Beriker in Ja-Stimmung
12.06.2026 Mutschellen, Finanzen, Abstimmungen, BerikonFinanzen beschäftigen
An der «Gmeind» in Berikon zeigte der Blick in die Jahresrechnung erneut die angespannte Finanzlage. Frau Gemeindeammann Petra Oggenfuss Feldgrill stellte einen Mitwirkungsworkshop in Aussicht, an dem dieses Problem gemeinsam angepackt ...
Finanzen beschäftigen
An der «Gmeind» in Berikon zeigte der Blick in die Jahresrechnung erneut die angespannte Finanzlage. Frau Gemeindeammann Petra Oggenfuss Feldgrill stellte einen Mitwirkungsworkshop in Aussicht, an dem dieses Problem gemeinsam angepackt werden soll. --sab
An der Gemeindeversammlung in Berikon wurden alle Traktanden gutgeheissen
Etliche Kreditabnahmen, bekannte Themen in neuem Kleid und Stromsicherheit – das waren die Geschäfte, über welche das Beriker Stimmvolk befinden musste. Diskussionen gab es kaum. Auch bei den trüben Aussichten auf den Finanzhaushalt der Gemeinde nicht.
Sabrina Salm
Es ist schon länger her, dass eine «Gmeind» in Berikon weniger als zwei Stunden dauerte und so wenig Diskussionsstoff bot. «Vielleicht ist das der Welpenschutz», sagte Frau Gemeindeammann Petra Oggenfuss Feldgrill nach der Versammlung mit einem Schmunzeln. Mit Beginn der neuen Legislatur seien viele Ämter neu besetzt worden, und zahlreiche Behördenmitglieder traten erstmals an einer Gemeindeversammlung auf. «Wir waren auf alles vorbereitet», so Oggenfuss. «Umso überraschter sind wir, dass alles so ruhig verlief. Aber das ist auch einmal schön.»
Flexibler agieren
Mehr Gesprächsbedarf hatte der Gemeinderat insbesondere beim Antrag zur Änderung des Personalreglements erwartet. Dieser sieht vor, dass Stellenprozente künftig innerhalb des bewilligten Gesamtstellenplans flexibler zwischen den Bereichen verschoben werden können. Das Thema beschäftigt die Gemeinde seit Jahren. Zweimal versuchte der Gemeinderat, zusätzliche Stellenprozente für die Verwaltungsleitung beziehungsweise das Gemeindeschreiberamt zu schaffen. Zwar wurden die Vorlagen an der Gemeindeversammlung angenommen, scheiterten anschliessend jedoch jeweils an der Urne.
Aus der Bevölkerung kam daraufhin die Forderung, mit den bestehenden Ressourcen auszukommen – ohne eine zusätzliche Stelle zu schaffen. Die Finanzkommission reichte deshalb einen Überweisungsantrag ein, der eine Anpassung des Personalreglements verlangte. Der Gemeinderat prüfte das Anliegen und unterstützte es. Die Stimmberechtigten folgten dem Antrag nun deutlich. «Damit können wir flexibler agieren», sagt Petra Oggenfuss. Einzelne Abteilungen seien zeitweise stärker belastet als andere. Durch die neue Regelung lasse sich die vorhandene Arbeitslast besser verteilen und auffangen.
Das dritte Jahr in Folge mit Aufwandüberschuss
Wenig erfreulich bleibt die finanzielle Situation der Gemeinde. Entsprechend sorgt das Thema in Berikon regelmässig für Fragen und Diskussionen. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigte auch die Präsentation der Jahresrechnung. Die Jahresrechnung der Gemeinde Berikon weist das dritte Jahr in Folge einen Aufwandüberschuss aus. Die betrieblichen Aufwände lagen leicht unter den Erwartungen. «Bei den beeinflussbaren Ausgaben konnten wir den Verlust dank konsequenter Kostendisziplin reduzieren», erklärte Oggenfuss Feldgrill. Anders sehe es bei den nicht beeinflussbaren Kosten aus. Deutliche Abweichungen gab es etwa bei den sozialen Diensten. «Dort ist eine verlässliche Budgetierung schwierig. Im vergangenen Jahr hatten wir mehr Fälle.» Auch der neue Finanzkommissionspräsident Rudolf Vögeli richtete Worte an die Versammlung. «Es ist erfreulich, dass die Gemeinde etwas besser abschliesst als im Vorjahr. Trotzdem resultiert ein Defizit von 1,8 Millionen Franken.» In den vergangenen fünf Jahren habe Berikon insgesamt 7,5 Millionen Franken mehr ausgegeben als eingenommen. «Das betriebliche Ergebnis ist alarmierend.» Strikte Kostendisziplin und die Erschliessung zusätzlicher Ertragspotenziale blieben deshalb zwingend.
«Berikon hat 12 Millionen Franken Schulden. Wir können die laufenden Kosten nicht decken», brachte es Oggenfuss Feldgrill auf den Punkt. Die Gemeinde habe ein strukturelles Problem. Um Gegenmassnahmen zu entwickeln, soll gemeinsam mit der Bevölkerung eine Finanzstrategie erarbeitet werden. Dazu lädt der Gemeinderat an die nächste Veranstaltung «Ech ha Gmeind» ein, an der eine Mitwirkung vorgesehen ist (siehe Kasten).
Strombedarf gestiegen
Nach diesem ernüchternden Überblick über die Finanzen hatte Gemeinderat Stefan Bieri keine einfache Aufgabe: Er musste einen Kredit von 1,5 Millionen Franken für die Strassen- und Werkleitungssanierung im Bürkihof beantragen. Für ihn war jedoch klar: «Die Investition ist notwendig.» Die Elektrizitätsversorgung Berikon meldet einen steigenden Bedarf an Infrastruktur an. «Fakt ist:
Wir alle brauchen mehr Strom», sagte Bieri. Dadurch seien zusätzliche Trafostationen erforderlich. Die nun beantragte Anlage werde die bestehenden Stationen entlasten. Das Gebiet umfasst mehrere grosse Strombezüger, darunter das Gemeindehaus, den Werkhof und den Volg. Im Zuge der Werkleitungssanierung sollen zudem das elektrische Verteilnetz und die Strassenbeleuchtung modernisiert werden. Der Kredit umfasst ebenfalls den Ersatz der Wasserund Entwässerungsleitungen.
Ein Votant fragte, ob angesichts der finanziellen Lage nicht lediglich die Trafostation erstellt und die übrigen Arbeiten später ausgeführt werden sollten. Bieri verneinte. Diese Variante sei intensiv geprüft worden. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass es sinnvoller ist, die Synergien zu nutzen.» Würden die Arbeiten aufgeteilt, entstünden höhere Kosten. Zudem müsste die Strasse später erneut aufgerissen werden. Diese Argumentation überzeugte die Versammlung. Der Kredit wurde ohne weitere Diskussionen und mit grossem Mehr gutgeheissen.
«Ech ha Gmeind»
Am 25. August findet die Veranstaltung «Ech ha Gmeind» im Schulhaus Tilia statt. Die diesjährige «Ech ha Gmeind» wird als Mitwirkungsworkshop für interessierte Einwohnerinnen und Einwohner durchgeführt. Als Themen sind geplant: Sparmassnahmen, Entwicklung der Gemeinde bezüglich Steuern und Finanzen und Schaffung von Wohnraum. Für die Veranstaltung sollte man sich bis spätestens Freitag, 7. August, über gemeinderat@berikon.ch anmelden. Der Gemeinderat wird dann ebenfalls über den Zwischenstand der Legislaturziele 2026–2029 informieren.

