Ein Leben im Dienste der Natur
22.03.2024 Kelleramt, RottenschwilInteressen vereinen
Stiftung Reusstal: Josef Fischer geht in Pension
35 Jahre war Josef Fischer Geschäftsführer der Stiftung Reusstal. Dabei prägte ein besonderes Anliegen seine Ägide.
«Es war eine ganz ...
Interessen vereinen
Stiftung Reusstal: Josef Fischer geht in Pension
35 Jahre war Josef Fischer Geschäftsführer der Stiftung Reusstal. Dabei prägte ein besonderes Anliegen seine Ägide.
«Es war eine ganz grosse Herzensangelegenheit.» Die Interessen von Naturschutz und Landwirtschaft miteinander zu vereinen, war eines der grossen Anliegen, die Josef Fischer während seiner Zeit als Geschäftsleiter der Stiftung Reusstal begleiteten. Dank seiner Arbeit als Aufklärer und Fachmann schaffte er es stets, die Menschen an einen Tisch zu bringen. «Nie allein, sondern gemeinsam», lautete dabei seine Devise. Nun geht er Ende März in Pension. --cbl
Josef Fischer verlässt die Stiftung Reusstal nach 35 Jahren
Dass Naturschutz und Landwirtschaft nebeneinander bestehen können, ist nicht immer einfach. Den Kompromiss für beide Seiten zu finden, war eine der grossen Aufgaben von Josef Fischer. Über drei Jahrzehnte stand er der Stiftung Reusstal als Geschäftsführer vor. Nun geht er Ende März in Pension. «Vieles hat sich verändert. Es gab viel Fortschritt, aber auch Rückschläge.»
Celeste Blanc
Ein Brückenbauer. Es ist wohl das Wort, das Josef Fischer in seiner Tätigkeit am besten beschreibt. Bedürfnisse abklären, Verständnis füreinander schaffen. Und gemeinsam eine Lösung finden, die vor allem für Naturschutz und die Landwirtschaft passten. «Immer hochinteressant, aber alles andere als einfach», meint der studierte Biologe lachend, während er durch sein Fernglas das Auengebiet Rottenschwils beobachtet.
Der Blick aus Fischers Büro im Zieglerhaus ist spektakulär: Alpen, Stille Reuss, Naturschutzgebiet. Hier, an diesem Fenster führte er über all die Jahre Aberhunderte von Telefonaten. Mit Interessierten, Fachpersonen, Naturschützern, Landwirten. Intensiv und lehrreich war der Austausch dabei vor allem mit Letzteren. «In meiner Anfangszeit waren die Bauern skeptisch mir gegenüber. Der Naturschutz war damals noch nicht so präsent», erinnert er sich zurück. Das war 1989, als es Fischer jobbedingt vom Kanton Fribourg ins Kelleramt verschlug. «Die Gemeinden entlang der Reuss, sie hielten für so manche erste ‹Lehrblätze› bereit.»
Schritt für Schritt lautet die Devise
Seit 1977 zählt die interkantonale Reusslandschaft von Sins nach Windisch zur Landschaft von nationaler Bedeutung. Einen Teil dazu hat die Stiftung Reusstal beigesteuert. Ausgangspunkt waren 3,6 Hektaren, welche die Stiftung 1963 erworben hat. Heute, 60 Jahre später, misst diese eine Gesamtfläche von 230 Hektaren, bestehend aus verschiedenen Biotopen, Auen und Flachmooren. Der Grossteil davon ist heute im Gesamteigentum des Kantons Aargau im Grundbuch aufgeführt. «Schritt für Schritt ist man gegangen, um am Schluss dieses grosse Gebiet zu erreichen», meint Fischer, der erst der zweite Geschäftsleiter ist.
Schritt für Schritt, es war stets Josef Fischers Maxime während drei Jahrzehnten Arbeit für die Stiftung. Stetig im Austausch mit Menschen wurde das Bewusstsein für das Projekt über die Jahre kultiviert und gefestigt. Knowhow mit Fachexperten wie Biologen, Gewässerschützern und Geologen liessen die Gebiete aufblühen und halfen dem Geschäftsführer, das Zieglerhaus als Informationscenter weiterzuentwickeln. Hinzu kam der stetige Dialog mit den Landwirten. «Bei den Freiämter Landwirten biss ich anfangs auf Granit. Doch es entwickelte sich ein Austausch, der sehr viele positive Entwicklungen mit sich zog», blickt er zurück. Denn gerade im alten Auenraum, wo dank der Reuss besonders fruchtbare Böden bestehen, die auch für die Landwirtschaft beste Bedingungen bieten, treffen die Interessen aufeinander. «Den Kompromiss zu finden, war dabei der Schlüssel zum Erfolg.» So bezog man die Bauern bei der Pflege der Naturschutzgebiete mit ein, während sie die Riedstreu als Dünger für ihre Felder verwenden durften. Gerade auch wegen dieser Eingriffe durch den Menschen mutierte das Gebiet an der Freiämter Reuss zum Hotspot der Biodiversität und ist heute Vorzeigebeispiel in der Schweiz. Für Fischer ganz klar ein «Gesamtwerk mit vielen Beteiligten». «Die Erkenntnis, was alles möglich ist, wenn man zusammenarbeitet, ist wohl das Beeindruckendste in all den Jahren gewesen.»
Zusammenarbeit schafft grosse Schutzfläche
Landwirtschaft und Naturschutz – es war immer die grosse Schnittstelle in der Arbeit von Josef Fischer. Dabei kamen ihm seine eigenen Erfahrungen zugute: In seiner Kindheit ist der 64-Jährige selbst auf einem Bauernhof im Luzerner Suhrental aufgewachsen, wo er schon früh bei bäuerlichen Arbeiten mitgeholfen hat. «Auch gerade deshalb kenne ich die Bedenken und Interessen der Landwirte», erzählt er. Dabei vertrat er immer die Ansicht, dass der Naturschutz nicht nur fordern, sondern auch geben müsse.
Daraus entstand auch Fischers grösstes Projekt während seiner Zeit: Die Erweiterung des Auenschutzgebiets im Giriz in Rottenschwil. Ermöglicht wurde dieses dank einem Landabtausch. «Die Stiftung hat gutes Ackerland von einem Werder Bauern kaufen können, welches mit demjenigen eines Bauern abgetauscht wurde, das mit einem Auengebiet zusammenhängt. Ein Abtausch, von dem beide Seiten profitierten.»
Doch nebst Fortschritten gab es auch Rückschläge. Etwa, wenn die gute Zusammenarbeit durch rechtliche Rahmenbedingungen und entsprechend erschwerte Anforderungen nicht mehr mitgetragen wird. «Es gab Beispiele, wo die politischen Entscheidungen die Zusammenarbeit erschwerten, diese Missmut aufkommen liessen und sich verhärtete Fronten bildeten. Da war und ist es besonders wichtig, dennoch den Dialog zu pflegen.»
Besonderes Abschiedsgeschenk
Fischer schaut erneut durch das Fernglas – und erspäht einen Kiebitz. Der Brutvogel ist rar und hat dank der Naturschutzarbeit der Stiftung und des Kantons wieder einen Platz in der Reussebene gefunden. Auch Laubfrösche, die um 1990 kaum noch vorgekommen sind, konnten ihre Population vergrössern. Zugvögel, Amphibien und wieder hier angesiedelte Pflanzen finden an der Reuss, aber auch in Biotopen im Kelleramt und auf dem Mutschellen ein Zuhause. Und Fischer kann zum Ende seiner Tätigkeit ein altes Naturschutzanliegen zu einem guten Ende führen: Eine Privatperson verkauft der Stiftung ein Grundstück, mit dem ein nationales Flachmoor in Arni erweitert werden kann. «Das ist das perfekte Abschiedsgeschenk.»
Und auch wenn nun Schluss ist und sich Fischer in die wohlverdiente Pension verabschiedet, wird der Experte der Stiftung und seiner Nachfolgerin Elisabeth Graf Pannatier mit Rat zur Seite stehen und noch die eine oder andere Exkursion führen. Über 1700 Exkursionen habe er bisher geleitet. «Da liegt noch mehr drin», lacht er. Denn der Naturschutz sei eine Passion, die sein Leben gestaltet und geprägt hat und die durch die Pension nicht weggehe. «Zudem habe ich zwei Enkelkinder, die ich für den Naturschutz begeistern möchte. Nun müssen sie dran glauben.»