Einblick in die Arbeitswelt
13.09.2024 KelleramtIn Betriebe hineinschnuppern
Schülern der zweiten Oberstufe einen Eindruck von der Arbeitswelt vermitteln – darum geht es bei Berufe Kelleramt. Gestern und heute haben wieder mehr als ein Dutzend Betriebe Jugendliche für einen halben Tag bei sich ...
In Betriebe hineinschnuppern
Schülern der zweiten Oberstufe einen Eindruck von der Arbeitswelt vermitteln – darum geht es bei Berufe Kelleramt. Gestern und heute haben wieder mehr als ein Dutzend Betriebe Jugendliche für einen halben Tag bei sich empfangen. Das lohnt sich für beide Seiten. Die Betriebe können sich gut positionieren im sich verschärfenden Wettbewerb um die besten Lernenden, die Jugendlichen erhalten ihrerseits Gelegenheit, ihre Ziele zu konkretisieren und Ängste vor einer Schnupperlehre abzubauen. --tst
«Berufe Kelleramt»: das Gewerbe empfängt Schülerinnen und Schüler zu Schnupperhalbtagen
Die erfolgreiche Koproduktion des Gewerbes und der Kreisschule geht in die nächste Runde. Auch die Raiffeisenbank in Oberlunkhofen hat potenzielle Lernende willkommen geheissen.
Thomas Stöckli
Vor fünf Jahren hat sie im Rahmen von «Berufe Kelleramt» als Schülerin Einblick in die Raiffeisenbank Kelleramt-Albis in Oberlunkhofen erhalten. Jetzt empfängt Ronja Inderbitzin gemeinsam mit Stefanie Duarte, Leiterin Servicecenter, ihrerseits die aktuellen Zweit-Oberstufenschüler. Dazwischen steht eine Ausbildung zur Kauffrau EFZ, die sie im August erfolgreich abschloss. Und bei ihrer Arbeitgeberin hinterliess die Jonerin offenbar einen so guten Eindruck, dass sie unbefristet bleiben darf. «Das Team ist cool und ich habe es mit allen gut», sagt sie. Einzig ihre Mitarbeitenden müssen sich teils noch daran gewöhnen, dass sie nun nicht mehr die Lernende ist.
Dass sie die Schnupperhalbtage mitorganisiert, sei ihr ein Herzensanliegen gewesen, so Ronja Inderbitzin: «So kann ich etwas zurückgeben.» Und das macht sie mit viel Herzblut, führt die drei Schülerinnen durch die verwinkelt angelegten Büroräume, in Sitzungszimmer und Aufenthaltsbereiche. Von den 40 Mitarbeitenden der Raiffeisenbank Kelleramt-Albis sind rund 30 am Hauptsitz in Oberlunkhofen tätig. Über den ursprünglichen Bankräumen ist längst eine ursprüngliche Wohnung dazugekommen. Der laufende Neubau soll die Raumknappheit längerfristig lösen. «Im Spätsommer 2026 soll er bezugsbereit sein», sagt Stefanie Duarte.
Analoge Kontakte sind wichtig
«Berufe Kelleramt» ist eine Koproduktion des Gewerbes und der Kreisschule. «Es ist nach wie vor eines unserer wertvollsten Projekte», sagt Roger Cébe, Präsident des Gewerbevereins Kelleramt. Trotz aller digitaler Möglichkeiten vermittle ein analoger 1:1-Einblick mit persönlichem Kontakt eben immer noch einen besseren Eindruck in ein Berufsfeld und einen Arbeitgeber. Auch wenn es für die Betriebe aufwendig sei, hoffe er, das noch möglichst lange anbieten zu können. Allenfalls zukünftig auch auf das ganze Bezirk ausgedehnt. Entsprechende Gespräche laufen bereits. Ihm schwebt eine Messe vor, mit theoretischem Teil und praktischen Einblicken. «Das gäbe auch einen Austausch über die Grenzen der einzelnen Gewerbevereine hinaus», so Cébe.
Aufseiten der Gewerbler hat Georg Hagenbuch die Fäden in der Hand. Rund 15 bis 20 Betriebe seien jedes Jahr dabei, den Schülerinnen und Schülern einen Einblick zu vermitteln, sagt er. Den Planungspart aufseiten der Schule hat letztes Jahr Reto Jäggi, stellvertretender Schulleiter, übernommen. «Ursprünglich hatten wir noch sechs Zeitfenster», blickt Jäggi zurück, dann wurde auf vier und schliesslich auf drei reduziert. «Es kann auch hilfreich sein, etwas anzuschauen, das man sich nicht vorstellen konnte», so der stellvertretende Schulleiter. Alternativ haben die Schülerinnen und Schüler die Wahl, auch nur an zwei Orten reinzuschauen und dazu noch individuelle Arbeit vorzuberei-ten.
Einheitliche Grundkompetenzen und persönliche Erweiterungen
Die drei Schülerinnen, die bei der Raiffeisenbank dabei sind, haben sich daneben noch für andere KV-Berufe sowie Alternativen in der Gesundheits- und Hotelleriebranche angemeldet. Jetzt geht es allerdings erstmal ums Banker-Handwerk. Im Laufe der Führung erhalten die Gäste Einblick in verschiedene praktische Tätigkeiten, lernen etwas über Fremdwährungen und Börsenplätze. Bezüglich Ausbildung stellt Stefanie Duarte das «Magische Dreieck» vor, bestehend aus der Ausbildung im Betrieb, der Berufsfachschule BBZ in Wohlen und den überbetrieblichen Branchenkunde-Kursen, die in Aarau, Zürich, aber auch andernorts besucht werden können.
Die Raiffeisenbanken vermitteln ihren Lernenden einheitliche Handlungskompetenzen, darüber hinaus je nach Eignung auch optionale Vertiefungen, etwa in Finanzen und Technik, aber auch Beratung in Fremdsprachen. «Welche Sprachen muss man können?», fragt Schülerin Stella. «Unsere Kunden reden eigentlich fast alle Deutsch», sagt Stefanie Duarte. Es könne aber auch mal vorkommen, dass jemand nur italienisch verstehe oder man sich auf Englisch verständigen müsse.
Nicht abschliessend geklärt wird derweil die Lohnfrage. Auf der entsprechenden Folie beschränkt sich Stefanie Duarte auf die Richtwerte des Branchenverbands. Der sieht fürs erste Lehrjahr 830 Franken pro Monat vor, fürs zweite 1040 und fürs Dritte 1510 Franken. Dies bei sechs Wochen bezahlten Ferien pro Jahr.
Nach zweieinhalb Stunden werden die drei Schülerinnen wieder verabschiedet. Sie sind mindestens um eine Schnuppererfahrung reifer. Und – wer weiss: Vielleicht wird eine von ihnen in fünf Jahren selbst wieder Schülerinnen empfangen und diese an den Erfahrungen ihrer abgeschlossenen Berufslehre teilhaben lassen.



