Der tolle Typ da hinten
15.03.2024 WohlenDer Schattenstar
Das musikalische Chamäleon Micha Dettwyler spielt Cello. Beim nächsten Song sitzt er am Schlagzeug. Bei den meisten Szenen, die auf dem Sender «3+» über den Bildschirm flimmern, ist er als Background-Sänger zu sehen ...
Der Schattenstar
Das musikalische Chamäleon Micha Dettwyler spielt Cello. Beim nächsten Song sitzt er am Schlagzeug. Bei den meisten Szenen, die auf dem Sender «3+» über den Bildschirm flimmern, ist er als Background-Sänger zu sehen – und zu hören. Der Freiämter Micha Dettwyler ist zum fünften Mal bei «Sing meinen Song – das Schweizer Tauschkonzert» mit dabei. Erstmals ohne seinen Bruder Jan Seven Dettwyler.
Doch der Wohler Micha Dettwyler mischt noch bei anderen grossen Kisten wie beispielweise «Art on Ice» mit. Der Musiklehrer ist dabei stets im Hintergrund, dort fühlt er sich wohl. Dabei hat der 51-Jährige aussergewöhnliche Fähigkeiten. --spr
Der Wohler Musiklehrer Micha Dettwyler steht auf den grossen Bühnen – und doch nicht im Rampenlicht
Ob bei «Sing meinen Song», bei «Art on Ice» oder den grossen Festivalbühnen der Schweiz: Micha Dettwyler wirkt mit. Sein riesiges Können imponiert. Der 51-Jährige ist dabei aber stets im Hintergrund. «Ich fühle mich wohl da hinten», sagt er.
Stefan Sprenger
Ihr Musiktalent ist riesig. Die Dettwyler-Brüder Jan und Micha gehören zu den ganz wenigen Menschen in diesem Land, die von der Musik leben können. Jan Seven Dettwyler ist heute im deutschsprachigen Raum jedem Musikfan ein Begriff. Er ist ein Star und auf den grossen Bühnen zu Hause. Auch Micha Dettwyler ist Berufsmusiker. Auch er ist auf den grossen Bühnen anzutreffen. Die Berühmtheit seines jüngeren Bruders, dem Soulstar, dem Leadsänger, die hat er nicht. Die will er auch nicht. «Ich war schon immer zurückhaltender», sagt er mit einem lauten Lachen.
Sein riesiges Talent, es wurde ihm in die Babyschale gelegt. Mutter Ruth unterrichtet Musik, Vater Urs ist Opernsänger. Unter dem Weihnachtsbaum spielte Micha das Cello, Jan die Geige. Ein Livekonzert, für das man heute Eintritt bezahlen würde.
2011 erhält die ganze Familie Dettwyler den Wohler Kulturpreis. Damals sagte Musiklehrer Adrian Heimgartner: «Als ich Micha Dettwyler zum ersten Mal begegnete, war er noch ein Baby. Er hat nicht geschrien, sondern bereits die Tonleiter gesungen.»
Die Dettwyler-Brüder gehen ihren Weg. Mit Unterstützung der Eltern. Die Karriere von Jan Seven Dettwyler ist bekannt. Micha zieht in der Band seines Bruders mit, von Anfang an. Perkussion, Cello, Backgroundgesang – und weitere Instrumente.
«Der beste Bruder der Welt»
Sein Bruder Jan sagte einst über ihn: «Er ist ein Sänger, von dem ich jeden Tag was lernen kann, zudem spielt er Schlagzeug, Cello, Klavier und eigentlich wissen wir es alle: Ihn könnte man an jedes Instrument setzen und es geht nicht lange und es klingt. Er hat so viel Talent, wie es Sand am Meer gibt. Und er ist der beste Bruder dieser Welt.» Angesichts solcher Komplimente wird es Micha Dettwyler ganz mulmig. Er selbst weiss, was er kann. Er kennt seine grossen musikalischen Qualitäten. Aber er hängt sie nicht an die grosse Glocke. Er ist eher Teamplayer als Alleinunterhalter. Auch wenn ihm durchaus Entertainment-Qualitäten nachzuweisen sind. Denn ein Gespräch mit ihm kann in unterschiedliche Richtungen gehen. Von humorvoll bis tiefgründig, die ganze Bandbreite.
«Irgendwas war anders bei ‹Sing meinen Song›»
Eigentlich könnte er auch auf die Couch von «Sing meinen Song» sitzen und die Songs von anderen Künstlern neu interpretieren und aus seinem spannenden Leben erzählen. Micha Dettwyler war bei jeder Staffel seit 2019 dabei.
Aktuell läuft die fünfte Staffel auf dem Sender «3+». Immer mittwochs wird eine Folge ausgestrahlt. Micha Dettwyler sieht es sich jeweils am Freitagabend mit der Familie in Ruhe an. Die ganzen Vorbereitungen und die Dreharbeiten in Gran Canaria im September des letzten Jahres fühlen sich für ihn schon sehr weit weg an. «Es wird aktuell im TV ausgestrahlt, für mich ist es längst vorbei. Wenn ich aber die Sendungen wieder ansehe, kommen die Emotionen erneut hoch», sagt er. Und davon gebe es viele. «Es ist jedes Mal erstaunlich, was diese Show, diese Begegnungen und die neu interpretierten Songs auslösen und bewirken. Magisch», sagt Micha Dettwyler. In der Ausgabe 2024 sind wieder spannende Musiker aus der Schweiz dabei. Sänger Marc Sway, Powerfrau Cachita, Ausnahmetalent Nemo, Sängerin und Pianistin Eliane, Schlagersänger Vincent Gross und Singer-Songwriter Marius Bear.
Moderiert wird die Show erstmals von Reggaekünstler Dodo. Die ersten vier Staffeln war Jan Seven Dettwyler der Gastgeber. «Irgendwas war jetzt anders», sagt Micha Dettwyler. «Der Verbündete aus der Familie war weg.» Die gute Nachricht: «Die Sendung funktioniert auch ohne meinen Bruder. Der Wechsel bringt neue Aspekte und frischen Wind.»
Mit Weltstars bei «Art on Ice»
Micha Dettwyler ist bei «Sing meinen Song – das Schweizer Tauschkonzert» als Backgroundsänger tätig, dazu manchmal am Cello oder Perkussion. «Es war wie immer sehr intensiv und hat riesigen Spass gemacht. Unbedingt diese Staffel anschauen, sie hat einige Höhepunkte», verspricht er – und darf noch nicht mehr verraten. Er wird auch bei der sechsten Staffel im nächsten Jahr dabei sein. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits.
Schon vorüber ist sein Engagement bei «Art on Ice». Dort erlebte der Wohler im Februar die Eiskunstlaufgala im Hallenstadion Zürich, in Fribourg und in Davos – und war Teil der musikalischen Umrahmung. Und diese war hochklassig. Dave Stewarts, früher Mitglied bei den «Eurythmics», performte genauso wie Natalie Imbruglia, Mark Storace, Remo Forrer oder Jizelle. Micha Dettwyler unterstützte diese nationalen und internationalen Künstler als Backgroundsänger. «Zwei Wochen lang. Es war kompakt, hochintensiv. Eine riesige Kiste.»
Werbung für Musikschule, «Homeschooling» für Kinder
Die «externen» Engagements sind vorerst vorüber, er wird nun wieder vermehrt mit seinem Bruder Jan Seven Dettwyler unterwegs sein. Beispielsweise am «Heitere» in Zofingen. Und es gibt viel zu proben, denn im Herbst folgt die neue Tour. «Schwarz auf Grün» heisst diese und führt durch diverse Locations in der Schweiz und Deutschland. Es ist wieder eine grosse Bühne vor Tausenden Besuchern.
Doch der 51-Jährige ist auch ein Schaffer im kleineren Rahmen, im lokalen. Den «Prix IBW» unterstützt er als Musiklehrer. Und er ist am «Abend der offenen Tür» der Musikschule dabei. Heute Freitag, von 18 bis 20 Uhr im Chappelehof Wohlen. Und nächsten Freitag, 22. März, von 18 bis 20 Uhr im Schulhaus Hof in Villmergen. «Alle Musikliebhaber sind eingeladen. Es gibt ein Konzert und man kann Instrumente ausprobieren», meint er – und macht damit ein wenig Werbung für diesen wertvollen Anlass.
Wer ihn singen sehen will, muss in die Kirche
Er geht seinen Weg. Selbstbestimmt. Ob als Musiker oder als Mensch. Ein Beispiel: Mit seiner Frau unterrichtet er die Kinder Levi (13), Elin (10) und Aliah (6) zu Hause. «Homeschooling» nennt sich das. Sie stellen selbst einen Stundenplan zusammen, Frau Sarah unterrichtet hauptsächlich, die kantonale Schulaufsicht kontrolliert regelmässig. «Wir haben uns dafür entschieden. Es ist eine Herausforderung. Jeden Tag. Aber ich finde, es lohnt sich.»
Micha Dettwyler wird auch in Zukunft auf den grossen Bühnen singen und Musik machen. Doch er wird bei all seinen Engagements wie gewohnt eher im Hintergrund bleiben. Gibt es eigentlich auch ein Solo-Projekt? Er packt sein spitzbübisches Lachen aus. «Ich werde das oft gefragt.» Geplant ist nichts. «Aber...», fügt er an, «als Solist kann man mich fast jeden Sonntag erleben.» Alles, was man dafür tun muss, ist, in die Kirche zu gehen. In Dottikon, bei der evangelischen Freikirche, musiziert er an den Gottesdiensten jeweils als Frontsänger. Ein Rahmen, der ihm passt. Ein Rahmen, der auch zu ihm passt. Eher ruhig, exklusiv – und nicht auf der grossen Bühne.