Der Vorrat reicht noch aus
19.06.2026 Mutschellen, Berikon, Natur, EnergieWaldumgang im Zeichen von Energieholz und Naturschutz
Was wächst heute auf den Flächen, die Sturm Lothar im Jahr 1999 verwüstet hat? Erfreulich viel, war am Waldumgang zu erfahren. Genutzt wird der Jungwuchs vor allem für die ...
Waldumgang im Zeichen von Energieholz und Naturschutz
Was wächst heute auf den Flächen, die Sturm Lothar im Jahr 1999 verwüstet hat? Erfreulich viel, war am Waldumgang zu erfahren. Genutzt wird der Jungwuchs vor allem für die Wärmegewinnung.
Es war ein trauriges Bild, das sich am Stephanstag 1999 bot im Beriker Wald. Sturm Lothar hatte beim Waldhaus gewütet und tiefe Wunden in den Baumbestand gerissen. Nicht nur der Ortsbürgergemeinde als Besitzerin des Waldes blutete das Herz. Auch Spaziergängerinnen und Spaziergänger konnten in den Jahren nach dem Sturm die Folgen ausmachen: Dichtes Dornengestrüpp wucherte, kaum Bäume waren auszumachen.
Wie sich diese Flächen heute präsentieren und wie sie genutzt werden, erfuhren die Teilnehmenden am Waldumgang von Revierförster Christoph Schmid. Dank Pflegeeingriffen ist das Gestrüpp weitgehend verschwunden, junge Bäume wachsen dicht an dicht in die Höhe. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis sie zu Möbel, Balken oder Bretter verarbeitet werden können und so für die Waldbesitzerin einen Nutzen abwerfen.
Mitarbeiter bestmöglich schützen
Vereinzelt stehen in den Sturmflächen noch prächtige, hohe Bäume. Zwei von ihnen wurden von Forstwartlehrling Yannick Käppeli anlässlich des Umgangs fachgerecht gefällt. In eine der beiden Weisstannen hatte der Blitz eingeschlagen, der Nachbarbaum hatte dabei so viel Wärme abbekommen, dass auch er gefällt werden musste. Zum Einsatz kam dabei auch ein Gerät, das der Forstbetrieb Mutschellen vor Kurzem angeschafft hat. Es ist ein spezieller Keil, der mit Einsatz von elektrischer Energie in die Schnittfläche hineingetrieben wird und so den Baum zum Fallen bringt. Der Keil kann sogar mittels Fernsteuerung bedient werden. «Wir möchten die Forstarbeiter möglichst weit weg von einer möglichen Gefahrenquelle haben», erklärte Schmid die Anschaffung. Denn beim Fällen kann es immer passieren, dass grosse Äste abbrechen und im dümmsten Fall den Forstarbeiter treffen und verletzen. «Die Heilungskosten danach sind ein Mehrfaches höher als so ein Spezialgerät», weiss Schmid aus eigener Erfahrung.
Die Fällaktion am letzten Samstag verlief unfallfrei. Anschliessend kam Forstunternehmer Ivan Enzler mit dem Forwarder auf den Platz und zerschnitt mit der riesigen Maschine die Baumstämme. Dabei zeigte sich, dass eine Weisstanne noch an eine Sägerei verkauft werden kann, die andere wird zu Energieholz. «In den ersten zwanzig Jahren lässt sich auf den Lotharflächen nur Energieholz gewinnen», so Schmid.
Wichtige Einnahmequelle
Energieholz ist zu einer wichtigen Einnahmequelle für den Forstbetrieb Mutschellen geworden. Der Vorrat im Forstbetrieb beläuft sich auf rund 700 000 Kubikmeter Schnitzelholz. Davon wachsen rund 21 000 Schnitzelkubikmeter nach im Jahr. Der Wärmeverbund Mutschellen, der nun errichtet wird, benötigt in der ersten Etappe an die 13 000 Kubik Holzschnitzel im Jahr, dazu kommen rund 4000 Kubik an bestehende Holzschnitzelheizungen auf dem Mutschellen, im Reusstal und in Zürich. «Der Vorrat reicht aus in den nächsten Jahren», so Förster Christoph Schmid. Bei einem weiteren Ausbau des Wärmeverbunds könnte es jedoch knapp werden. «Dann müssten wohl bestehende Lieferverträge mit auswärtigen Abnehmern aufgelöst werden.» Oder bestehende Schnitzelheizungen, beispielsweise diejenigen der Kreisschule und des Sportzentrums Burkertsmatt, an den Wärmeverbund angeschlossen werden.
Wie die zum Teil mächtigen Baumstämme innert kürzester Zeit zerhackt werden, führte das Unternehmen Hürlimann aus Bremgarten vor. Dieses hackt das Holz im Forstbetrieb Mutschellen und führt es auch ab. Die Schnitzel waren vor allem bei den Kindern ein hochwillkommenes Spielzeug.
Der Artenvielfalt nachhelfen
Ein willkommener Spielplatz für die Kinder waren auch die Tümpel im Feuchtgebiet Allmend. Wegen des lehmigen Untergrunds fliesst das Wasser nach Regenfällen nicht ab und das Gebiet kann nicht mit Maschinen bewirtschaftet werden. Also hat hier der Naturschutz Vorrang: Der Forstbetrieb hat Tümpel angelegt und seltene Baumarten gepflanzt. In den Tümpeln sind bereits zahlreiche Kleinlebewesen heimisch und vor allem die Erlen, die nasse Böden mögen, gedeihen hier prächtig. Die Artenvielfalt ist hier wichtiger als die Nutzung. Auch das darf an ausgewählten Stellen im Forstbetrieb sein.
Zum Abschluss des informativen Spaziergangs entlang der Lotharflächen gab es im Zelt beim Waldhaus für alle rund drei Dutzend Teilnehmenden eine Wurst vom Grill und zum Dessert die beliebte «Cremeschnitte am Meter» oder denn ein Stück Torte. --eob

