Der Genussmensch
07.08.2026 Mutschellen, Berikon, PorträtSerie – was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst noch: Yves Blülle, Berikon
Viele kennen ihn nur durch seine politischen Aktivitäten. Die andere Seite von SVP-Mann und Berikons Gemeinderat Yves Blülle ist hingegen ruhiger. Sowohl im Job ...
Serie – was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst noch: Yves Blülle, Berikon
Viele kennen ihn nur durch seine politischen Aktivitäten. Die andere Seite von SVP-Mann und Berikons Gemeinderat Yves Blülle ist hingegen ruhiger. Sowohl im Job als auch privat ist er vor allem eines: ein Geniesser.
Sabrina Salm
«Ein Wein darf ruhig etwas griffig sein.» Yves Blülle sagt diesen Satz mit einem Schmunzeln. Er mag Tropfen mit Ecken und Kanten, Weine mit Charakter. Vielleicht ist es kein Zufall, dass diese Beschreibung auch ein Stück weit auf ihn selbst zutrifft. Denn wer den 28-Jährigen kennt, kennt ihn meist aus der Politik. Dort diskutiert er gerne, vertritt seine Meinung und scheut den Gegenwind nicht.
Beruflich bewegt er sich allerdings in einer ganz anderen Welt – jener des Genusses. Vor rund drei Jahren wurde der gelernte Logistiker Mitinhaber der Vinotrade AG in Oberwil-Lieli. Der Wunsch, sich selbstständig zu machen, sei schon früh da gewesen. Heute dreht sich sein Alltag um Wein, hochwertiges Olivenöl und die Frage, was ein gutes Produkt eigentlich ausmacht.
Leidenschaft für Wein und Olivenöl
«Jeder Tag sieht anders aus», sagt Blülle. Ein grosser Teil seiner Arbeit besteht aus Kundenakquise, daneben kümmert er sich um organisatorische Aufgaben und kontrolliert die Qualität der Produkte. «Gerade diese Mischung gefällt mir. Es ist nicht jeden Tag dasselbe.» Angefangen hat die Vinotrade AG mit dem Handel und Vertrieb von Wein. Mit der Zeit kam ein weiteres Produkt dazu, das Blülle heute besonders fasziniert: hochwertiges Olivenöl. «Es ist ebenfalls ein Genussmittel, das oft unterschätzt wird.» Das Unternehmen importiert das «flüssige Gold» aus einer familiären Produktion in Griechenland. Für Firmen werden zudem individuelle Etiketten gestaltet.
Dass Olivenöl heute eine wichtigere Rolle einnimmt, hat auch mit den Veränderungen im Weinmarkt zu tun. Der Alkoholkonsum gehe zurück, erklärt er. Gleichzeitig habe er gemerkt, wie vielseitig und spannend Olivenöl sein kann. «Die Bandbreite ist enorm.» Um die Qualität der Produkte beurteilen zu können, hat sich Yves Blülle in den vergangenen Jahren intensiv mit der Materie auseinandergesetzt und verschiedene Ausbildungen absolviert. Auch wenn er kein Weinsommelier sei, habe ihn die Welt des Weins durch seine Arbeit noch stärker gepackt. «Es ist ein Genussmittel – wenn man es nicht übertreibt. Wie mit allem halt», sagt er mit einem Schmunzeln.
Sein grösstes Hobby bleibt die Politik
Einfach das Leben geniessen. Das bedeutet für Blülle aber nicht nur, was auf den Tisch kommt. Es sind ebenso die Momente mit Familie und Freunden, lange Gespräche oder eine Wanderung mit Blick auf den Sonnenuntergang. «Das sind Dinge, die ich sehr schätze.» Über sein Privatleben spricht er dennoch bewusst wenig. «Das halte ich aus der Öffentlichkeit heraus.» Schliesslich gibt es bereits einen Bereich, der viel Raum einnimmt: die Politik.
Seit rund acht Jahren engagiert sich der Beriker aktiv – von der Jung-SVP über das Präsidium der Ortspartei Berikon bis in die Geschäftsleitung der SVP Aargau. Seit diesem Jahr gehört er zudem dem Gemeinderat an. «Während andere an einem Fussballmatch sind, sitze ich an einer Delegiertenversammlung oder Sitzungen», sagt er und lacht. Spätestens seit dem Referendum gegen die Stellenplanerhöhung auf der Gemeindeverwaltung vor zwei Jahren kennen ihn viele in Berikon. Als provokativ werde er dabei immer wieder bezeichnet. «Ich sehe mich eigentlich gar nicht so.» Dass er gerne diskutiert, stellt er allerdings nicht in Abrede. «Ich sass noch nie auf dem Mund. Das war schon als Kind mit meinen Eltern so.»
Langer Atem gefragt
Politik verlangt einen langen Atem. Umso wichtiger ist ein Ausgleich. Den findet Blülle vor allem beim Laufen. «Beim Joggen kann ich abschalten.» Was viele nicht wissen – Blülle läuft auch noch Halbmarathon. Gut, erst einen im vergangenen Jahr und mehr aus Jux. Doch im September steht bereits die nächste Teilnahme an. «Es geht wirklich mehr um den Spass», betont er. Ein kleines Ziel hat er sich trotzdem gesetzt. Seine Zeit vom Vorjahr möchte er verbessern. Und wenn er die Ziellinie erreicht, schliesst sich ein Kreis. Denn das Gefühl, nach vielen Kilometern etwas geschafft zu haben, ist am Ende eben auch eine Form von Genuss.

