Drei neue Schwerpunkte definiert
15.03.2024 Region Oberfreiamt, AristauRiesige Themenvielfalt an der Abgeordnetenversammlung der Repla Oberes Freiamt in Aristau
Areal- und Flächenmanagement, Wirtschafts- und Standortförderung sowie Mobilitätsmanagement. Es sind diese drei Themen, auf die innerhalb der Repla in den ...
Riesige Themenvielfalt an der Abgeordnetenversammlung der Repla Oberes Freiamt in Aristau
Areal- und Flächenmanagement, Wirtschafts- und Standortförderung sowie Mobilitätsmanagement. Es sind diese drei Themen, auf die innerhalb der Repla in den nächsten Jahren ein besonderer Fokus gelegt werden soll. Zudem beschäftigen sich Vorstand und Kommissionen mit vielen aktuellen Fragestellungen.
Annemarie Keusch
Es ist ein Strategiepapier. Hier werden Themen festgelegt, hier geht es um die Stossrichtung der Repla Oberes Freiamt. RRK 20240 heisst das Dokument, Regionales Raumkonzept. Alle vier Jahre wird es einem Controlling unterzogen. Weil Geschäftsstellenleiter Daniel Räber dieses übernahm, schloss die Repla das vergangene Jahr finanziell deutlich besser ab als budgetiert. Das ist aber nicht die zentrale Erkenntnis. Das sind jene drei Handlungsfelder, die Räber beim Controlling herausarbeitete. «Grundsätzlich lässt sich sagen, dass keine Überarbeitung nötig ist, dass die strategischen Felder nach wie vor gültig sind. Aber wir wollen drei Handlungsfelder priorisieren.»
Einerseits geht es um das Areal- und Flächenmanagement. Räber weiss, dass es ein Ungleichgewicht gibt bezüglich Angebot und Nachfrage und er kennt die Herausforderungen von Industriebetrieben, die ausserhalb Baugebiet sind. «Wir planen ein Pilotprojekt zu lancieren zum Thema Regionale Arbeitszone im Bezirk Muri», betont er. Ein zweiter Fokus gilt der Wirtschaftsund Standortförderung. Mit der Marke «Freiamt.Mittendrin» als Projekt der Neuen Regionalpolitik (NRP) ist in den letzten zwei Jahren diesbezüglich einiges passiert. «Jetzt gilt es, Partner aus der Wirtschaft zu gewinnen», gibt Räber das Ziel vor. Schliesslich sei das Freiamt umgeben von Regionen, die in Sachen Standort- und Wirtschaftsförderung gut organisiert sind. «Wir haben Potenzial, wollen unsere Kräfte bündeln und den eingeschlagenen Weg weitergehen.»
Höheres Pensum für Geschäftsstellenleiter
Der dritte Fokus gilt dem Mobilitätsmanagement. «Die Mobilität der Zukunft geniesst dabei höchste Priorität», betonte der Geschäftsstellenleiter der Repla Oberes Freiamt. Eine Spurgruppe soll sich dieses Themas annehmen und eine entsprechende Strategie ausarbeiten. «Es gibt Gemeinden, die diesbezüglich schon weit fortgeschritten sind. Und es gibt Ideen, Taxito ist eine davon. Auch diese wollen wir bündeln.»
70 000 Franken sprachen die Abgeordneten im Rahmen des Budgets für diese drei Schwerpunktthemen. «Wir brauchen dieses Investition, um vorwärtszukommen», ist Räber überzeugt. Dass das Budget deshalb knapp 100 000 Franken Verlust vorsieht, ist auch laut Präsident Pius Wiss bei der aktuellen Vermögenslage von rund 300 000 Franken kein Grund, die Beiträge der Verbandsgemeinden zu erhöhen. Im Budget eingerechnet ist ebenfalls, dass das Pensum von Geschäftsstellenleiter Räber von 30 auf 35 Prozent erhöht wird. «Die 30 Prozent reichten einfach nicht mehr aus», betonte Wiss.
Kleine Schritte im öV
Im Vorstand und in den Kommissionen sind ganz unterschiedliche Themen aktuell. Zum dritten Mal ist die Gestaltung eines neuen Web-Auftrittes Teil des Budgets. «Dieses Mal haben wir hoffentlich die Ressourcen, das umzusetzen», meinte Wiss. In der Fachgruppe Alter kommen mit der Gesundheitspolitischen Gesamtplanung des Kantons neue Herausforderungen auf die Repla zu. «Diese Woche verabschiedete die vorberatende Kommission dieses Werk», konnte Präsident und Grossrat Hans-Peter Budmiger informieren. Er könne verraten, dass die integrierte Versorgung ein zentrales Element ist. «Das wird uns betreffen. Die Versorgungsregionen sind die Zukunft, in welcher Form auch immer. Vielleicht bietet sich hier die Repla an, zentrale Stelle zu sein.»
Auch der öV-Kommission Freiamt um Präsident Reto Widmer gehen die Herausforderungen nicht aus. «Wir haben eine schlagkräftige Gruppe und können immer wieder Verbesserungen erreichen.» Sei es der Stundentakt von Wohlen via Waltenschwil und Besenbüren nach Rottenschwil. Oder die Aussicht darauf, dass ab 2026 alle S26-Züge bis nach Langenthal fahren. «Das ist eines unserer ältesten und hartnäckigsten Begehren – die Direktverbindung zumindest bis Aarau», sagt Widmer. Aber es gebe auch schwierige Herausforderungen, etwa der behindertengerechte Perronzugang Mühlau, der eigentlich bis Ende letztes Jahr versprochen war. «Mittlerweile müssen wir zufrieden sein, wenn er Ende 2025 realisiert ist.»
Regionale Integrationsfachstelle
Daniel Räber informierte zudem über die Regionale Integrationsfachstelle. Das Projekt wird am 4. Juni vorgestellt. Während bisher neun Gemeinden aktiv mitgearbeitet haben, sollen noch im Sommer Absichtserklärungen aller Gemeinden folgen, ob sie beim Projekt dabei sind oder nicht. «Im Herbst wird das an den Gemeindeversammlungen ein Thema.» Geplant sei, dass die Fachstelle im ersten Quartal 2025 den Betrieb aufnehme. «Im Bezirk haben wir einen Migrationsanteil von 20 Prozent. Diese Zahl wird weitersteigen. Es ist also sicher richtig, dass wir dieses Thema gemeinsam anpacken.»
Dabei helfen zwei neue Gesichter im Vorstand. Um die Aufgaben auf mehr Schultern verteilen zu können und wegen des Rücktritts von Stefan Balmer, wurden zwei Gemeinderäte neu gewählt: Jürg Barmettler, Beinwil, und Peter Suter, Mühlau. Balmer gehörte seit 2013 dem Vorstand an, präsidierte und baute die Landschaftskommission auf, begleitete die Entstehung des Landschaftsentwicklungsprogramms und führte jährlich mit zwei Gemeinden Gespräche zu diesem Thema. «Mittlerweile habe ich alle Gemeinden einmal besucht. Der Kreis schliesst sich», sagte Balmer an seiner 27 Abgeordnetenversammlung der Repla. Noch vor dem Engagement im Vorstand war er Abgeordneter der Gemeinde Abtwil. Verabschiedet wurde auch Fachplaner Hans-Peter Knoblauch, der rund 30 Jahre mitarbeitete, vor allem wenn es um Stellungnahme rund um die Themen Verkehr und Mobilität geht. «Er hat die Nutzungsplanung jeder Gemeinde bei deren Revision genau angeschaut», blickte Wiss zurück. Also schliesst sich auch dieser Kreis.
Beispiel, wie es gehen könnte
Chris Springer erzählte von der regionalen Sportanlage Burkertsmatt auf dem Mutschellen
Eine regionale Sportanlage. Immer wieder ist sie Thema in der Repla Oberes Freiamt. Chris Springer zeigte anhand des Projekts auf dem Mutschellen, wie der Weg aussehen könnte. Dieser war gesäumt mit Höhen und Tiefen.
Er nimmt es früh vorneweg. «Für mich ist klar, das Sportzentrum Burkertsmatt ist eine Erfolgsgeschichte, eine Aufwertung für unsere Region.» Das sagt Chris Springer, Präsident der Abgeordnetenversammlung des Gemeindeverbands Sprt-, Freizeit- und Begegnungszentrum Burkertsmatt. Es seien neue Vereine entstanden – Leichtathletik, Pétanque, Bogenschiessen. Bestehende Vereine seien merklich gewachsen. «2000 Jugendliche trainieren oft mehrmals wöchentlich auf der Anlage.» Zudem finden attraktive Wettkämpfe statt, Schweizer Meisterschaften. Auch für Kinder-Camps werde die Anlage gebraucht.
Hinter dem, was 2012 offiziell eingeweiht wurde, liegt aber eine lange Geschichte. Erstmals geisterte die Idee schon in den 1970er-Jahren durch den Mutschellen. Konkret wurde es 1995, als der Gemeindeverband mit den Gemeinden Widen, Berikon und Rudolfstetten-Friedlisberg gegründet wurde. Schon drei Jahre später folgte das Ja zum Landerwerb und zum Baukredit. Dann begann es zu harzen, es folgten zwei Referenden, eines führte zu einem redimensionierten Projekt, das andere wurde an der Urne abgelehnt. 2001 kam das definitive Ja, nach total 18 Entschlüssen an «Gmeinden».
Bedürfnisse immer wieder abholen
«Es hat sich gelohnt», sagt Chris Springer in der Retrospektive. Was nach 2001 folgte, bezeichnet er aber nach wie vor als Leidensweg. Einsprachen, juristische Verfahren, Verwaltungsgericht, Bundesgericht – acht Jahre dauerte es, bis das Ja zur Burkertsmatt rechtsgültig war. Drei Jahre später wurde die Anlage feierlich eingeweiht. Fussballfelder, Beachvolleyball, Leichtathletik, eine neun Meter hohe Dreifachturnhalle, Hartplätze, Jugendräume – die Anlage bietet alles. «Uns war es von Anfang an wichtig, dass wir möglichst viele Bedürfnisse abdecken, nicht nur jene der Trendsportarten und allgemein nicht nur jene der Sportvereine. Die Burkertsmatt ist ein Begegnungsort, seit zwölf Jahren.
Auch, weil sie sich immer entwickelt hat. Finnenbahn, Kinderspielplatz, Kunststoff-Eisbahn, Solaranlage, Überwachungskamera, Outdoor-Workout-Platz, aktuell steht der Pumptrack kurz vor der Fertigstellung. «Es ist wichtig, die Bedürfnisse möglichst vieler Beteiligter laufend abzuholen», betont Springer. Aber es gebe natürlich auch Herausforderungen. Ein zweites Kunstrasenfeld zum Beispiel, oder die bald nötige Umrüstung auf LED. «Und wenn mehrere Gemeinden involviert sind, muss man über die Kosten reden.» Eine Million Franken kostet der Betrieb jährlich, neben betrieblichen Einnahmen teilen sich die drei Verbandsgemeinden die Kosten von rund 600 000 Franken anhand der Anzahl Steuerzahler auf. «Aber es nutzen nicht nur Kinder aus den drei Gemeinden die Anlage. Hier gab es Diskussionen. Und Lösungen.» Oberwil-Lieli beteiligt sich mit einem Steuerfuss-Prozent an den Kosten. «Somit haben wir aktuell 80 Prozent der Nutzniesser abgedeckt.» Ob im Bezirk Muri der Weg zu einem regionalen Sport-, Freizeit- und Begegnungszentrum auch bald unter die Beine genommen wird? Darüber werden sich die Abgeordneten der Repla Oberes Freiamt in Zukunft unterhalten. Was ihnen Springer mitgibt: «Es braucht viel Herzblut und juristisches Wissen, aber es lohnt sich.» --ake