Ein Platz, wo Frieden gedeihen kann
16.06.2026 Wohlen, Kultur, Bücher, Kommende EventsBuchvernissage am Sonntag, 21. Juni, 11 Uhr, im Restaurant Leo
«Rezepte für den Frieden» ist ein Projekt des Vereins «Nichten und Neffen» aus Sarmenstorf. Die Idee zum Buch stammt von Edith Bojnitzer Notowicz und wurde von Josefine Krumm liebevoll ...
Buchvernissage am Sonntag, 21. Juni, 11 Uhr, im Restaurant Leo
«Rezepte für den Frieden» ist ein Projekt des Vereins «Nichten und Neffen» aus Sarmenstorf. Die Idee zum Buch stammt von Edith Bojnitzer Notowicz und wurde von Josefine Krumm liebevoll zusammengestellt. Die Buchvernissage verbindet den Austausch mit der Verköstigung ausgewählter Rezepte im «Leo».
Monica Rast
«Möge dieses Buch uns daran erinnern, dass selbst in einer von Gewalt und Verlust geprägten Welt Frieden in einfachen, radikalen Gesten der Grosszügigkeit beginnen kann. Mit liebevoll zubereitetem Essen und einem Platz, der für jemanden gedeckt ist, den wir vielleicht noch nicht kennengelernt haben», schreibt Julie Feilberg im Vorwort des Buches. Sie ist eine alte Freundin von Edith Bojnitzer Notowicz und oft zu Gast an ihrem Tisch.
Als 14-jähriges, jüdisches Mädchen wurde Edith Bojnitzer Notowicz aus einer Menge herausgegriffen, während ihre gesamte Familie direkt in die Gaskammer in Auschwitz kam. Sie verlor nicht nur ihre Familie, sondern wurde auch der Möglichkeit beraubt, eigene Kinder zu bekommen. Sie ist eine der ganz wenigen Gefangenen, die Josef Mengele gesehen und überlebt haben.
Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit
Heute mit 97 Jahren spricht sie nie von Hass und Verlust. Stattdessen teilt sie ihre Erinnerungen an das Glück am Familientisch und das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Geborgenheit. Sie erzählt mit Freude von den Mahlzeiten ihrer Kindheit, den wunderbaren Düften aus der Küche und die vertrauten Gerichte, die über Generationen weitergegeben wurden. Ohne Ausnahme deckte ihre Mutter den Tisch mit einem zusätzlichen Platz, für den Fall, dass jemand vorbeikommen könnte.
Der leer gebliebene Stuhl hat für Edith Bojnitzer Notowicz auch heute noch eine tiefe Bedeutung: Er stand für Grosszügigkeit, Offenheit, Aufnahmebereitschaft und den Glauben, dass niemand abgewiesen werden sollte. «Für Edith ist Essen nicht nur Nahrung. Es ist ein Ausdruck von Fürsorge und Freundschaft», schreibt Julie Feilberg über ihre Freundin, «Essenstraditionen sind etwas Wertvolles und Rezepte sind Erinnerungen, die Brücken schlagen zwischen Menschen, Zeiten und Welten.»
Von Glück und Hunger geprägt
Edith Bojnitzer Notowicz hat in ihrem Leben sowohl Hunger als auch Glück erlebt. «Bis heute verstehe ich nicht, wie Geld in der Wirtschaft eingesetzt wird. Statt in Waffen zu investieren, sollte man Mittel in die Jugend stecken – etwa, um Wasser in trockenen Regionen zu erschliessen und so das Leid der Menschen zu lindern. Wasser, Land und Bildung: Das brauchen Menschen, um anbauen zu lernen und Nahrung zu produzieren.» Ob zu Hause, in der Jugendarbeit, in der Schulküche, in einem Kulturraum, im Museum, auf offener Strasse oder in einem Restaurant – überall lädt der Moment ein, Menschen an einem Tisch zu versammeln.
Besonders eine konkrete Episode bleibt Edith Bojnitzer Notowicz in all den Jahren in lebhafter Erinnerung. Sie vertritt die Meinung, dass der Friede zu Hause beginnt. Sei es beim Reden, beim Austausch oder Auseinandersetzungen. «Wir sind an der Reihe, tätig zu werden.» Edith Bojnitzer Notowicz und Josefine Krumm haben sich 2009 auf einer Geburtstagsfeier kennengelernt und sofort verstanden. Es ist eine Freundschaft entstanden, die über Worte hinausgeht.
Für den Frieden einstehen
Edith Bojnitzer Notowicz kam mit der Bitte, mit ihr einen Weg zu finden, um für den Frieden einzustehen, auf Josefine Krumm zu. Sie hat grosse Angst, die Geschichte werde sich wiederholen, und ist vom Wunsch motiviert, durch aktives Handeln eine Zukunft zu ermöglichen, in der ein gutes Leben für alle möglich ist.
In gemeinsamen Gesprächen kam man auf die Idee, ein Buch mit Rezepten für den Frieden zu verfassen. Junge Menschen aus aller Welt sollten ihr liebstes Rezept notieren und ihre Gedanken zur Förderung des Friedens formulieren. «Zuerst war das persönliche Gespräch, wir motivierten Menschen in unserem Netzwerk, die mit jungen Menschen leben oder arbeiten. Sie konnten wiederum junge Menschen für die Idee begeistern», erzählt Josefine Krumm. «18 junge Menschen aus 16 Ländern teilen in dem Buch ihr kulinarisches Erbe und eine Meinung zum Frieden.» In ihren Worten und Rezepten lebt dieselbe stille Weisheit: dass Frieden dort gedeiht, wo Türen offen sind, wo Tische geteilt werden, wo es immer Platz für eine weitere Person gibt.
Infos: www.nichten-und-neffen.ch. Reservation: kontakt@nichten-und-neffen.ch

