube, die Kulturszene, die Politik und die Bevölkerung denken auch so. Faszinierend.»
Kaffee und Kuchen
«50 Jahre Schweizer Strohmuseum sind ein Grund zu feiern», sagt Museumsleiterin Petra Giezendanner. Den Geburtstag des Strohmuseums von heute Freitag, 13. Februar, begeht das Team rund ums Strohmusem «eher gemütlich»: Alle Besucherinnen und Besucher sind zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Und der Eintritt ins Museum ist frei. So hofft Petras Giezendanner, dass heute Freitag alle Interessierte vorbeikommen «und mit uns feiern können».
Das Jubiläum
50 Jahre Schweizer Strohmuseum wird Ende Mai gefeiert. Die Jubiläumsfeierlichkeiten sind in Vorbereitung, ein Teil des Programms ist bereits bekannt.
Freitag, 29. Mai: Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten mit der Eröffnung der Ausstellung «Prix Paille» ab 18 Uhr. Die Ausstellung entstand aus dem gleichnamigen Wettbewerb. Teil davon sind die Verkündigung der Gewinnerinnen und Gewinner sowie die musikalische Begleitung durch das «Dany Hertach Trio».
Samstag, 30. Mai: Grosses Fest mit vielfältigen Veranstaltungen ab 14 Uhr, darunter Workshops, Zeitzeugengespräche, ein Rückblick auf 50 Jahre Strohmuseum, Gespräche mit «Prix Paille»-Designerinnen sowie Reden von bekannten Persönlichkeiten. Den Abschluss bildet ein Konzert von Nicole Bernegger am Abend.



