Der Gastro-Boss vom Brügglifeld
15.05.2026 Fussball, SportDer Freiämter Samuel Stutz ist der Catering-Chef im Brügglifeld und erlebt nahrhafte Tage
Euphorie beim FC Aarau. Die Partie gegen Yverdon heute Freitag (20.15 Uhr) ist ausverkauft und wird im Falle eines Aarauer Sieges zur Aufstiegsparty. Gefordert ist der ...
Der Freiämter Samuel Stutz ist der Catering-Chef im Brügglifeld und erlebt nahrhafte Tage
Euphorie beim FC Aarau. Die Partie gegen Yverdon heute Freitag (20.15 Uhr) ist ausverkauft und wird im Falle eines Aarauer Sieges zur Aufstiegsparty. Gefordert ist der Catering-Chef im Stadion Brügglifeld: der Wohler Samuel Stutz. «Es sind stressige Tage, aber auch wunderschöne», sagt der 30-Jährige.
Stefan Sprenger
«Boah, das war ein Hitchcock-Spiel. Nichts für meine schwachen Nerven», sagt Samuel Stutz. Am letzten Montag darf er für einmal geniessen, sitzt beim Auswärtsspiel in Vaduz auf der Tribüne, als der FC Aarau das Spitzenspiel der Challenge League gegen die Liechtensteiner vor ausverkaufter Hütte spielt. Ein Tor in der Nachspielzeit sorgt für den 1:2-Sieg in Vaduz und bringt die Aarauer auf den 1. Rang – und in eine komfortable Situation. Gewinnt der FC Aarau – mit dem Wohler Abwehrspieler Marco Thaler und dem Mutscheller Mittelfeldspieler Dorian Derbaci – heute Freitag das Heimspiel gegen Yverdon, steigt der FC Aarau in die Super League auf. Die Partie ist ausverkauft. Rund 8500 Menschen werden kommen. Und Stutz und sein Team werden gefordert sein. Gegen Yverdon wird er nicht mehr gemütlich das Fussballspiel verfolgen können, sondern wird als Gastro-Chef alle Hände voll zu tun haben.
Samuel Stutz ist in Wohlen aufgewachsen und lebt heute mit Frau und Sohn in Büttikon. Er machte einst die Lehre zum Koch beim Reusspark in Niederwil, absolvierte danach die Hotelfachschule in Luzern. Im Anschluss arbeitete er in diversen Restaurants. Seit dem 1. Januar 2024 ist er Geschäftsführer der Brügglifeld Catering AG.
Er geht gerne die Extrameile
Für den 30-Jährigen ist es ein Traumjob. Atmosphäre, Fussball, Gastronomie. «Ich hatte vorher keinen grossen Bezug zum FC Aarau. Das hat sich mittlerweile massiv geändert. Das Brügglifeld ist eine Heimat geworden.» Er selbst sagt, dass er die Nähe zu Wohlen braucht und «nie im Leben wegziehen könnte aus dem Freiamt».
Doch das Brügglifeld hat es ihm angetan. «Es ist einmalig. Die Atmosphäre ist richtig toll. So ein Gemeinschaftsgefühl wie hier im Brügglifeld habe ich noch nie erlebt. Es ist zwar unser Job, aber diesen Zusammenhalt kann man nicht kaufen. Und so geht man auch gerne jede Extrameile.»
Und jene Extrameilen braucht es in diesen nahrhaften Tagen. «Aktuell wird es mir nicht langweilig», sagt Stutz. «Es ist stressig, aber ich mache es gerne. Ich kann sagen, es ist wunderschön.»
Wenn das Spiel läuft, ist er der Problemlöser
Sein Job ist besonders im Vorfeld eines Spiels wichtig. Denn die genauen Vorbereitungen sind mehr als die halbe Miete. Die rund 260 Catering-Hände (es sind 130 Helfer im Einsatz gegen Yverdon) müssen detailliert eingeplant werden, die Produkte (Bier, Würste – und so weiter) besorgt werden. «Wenn das Spiel läuft, gehe ich von Stand zu Stand und schaue, ob alles läuft. Falls nicht, bin ich der Problemlöser. Wichtig ist, dass alle Helfer wissen, was sie zu tun haben. Vorbereitung ist das Wichtigste.» Erst recht vor solch einem grossen Spiel wie heute gegen Yverdon, das bestenfalls in der Meister- und Aufstiegsfeier gipfeln wird. Es wird vier zusätzliche Stände für die Zuschauer geben, dazu auch mehr Kühlwagen als sonst. «Das Brügglifeld ist Nostalgie. Doch die Infrastruktur sicher nicht die modernste. Für unseren Job ist es manchmal nicht einfach, da braucht es hier und da auch mal unkonventionelle Lösungen.»
Rund 5000 Liter Bier pro Heimspiel
Aber Stutz und sein Catering-Team kriegen es hin. «Ich glaube, das Level unseres Caterings ist hoch. Von den Matchbesuchern kriege ich immer wieder viel positives Feedback – und das freut mich sehr», sagt der Freiämter. Vor Kurzem gewannen er und die Brügglifeld Catering AG für ihr vorbildliches Gastro-Konzept den 1. Platz beim SFL-Nachhaltigkeitswettbewerb.
Pro Heimspiel werden – je nach Zuschaueraufmarsch, Wetter, Gegner und Spielverlauf – rund 5000 Liter Bier ausgeschenkt. Egal ob man einen Fackelspiess oder ein Getränk will, wichtig ist die Wartezeit. «Wenn man etwas will, muss man es schnell kriegen. Mein Ziel ist es, dass die Fans nicht das Spiel verpassen, weil sie in der Warteschlange stehen», sagt Stutz.
Sein Job sei manchmal herausfordernd, wie er sagt. «Aber einfach sensationell, auch wegen des treuen und coolen Teams», sagt Stutz. Im Falle eines Aufstiegs würde auch das Catering im Brügglifeld in einer anderen Liga spielen. Samuel Stutz freut sich auf die Zukunft – egal ob Challenge oder Super League und egal ob Brügglifeld oder Torfeld Süd. «Wir geben unser Bestes», so Stutz, der seine Ferien strikt nach dem Spielplan des FC Aarau ausrichtet.
Er fiebert stark mit
Er wurde mittlerweile auch zum grossen FC-Aarau-Fan. «Wenn man all die Menschen hier besser kennt, von CEO Sandro Burki über die Spieler bis zur Geschäftsstelle und den Fans, dann wünscht man sich den Erfolg auf dem Rasen noch mehr. Man fiebert stark mit», sagt Stutz. Deshalb wird er heute Abend, wenn ein ganz grosses Spiel in der Geschichte des FC Aarau ansteht, seine Nerven wohl schonen und sich voll und ganz auf das Catering konzentrieren – und nicht auf das Geschehen auf dem Fussballfeld. Denn das kann er beeinflussen. «Das Bier muss kalt sein, die Würste heiss, die Fans sollen nicht lange Wartezeiten haben – und dann bin ich zufrieden.» Und falls der FC Aarau aufsteigt, wird auch er sich ein kühles Bierchen gönnen.
Freiämter beim FC Aarau
Der Leaderthron wurde einen Spieltag vor Ende erobert: Durch den 1:2-Auswärtssieg am Montag ist die grosse Aufstiegsparty des FC Aarau aufgegleist (die Freinacht wäre schon mal bewilligt). Holt das Team aus der Kantonshauptstadt am Freitag (20.15 Uhr) im Brügglifeld gegen Yverdon nicht weniger Punkte als der Tabellenzweite Vaduz in Wil, steht fest: Aarau ist erstmals seit dem Abstieg 2015 wieder in der Super League.
Von Goalie bis Medienchef
Auch viele Freiämter beim FC Aarau würden jubeln: Torhüter Marvin Hübel (aus Tägerig, einst beim FC Wohlen im Nachwuchs), Verteidiger und Vizecaptain Marco Thaler (aus Wohlen), Mittelfeldspieler Dorian Derbaci (vom Mutschellen). Zudem spielte Aussenverteidiger Berdan Senyurt bis vor wenigen Wochen auf Leihbasis beim FC Wohlen. Auch im Staff gibt es Bezug zum Freiamt. Medienchef Gianni Wyler stammt aus Unterlunkhofen. Goalietrainer Flamur Tahiraj spielte von 2011 bis 2018 beim FC Wohlen in der Challenge League. Athletiktrainer Nobi Fischer war von 2007 bis 2012 Trainer des FC Muri. --spr


