Das Gehirn steuert die Orgel
27.05.2026 Muri, Musik, Kommende Events, KircheOrgelkonzert in der Klosterkirche am Sonntag, 31. Mai
Franz Danksagmüller sprengt in der Klosterkirche Muri traditionelle Klanggrenzen. Das Konzert findet am Sonntag, 31. Mai, 17 Uhr, statt.
Die Klosterkirche Muri verwandelt sich in ein ...
Orgelkonzert in der Klosterkirche am Sonntag, 31. Mai
Franz Danksagmüller sprengt in der Klosterkirche Muri traditionelle Klanggrenzen. Das Konzert findet am Sonntag, 31. Mai, 17 Uhr, statt.
Die Klosterkirche Muri verwandelt sich in ein aussergewöhnliches Klanglabor. Der renommierte Komponist und Organist Franz Danksagmüller präsentiert sein visionäres Programm «sonic explorations». Das Publikum erwartet eine faszinierende Klangreise durch Raum und Zeit, bei der Orgelmusik und modernste Live-Elektronik miteinander verschmelzen.
Akustische Expedition durch Raum und Zeit
Franz Danksagmüller ist bekannt dafür, die Grenzen zwischen Tradition und Moderne immer wieder neu auszuloten. Für das Konzert in der Klosterkirche bringt er ein Setup mit, das den Kirchenraum durch den Klang der drei historischen Orgeln und elektronisch erzeugte Schichten aus Musik, Umweltgeräuschen und Sprache in eine immersive Klanglandschaft verwandelt.
Ein Highlight ist das Werk «Sphaera», das die Zuhörenden, inspiriert vom Konzept der Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, auf eine Reise von den Weiten des Weltalls zurück zur Erde mitnimmt. Zeitliche Grenzen verschwimmen erneut, wenn Franz Danksagmüller auf klassische Werke der Orgelmusik reagiert. In «A Fancy» antwortet er auf William Byrds gleichnamige Fantasia – eine Komposition, die von der rhythmischen Komplexität des Originals, aber auch von der britischen Progressive-Rock-Band Emerson, Lake & Palmer geprägt ist. Auch Dieterich Buxtehudes berühmtes Praeludium in g-Moll dient als Ausgangspunkt für ein packendes zeitgenössisches Klangabenteuer, das barocke Substanz mit den Mitteln der elektronischen Musik neu denkt.
Gehirnströme, Schopenhauer und die Zahl «π»
Besonders spektakulär wird es bei den experimentellen Stücken des Abends: Bei der Improvisation «organic glove» nutzt Danksagmüller einen speziellen Midi-Handschuh, um Orgelklänge in Echtzeit mit den Fingern zu transponieren und mikrotonale Klangtexturen zu erzeugen, die rein mechanisch gar nicht möglich wären. Grundlage der entstehenden Strukturen ist die irrationale Zahl π, deren unendliche Ziffernfolge in musikalisches Material übersetzt wird – ein Eintauchen in den Klang der Ewigkeit.
«Der Mensch kann tun, was er will, er kann aber nicht wollen, was er will.» Schopenhauers Satz steht am Ausgangspunkt des Stücks «there is no free will»: Während der Performance trägt der Künstler einen EEG-Scanner, der seine Gehirnaktivität aufzeichnet.
Diese Ströme beeinflussen direkt das elektronische Ausgangsmaterial und die entstehenden Klänge, die wiederum auf die Gehirnaktivität zurückwirken. Es entsteht ein faszinierender, fortlaufender Feedback-Loop, der die philosophische Frage nach dem freien Willen hörbar macht. Eine Videoübertragung visualisiert das klangliche Geschehen für das Publikum im Kirchenraum.
Ein international gefragter Solist
Franz Danksagmüller lehrt als Professor für Orgel und Improvisation an der Musikhochschule Lübeck sowie als Gastprofessor an der Royal Academy of Music in London. Seine Konzerttätigkeit führte ihn bereits in internationale Spitzenhäuser wie die Elbphilharmonie Hamburg, das Konzerthaus Berlin oder das Concertgebouw Amsterdam. Gemeinsam mit Julien Brügger und Sofia Korsakova gastiert er in der Klosterkirche und bringt seine wegweisende Klangkunst nach Muri.
Das Konzert wird von der Stiftung Murikultur und der Pfarrei Muri veranstaltet. Ein Abend für alle, die die Orgel und den Kirchenraum auf völlig neue Weise erleben möchten.
--red
Weitere Informationen: www.murikultur.ch/musik-in-der-klosterkirche.

