Bunter Strauss an Erinnerungen
15.05.2026 Boswil, Kultur, Vereine, Region OberfreiamtDer Kulturverein Boswil widmet seine neue Wechselausstellung der Jungwacht
82 Jahre Jungwacht Boswil. Ein Jubiläum feiert der Verein nicht. Aber einen seiner jährlichen Anlässe. Im Herbst findet das 80. Chilbischiessen statt. Dies nahm der Kulturverein zum ...
Der Kulturverein Boswil widmet seine neue Wechselausstellung der Jungwacht
82 Jahre Jungwacht Boswil. Ein Jubiläum feiert der Verein nicht. Aber einen seiner jährlichen Anlässe. Im Herbst findet das 80. Chilbischiessen statt. Dies nahm der Kulturverein zum Anlass, der Jungwacht im Ortsmuseum eine Ausstellung zu widmen. Eine Ausstellung, die viele Erinnerungen aufflammen lässt.
Annemarie Keusch
Wie ihm geht es in den nächsten Wochen und Monaten wohl vielen. Urs Werder, Präsident des Kulturvereins Boswil, blättert in den Fotografien. «Das bin ich», sagt er und lacht. Auch die anderen Jungen auf dem Gruppenfoto kann er fast alle zuordnen. Mehrere Jahrzehnte sind seither ins Land gezogen. Aber immer noch entstehen jährlich diese Bilder der verschiedenen Jungwacht-Gruppen. «Tiny Boys» hiess jene, der Werder 1979 angehörte. Gewusst hat er das natürlich nicht mehr. Herausgefunden hat er es in einem von vielen alten Dokumenten. In der Sommerlager-Planung von damals. Als die Eltern noch gemahnt wurden, ihren Kindern doch während der Lagerwochen keine Fresspäckli zu schicken. Und als die Kinder vor dem Lager noch von Haus zu Haus gingen im Dorf, um Esswaren zu sammeln. «Die einen gaben Kopfsalat, andere Tomaten. Das war immer spannend», erinnert sich Urs Werder.
Als Kind und später auch als Leiter gehörte der Kulturvereinspräsident selbst der Jungwacht an. «Viele tolle Erinnerungen», sagt er und spricht damit wohl allen aus dem Herzen, die in Boswil aufgewachsen sind und einst der Jungwacht angehörten. «Ohne Leistungsdruck, unkompliziert. So war es damals und so ist es heute», sagt Werder. Bub sein, das könne man in der Jungwacht. Einer grossen Gruppe angehören, Freundschaften wachsen lassen, Abenteuer erleben. Urs Werder lächelt. «An die Öffentlichkeit gehören viele davon nicht.»
Das allererste Sommerlager
Die Jungwacht ist aber auch der Ort, an dem viele Jugendliche zum ersten Mal Verantwortung übernehmen, etwas organisieren. «Etwas, von dem die Gesellschaft später profitieren kann.» Lager organisieren, Gruppenstunden, Pfingstwochenenden, das Chilbischiessen. Alle Anlässe haben dabei eine lange Tradition. Das Sommerlager zum Beispiel gibt es seit 1960. Dokumente – Fotografien und Videos – von der ersten Durchführung in Ruschein existieren nach wie vor. Eine noch längere Geschichte hat das Chilbischiessen. Seit 1946 findet es statt – seit 80 Jahren also. Dieses Jubiläum nahm der Kulturverein zum Anlass, die Wechselausstellung während einem Jahr lang der Jungwacht zu widmen.
«Edel und rein»
Den Fokus legt der Kulturverein dabei auf Bilder. Bilder, auf denen sich viele wiederfinden werden. Bilder von damals, aber auch Bilder von heute. Aus dem riesigen Fundus des Vereins, aber auch aus dem Archiv der Jungwacht.
Zu sehen gibt es aber auch spannende Gegenstände. Etwa den Jungwacht-Gurt von Josef Fischer, der mit seinem Bruder treibende Kraft war, als 1944 die Jungwacht von Boswil gegründet wurde. Oder den ersten Stern, den die Gruppe damals beim Sternsingen mit durchs Dorf trug – samt Dreh- und Leuchtfunktion. Und die Besucherinnen und Besucher können das Gesetz der Jungwacht lesen, das in der heutigen Zeit teilweise fast befremdend wirkt, aber bis Mitte der 1960er-Jahre galt. «Der Jungwächter ist edel und rein. Der Jungwächter ist ein Christusträger und Marienritter.»
In die Dorfgeschichte eintauchen
Zu sehen ist neben der Wechselausstellung auch die Dauerausstellung des Boswiler Ortsmuseums. Diese umfasst eine Vielzahl an Themen – Schule, Torfabbau, Heimarbeit, Strohindustrie, kirchliche Geschichte. Wer in Boswil aufgewachsen ist, findet sich hier in irgendeiner Form wieder. «Unser Museum ist beliebt für Klassentreffen», weiss Urs Werder.
Die Eröffnung der neuen Wechselausstellung erfolgt am Sonntag, 17. Mai, am internationalen Museumstag, von 10 bis 16 Uhr. Das Museum ist jeweils einmal pro Monat offen. Führungen oder Besichtigungen sind auf Anfrage auch dazwischen möglich.
Mehr Infos: www.kulturverein-boswil.ch.


