Josip Lasic, Redaktor.
«Bloss weil du nicht paranoid bist, heisst das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.» Dieses Zitat taucht oft in der Popkultur auf. Terry Pratchett verwendet es in seinen Scheibenwelt-Romanen, und ...
Josip Lasic, Redaktor.
«Bloss weil du nicht paranoid bist, heisst das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.» Dieses Zitat taucht oft in der Popkultur auf. Terry Pratchett verwendet es in seinen Scheibenwelt-Romanen, und es findet sich im Song «Territorial Pissings» von «Nirvana». Zum ersten Mal bewusst begegnete ich ihm im «Lexikon der Verschwörungstheorien» von Robert Anton Wilson. Ich kaufte das Buch, weil mich Verschwörungstheorien schon immer fasziniert haben. Bevor mir Aluhüte in die Redaktion zugesandt werden, muss ich erläutern: Meine Faszination liegt nicht im Glauben an diese Theorien. Ich finde sie unterhaltsam – so wie Krimis, Horrorfilme oder Science-Fiction-Romane.
Ein Beispiel aus dem grossen Fundus an Verschwörungstheorien: Die Vorstellung, dass im Juni 1947 in Roswell in New Mexico ein UFO abgestürzt ist, ist unheimlich. Die US-Armee soll die Überreste der fliegenden Untertasse und die Trümmer eingesammelt haben und verschweigt der Öffentlichkeit die Wahrheit darüber. Die Überreste sollen in der Area 51 in Nevada auf bewahrt werden. Dort sollen Experimente und Forschung an ausserirdischer Technologie betrieben werden. Ja sogar Treffen und Gespräche mit Ausserirdischen stattgefunden haben. Das ist gruselig. Und wie ich bei einem Krimi überlege, wer der Täter ist, frage ich mich bei solchen Theorien: Was geschah wirklich? War es nur ein Wetterballon, der in Roswell abstürzte? Ist die Area 51 bloss eine Militärbasis, in der man neue Flugzeuge und Waffen testet?
Auf der anderen Seite gibt es Verschwörungstheorien, die so absurd sind, dass sie schlichtweg amüsieren. Die Vorstellung, wir würden von Reptiloiden regiert, die sich als Menschen tarnen, bringt mich eher zum Lachen. Obwohl gewisse Politiker – Namen werden bewusst keine genannt – manchmal so wirken, als wäre ihre Tarnung nicht mal besonders gut.
Mit so einer Herangehensweise bieten Verschwörungstheorien tatsächlich beste Unterhaltung. Aber ich glaube definitiv nicht daran. Ich bin ja nicht paranoid – und hoffe, dass sie nicht trotzdem hinter mir her sind.