Ehrlichkeit währt am längsten
18.07.2025 KelleramtOscar Gemsch, Islisberg, und Peter Marending, Arni, erzählen über ihre Arbeit in der Elektra Arni-Islisberg
Sie haben, während 16 respektive 25 Jahren die Elektra Arni-Islisberg geleitet und mitgestaltet. In einer Zeit, die als Übergang im ...
Oscar Gemsch, Islisberg, und Peter Marending, Arni, erzählen über ihre Arbeit in der Elektra Arni-Islisberg
Sie haben, während 16 respektive 25 Jahren die Elektra Arni-Islisberg geleitet und mitgestaltet. In einer Zeit, die als Übergang im Netzwerkausbau gilt. Nach ihrem Rücktritt erzählen sie über ihre Erfahrungen, Erlebnisse und wie Strom gespart werden soll. Oder warum den Kunden oft nicht die Wahrheit gesagt wird.
Verena Anna Wigger
Geht es nach dem Bund, soll nicht die Lieferung von Strom in den kommenden Jahren die Uraufgabe sein. Sondern man drängt darauf, dass die Elektras wie jene von Arni-Islisberg ihren Kunden beibringt, wie man Strom sparen kann. Da spielen wirtschaftliche Faktoren hinein. Was im Klartext heisst, die Elektra-Genossenschaften sollen ihre Mitglieder motivieren, sich neue, leistungsfähigere Geräte anzuschaffen, welche weniger Strom benötigen. Peter Marending und Oscar Gemsch vermuten hier eher wirtschaftliche Interessen. Marending sagt dazu: «Es ist aber nicht die Aufgabe der Elektras für die Stromeinsparung zu sorgen.» Der daraus resultierende Minderverbrauch an Strom würde aufgerechnet und als Stromeinsparung ausgewiesen.
Keine überzeugende Rolle des Regulators
Solche Massnahme überzeugen die beiden Ingenieure wenig. Genau so wie die fehlende klare Strategie, welche der Bund in seiner Strompolitik an den Tag lege und von welcher die Elektras und Zulieferer betroffen sind. Was dazu führe, dass es durchaus auch in unserem Land wie erst kürzlich in Spanien und Italien zu einem Kollaps kommen kann, erklärt Oscar Gemsch. Als mutmassliche Ursache vermuten die beiden Stromexperten die Einspeisung aus privaten Photovoltaikanlagen. Denn die Netze seien für ein anderes System gebaut. Dazu komme der übermässige «Papierkram» welcher sich fortlaufend anhäufe und sich am Schluss als wenig durchdacht und hilfreich erweist.
Wobei Oscar Gemsch, der ehemalige Präsident der Elektra, durchaus auch die Kontrollfunktion und den Nutzen eines Regulators sieht. Das Giesskannen-Prinzip, welches dieser heute bei der Kontrolle anwendet, sei aber verfehlt, findet er. Dieses Korsett, mit welchem die dörflichen Genossenschaften immer mehr eingeengt und handlungsunfähig gemacht werden, sieht Gemsch als verfehlte Aktion. Marending beanstandet auch, «welch grosser bürokratischer Aufwand betrieben werden muss». Stichproben nach bestimmten Kriterien würden reichen, so Gemsch. Denn die Elektra Arni-Islisberg (EGAI) ist glücklich, dass sie es dank ihrer Strategie sogar geschafft hat, den Strom zu günstigeren Tarifen als einzelne Grossverteiler an die Kunden weiterzugegeben.
Auch bei technischen Vorgaben, wie der Einführung der Smart-Meter, ist die EGAI auf Kurs. Diese Projekte, welche 2027 abgeschlossen werden müssen, hat die EGAI Ende letzten Jahres erreicht. Was die beiden scheidenden Vorstandsmitglieder freut.
Zentral oder dezentral, ein grosser Unterschied
Neben der fehlenden Strategie gebe es weitere Komponenten, die zur Fragilität des Netzwerks führen. Denn aus dem zentral geführten Stromnetzwerk der letzten 100 Jahre soll nun plötzlich ein dezentral agierendes Netzwerk werden. Dies sei einfach gesagt und vielfach mit Schlagworten und Worthülsen formuliert. Neue Technologien allein genügen nicht. Dazu brauche es auch kilometerweise neue Kabel und Verteilkästen, um ein leistungsfähiges Netzwerk zu etablieren. «Von den Kosten, die daraus entstehen, von denen spricht niemand», erklärt Peter Marending, worüber sich viele nicht im Klaren sind.
Als Oscar Gemsch vor 16 Jahren zur Elektra Arni-Islisberg kam, gab es zwei Aufgaben, die anstanden. Zum einen galt es, das 100-Jahr-Jubiläum zu feiern. Zum anderen wurde das Netzwerk neu erfasst und eine Anlagenbuchhaltung eingeführt. Darin wurden die bestehenden Leitungen definiert und das Netz wurde neu bewertet. Denn vor ihrer Zeit und den neuen technischen Errungenschaften war oft nicht klar, wo genau Leitungen liegen. Peter Marending, der in der Elektra 25 Jahre als Aktuar tätig war, ist es wichtig zu erwähnen: «Wir hatten und haben im Vorstand motivierte und sachkundige Mitglieder.» Darum sei dies möglich. «Auch ich hoffe, dass die kleinen Elektras überleben können», setzt Marending nach.
Unseriöse Werbung für Kunden
Oscar Gemsch findet es unseriös, wie heute PV-Anlagen angepriesen werden. So müsste den Kunden beispielsweise gesagt werden, dass die PV-Anlage ohne Zusätze nicht vor einem Stromausfall des Netzes schützt.
Am effizientesten sei es, wenn der Strom selbst verbraucht wird; dazu braucht es aber zusätzliche technische Einrichtungen und sinnvollerweise eine Batterie. Zudem muss man sich bewusst sein, dass die Einspeisevergütungen sinken werden – auf null gehen oder sogar negativ werden können. Was heissen würde, das es auch zeitlich dynamische Tarife geben kann. Da bei sonnigen Tagen in gewissen Regionen bereits heute mehr Strom produziert als verbraucht wird. Diese Situation ist der zum Teil verfehlten Subventionierungspolitik des Bundes zuzuschreiben.
Wünsche für die Zukunft
Nun hat ein neues Team die EGAI übernommen. Es entscheidet über die künftige Strategie. Für die Zukunft wünscht sich der ehemalige Präsident der Elektra Arni-Islisberg: «dass es der Elektra gelingt, in ihrer Selbstständigkeit zu bleiben.» Persönlich sei er überzeugt, dass sie das schaffen, zugunsten der Kunden.

