Eine (be)sinnliche Erfahrung
25.11.2025 MuriAusstellung mit weihnachtlichen Düften führt auf eine (be)sinnliche Spurensuche
Mit der Weihnachtsausstellung von Muri Kultur führen die beide Kuratorinnen Elena Eichenberger und Julia Schallberger die Besucher in ein Dufterlebnis. Diese widmet sich den ...
Ausstellung mit weihnachtlichen Düften führt auf eine (be)sinnliche Spurensuche
Mit der Weihnachtsausstellung von Muri Kultur führen die beide Kuratorinnen Elena Eichenberger und Julia Schallberger die Besucher in ein Dufterlebnis. Diese widmet sich den vier Weihnachtsdüften Schnee, Rauch, Tanne und Zimt. Mit verschiedenen Sinnen geniessen, das bietet die Ausstellung grossen und kleinen Besuchern bis am 4. Januar.
Verena Anna Wigger
Bei sommerlichen 30 Grad Temperatur haben die beiden Kuratorinnen Elena Eichenberger und Julia Schallberger zusammen mit der Museumskommission sich der Frage gewidmet: «Welches Gewürz duftet nach Weihnachten?» Kommissionsmitglied Toni Schmid habe dabei gefragt: «Nach was duftet Schnee?» Und genau mit dieser Frage startet die diesjährige Weihnachtsausstellung im Kloster Muri. Dass der Duft des Schnees in die Ausstellung Einzug gehalten hat, kann erstaunen. Denn die Frage, welchen Duft hat Schnee, wird sich so mancher stellen. Das hat sich auch die Ausstellungscrew gefragt. Daraus haben sie eine sensorische Umfrage gestaltet, bei der sich jeder Besuchende eingeben kann. Passend zur Frage hat Petrus einen Flaum Schnee ins Klosterdorf geliefert. Und wer zur Ausstellung unterwegs war, der hat die kristallklaren Luftverhältnisse in der Nase gerochen, als er oder sie den Klosterflügel von Muri Kultur betritt.
Auch die anderen drei Düfte zum Thema «Weihnachtliche Düfte – eine (be)sinnliche Spurensuche» bringen Emotionen und Erinnerungen ans Weihnachtsfest. So sind bereits die ersten Besucherinnen und Besucher begeistert von der Ausstellung. Rufen diese Düfte doch bei allen Erinnerungen an das christliche Fest und eine immer wiederkehrende Tradition wach. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es das familiäre Fest oder die kirchlichen Feiern sind. Denn die weiteren Düfte sind Rauch, welcher in Messen als Weihrauch verwendet wird, oder Tanne und Zimt, die an die familiäre Feier erinnern. Hier einzutauchen, fällt allen einfach.
Mit den Sinnen geniessen
Eintauchen in die «Duftgläser», das bietet die Ausstellung. Doch die beiden Kuratorinnen wollten ein vielschichtigeres Erlebnis schaffen. Mit der Nase in die bekannten und zum Teil überraschenden Düfte eintauchen. Dazu auch die sensorischen Empfindungen testen. Eine spannende und durchaus überraschende Erfahrung, welche die Besuchenden ins Gespräch untereinander bringt. Und immer wieder ist das Strahlen auf den Gesichtern auszumachen. Denn hier ist das Eintauchen mit verschiedenen Sinnen möglich. Neben der Nase dürfen auch Ohren, Augen und Hände eingesetzt werden, um die Ausstellung zu erfassen und zu erleben.
Gedichte wurden eingereicht
Auf einen Aufruf hin wurden verschiedene Gedichte zu den vier Düften eingereicht. Besser gesagt zu drei der vier Düfte. Denn zu Rauch wurden leider keine Gedichte eingereicht, wie Elena Eichenberger in ihrer Einführung eröffnet. Diese Duft-Gedichte sind als Hörprobe den einzelnen Räumen zugeordnet und können dort über Kopfhörer gehört werden. Die Wünsche werden am 4. Januar ähnlich einem Rauhnachtritual verbrannt, und der Rauch steige dann auf, erklärt Eichenberger. Auf dass die Wünsche in Erfüllung gehen mögen.
Die Auswahl der vier Düfte zu Weihnachten, gestehen die Kuratorinnen, sei eine Gratwanderung. Denn Düfte zu Weihnachten gibt es mehr als zu jedem anderen Kirchenfest. Und wer an eine Tanne denkt und eine Wunderkerze sieht, für den steigt der unverkennbare Duft in der Erinnerung auf. Neben bildlichen Dufterlebnissen, Büchern, den Duftgläsern und Hörerlebnissen hat es auch symbolische Kunstgegenstände in der Ausstellung. So hängt im Raum «Zimt» ein Fell-Objekt.
Was die Kuratorinnen sagen
Julia Schallberger, welche als Kuratorin am Kunsthaus in Aarau tätig ist, sieht ihre Arbeit darin, etwas Bekanntes für viele zugänglich zu machen, indem sie eine Sprache findet, die aussagt: «Das macht Sinn». Auf die Frage, welcher Duft ihr Weihnachten habe, antwortet sie, «als Kind nicht traditionell». Sie hätte sich manchmal gewünscht, sagen zu können, «bei uns gibt es das zu essen». Doch bei ihnen gab es immer etwas anderes und ihre Familie sei viel draussen gewesen oder in die Berge gefahren. Heute in ihrer Familie lebe sie dafür Tradition. So wichtelt die Familie zu Weihnachten.
Ganz anders Elena Eichenberger, die Kuratorin der Ausstellungen im Singisenflügel in Muri. Sie erinnert sich daran, dass ihre Mutter Mengen von Guetzli gebacken habe. Deren Duft zaubert ihr heute noch ein Lächeln ins Gesicht. Sie selbst «guetzle» ebenfalls, jedoch nicht so viel wie ihre Mutter.
Das Thema öffnen
Die Weihnachtsausstellung, welche im Singisenflügel im Kloster Muri eröffnet wurde, reiht sich in eine Folge von Weihnachtsausstellungen von Muri Kultur im Kloster Muri ein. Wurden hier in den vergangenen Jahren Krippen und Krippenfiguren aus aller Welt gezeigt, hat sich die Kommission um die Kuratorinnen Elena Eichenberger und Julia Schallberger entschlossen, in diesem Jahr den Raum zu öffnen und die Weihnachtsausstellung den Düften rund um Weihnachten zu widmen. Ob es sich um kirchliche Düfte handle, das wollen die beiden Kuratorinnen nicht verneinen, zumal die Ausstellung im Kloster Muri stattfindet. Des Weiteren werden Weihrauch und Myrrhe in der kirchlichen Liturgie verwendet. Dabei haben sie das Thema kritisch hinterfragt, «da Düfte ja nicht greifbar sind», und dennoch üben diese eine starke Wirkung aus, so Eichenberger. Dazu passe das Thema in die Weihnachtszeit und bilde einen schönen Gegensatz zur Hektik und zum Stress der Konsum-Weihnacht.
Rund um die Ausstellung gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Führungen, Lesungen und einen Duftworkshop am Mittwoch, 17. Dezember, mit Christine Gächter aus Abtwil.
Informationen: www.murikultur.ch.


