Den Frauen in der Heimat helfen
24.02.2026 Kelleramt, RottenschwilUnterstützung gesucht
Hilfsprojekt einer Rottenschwilerin in Kenia
Sie ist in Kenia aufgewachsen. Und hat mit eigenen Augen gesehen, wie Frauen der Maa-Gemeinschaften isoliert und unterdrückt werden. Seit 18 Jahren nun lebt Patricia ...
Unterstützung gesucht
Hilfsprojekt einer Rottenschwilerin in Kenia
Sie ist in Kenia aufgewachsen. Und hat mit eigenen Augen gesehen, wie Frauen der Maa-Gemeinschaften isoliert und unterdrückt werden. Seit 18 Jahren nun lebt Patricia Zimmermann in der Schweiz. Vergessen hat sie die Heimat und das Schicksal der Maa-Frauen aber nicht. «Rewa Home» heisst ihr Hilfsprojekt. Nun will sie einen Verein gründen und sucht Interessierte. --ake
Die Rottenschwilerin Patricia Zimmermann gründete vor zwei Jahren ein Hilfsprojekt in Kenia
Ein Ort, wo Frauen sich treffen, sich austauschen. Wo sie miteinander Gemüse anpflanzen – für den Eigengebrauch und für den Verkauf. Das hat Patricia Zimmermann mit «Rewa Home» im Herzen Kenias bereits geschafft. «Schritt für Schritt», sagt sie und legt den Fokus nun auf die medizinische Versorgung. Dafür sucht sie Unterstützung.
Annemarie Keusch
Sie erlitt dieses Schicksal nicht. Sie durfte zur Schule gehen, wurde nicht 9-jährig beschnitten und wenige Jahre später verheiratet. «Ich bin privilegiert», sagt Patricia Zimmermann. Aber sie weiss, dass genau das vielen Mädchen und Frauen passiert ist. Maa-Gemeinschaften – so werden die Stämme der Maasai, Samburu und Turkana zusammengefasst.
42 Stämme gibt es total in Kenia, dem Land, in dem Patricia Zimmermann aufgewachsen ist. Nicht alle haben dieselben Strukturen. Nicht alle haben dieselben Traditionen. Und doch funktioniert das Miteinander. «Weil die Stämme einander in Ruhe lassen.» Patricia Zimmermann sieht darin viel Positives, aber auch diese Medaille hat eine Kehrseite.
Und davon betroffen sind ganz oft die Frauen. In den Maa-Gemeinschaften werden sie systematisch unterdrückt. «Ich habe das selber gesehen und erfahren», sagt die 46-Jährige. Sie ist rund eine Stunde von Nanyuki entfernt aufgewachsen, hat die Armut gesehen, die Ungerechtigkeit, die Ungleichheit. «Und niemand unternimmt etwas dagegen», bemängelt sie. Die Mädchen zu beschneiden, sei zwar mittlerweile illegal, geschehe aber einfach hinter verschlossenen Türen.
Erste Ideen vor über zehn Jahren
Patricia Zimmermann wuchs bei ihren Grosseltern auf, 18-jährig zog sie nach Nairobi, absolvierte eine KV-Ausbildung. Zehn Jahre später kam sie in die Schweiz. «Um meine Mutter zu besuchen, die mit ihrem deutschen Ehemann in Bern lebt», erzählt sie. Sie reiste ein mit einem Visum für ein Jahr und einer totalen Offenheit dafür, was dieses Jahr für sie bringen würde. Patricia Zimmermann lächelt. Sie lernte ihren jetzigen Mann kennen. Später kam die heute 14-jährige Tochter zur Welt. Seit 14 Jahren leben sie nun in Rottenschwil. «Es gefällt uns sehr hier», sagt sie.
Patricia Zimmermann lernte Deutsch, studiert mittlerweile Soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz, arbeitet im Caritas-Hospiz in Zürich.
Und sie schmiedete schon vor zehn Jahren den Plan, in ihrer alten Heimat ein Projekt zu lancieren. «Aber ich wusste nicht, wie.» Je mehr sie in der Schweiz beruflich Fuss fasste, je konkreter wurde das Projekt in Kenia. 2024 konnte sie sich ihren Traum erfüllen, kaufte ein Stück Land und gründete «Rewa Home». Patricia Zimmermann will Frauen der Maa-Gemeinschaften helfen. Und dafür musste sie zuerst mit ihnen in Kontakt kommen, Brücken bauen, Vertrauen schaffen. Der Anfang war ein Begegnungszentrum, wo Frauen sich austauschen können. «In ihren Stämmen sind sie isoliert.» Zimmermann will ihre Geschichten hören, ihre Wünsche.
Medizinische Versorgung ist nächster Schritt
Mittlerweile ist eine Selbsthilfegruppe von rund 30 Frauen entstanden. Sie haben angefangen, Gemüse zu pflanzen. «Das meiste für den Eigengebrauch, den Rest verkaufen sie, um etwas Geld für ‹Rewa Home› zu generieren.» Seit einiger Zeit gehören auch Bienenstöcke dazu. «Die Frauen lieben den Treffpunkt, kommen gerne.» Der Stolz in Patricia Zimmermanns Augen ist deutlich zu sehen. Mindestens einmal pro Jahr ist sie selber vor Ort, oft in Begleitung ihrer Familie. In ihrer Abwesenheit betreut ihre Tante das Projekt, vieles machen die Frauen aber längst selber. «Die Kommunikation ist intensiv und ich darf sagen, dass es bestens läuft.»
Damit ist die Rottenschwilerin aber noch nicht am Ziel. Sie sieht, wie weit der Weg noch ist. Im Dorf fehlt die Infrastruktur gänzlich. Keine Schule, keine medizinische Versorgung, kein fliessendes Wasser. Betroffen sind bis zu 400 Maasai, Samburu und Turkana. «Alles auf einmal, das geht nicht», dessen ist sich Patricia Zimmermann bewusst. «Ich will mit dem anfangen, was sie am dringendsten brauchen. Und das ist medizinische Versorgung.» Dass eine Arztvisite alle drei Monate bei «Rewa Home» möglich ist, das ist ihr Ziel. Geschlechtskrankheiten sind infolge der Mehrehe weitverbreitet, die Zahl der Todesfälle rund um Geburten hoch. Aber auch Augenkrankheiten gebe es viele. Es ist Patricia Zimmermanns Weg, das Vertrauen stetig mehr und mehr aufzubauen. «Es bringt nichts, von Anfang an die heiklen Themen wie Beschneidung oder die Kinderehen anzusprechen.»
Mitstreiter für Verein gesucht
Um weiterzukommen, braucht «Rewa Home» natürlich vor allem finanzielle Mittel. Und Strukturen, die ein langfristiges Projekt überhaupt erst ermöglichen. «Dafür brauche ich Hilfe», gesteht sie. Die Idee: einen Verein gründen. Gesucht sind darum nun Leute, die sich mit Patricia Zimmermann engagieren, die sich für das Projekt und die Maa-Gemeinschaften in Kenia interessieren. «Ich habe das nun fast zwei Jahre lang allein gemacht und wäre froh um Unterstützung.»
Was Patricia Zimmermann mit «Rewa Home» in diesen zwei Jahren erreicht hat, macht sie stolz. «Ich will Gerechtigkeit für die Frauen», sagt sie über ihre Motivation, sich zu engagieren. «Frauen können mehr als arbeiten und gebären.» Mit ihrem Projekt wolle sie den Frauen ein kleines Licht geben, einen Anfang machen. «Ohne Anfang verändert sich nie etwas.» Und sie hält damit die Verbindung zu ihrer Heimat hoch.
Mehr Informationen und Kontakt: www.rewahome.org



