Bereichernd – für beide
17.04.2026 Museum, Muri, Kunst«Tandem im Museum»: Monika Knecht ist unregelmässig mit Pflegi-Bewohnern im Museum Caspar Wolf
Kunst begleitet sie ihr Leben lang und fasziniert sie. Monika Knecht aus Bünzen geht selbst gern in Museen. Als Freiwillige im Rahmen von «Tandem im ...
«Tandem im Museum»: Monika Knecht ist unregelmässig mit Pflegi-Bewohnern im Museum Caspar Wolf
Kunst begleitet sie ihr Leben lang und fasziniert sie. Monika Knecht aus Bünzen geht selbst gern in Museen. Als Freiwillige im Rahmen von «Tandem im Museum» ermöglicht sie dies auch Pflegi-Bewohnerinnen und -Bewohnern. An diesem Tag ist sie mit Cécile Hoffelner im Museum Caspar Wolf.
Annemarie Keusch
Monika Knecht wirft Angeln aus. Im übertragenen Sinn natürlich. Etwa, als es um Caspar Wolfs Lehrjahre im süddeutschen Raum geht. «Durften Sie auch eine Lehre absolvieren?» Es ist eine dieser Angeln. Einer der Ansätze, um anhand der Kunst ins Gespräch zu kommen. Mit Cécile Hoffelner ist es ganz einfach. Die beiden kennen sich seit einiger Zeit. Es ist nicht ihr erster gemeinsamer Museumsbesuch. Hoffelner ist im Wallis aufgewachsen. «Die Berge verbindet sie mit Heimatgefühlen. Es geht vielen älteren Menschen so. Darum gefallen ihnen Wolfs Bilder derart.» Wobei, einige sind der Seniorin zu dunkel. «Für mich dürfte es farbiger sein. Oder die Farben dürften stärker sein.» So stark, wie sie die Farben von eigenen Bergtouren in Erinnerungen hat. Etwa von der Wanderung mit zwei Enkelkindern aufs Eggishorn. Oder wie sie einst mit ihrem Vater den Aletschgletscher überquerte.
Cécile Hoffelner ist fasziniert von der Kunst. «Das habe ich von meinem Vater geerbt», sagt sie. Dieser schenkte ihr einst einen Kupferstich der zwei Mythen. Kupferstiche, wie sie hier im Museum Caspar Wolf auch zu sehen sind. Ob im Louvre in Paris oder in der Eremitage in St. Petersburg. Sie habe das Reisen geliebt und stets mit Museumsbesuchen verbunden. Dass ein solch grosser Künstler wie Wolf seine Wurzeln in Muri hat, das begeistert Cécile Hoffelner. Im Dorf, das auch seit 60 Jahren ihr Zuhause ist. Mittlerweile lebt sie in der Pflegi, dort, wo so einst viele Jahre lang als Schneiderin gearbeitet hat. Sie freut sich auf die Museumsbesuch, auch wenn diese nicht regelmässig stattfinden.
Begleitet sie ihr ganzes Leben
Möglicht macht dies Monika Knecht. Seit Kurzem ist sie pensioniert. Sich freiwillig zu engagieren, gehört für sie dazu. Erst recht, wenn es dabei um Kunst geht. Seit ihrer Pensionierung ist sie als Museumsaufsicht bei Murikultur tätig. Und schon ihr ganzes Leben lang waren die Berührungspunkte zur Kunst dicht gesät. «Als Kind sammelte ich die Kunstseiten im ‹Beobachter›. Ich habe sie immer noch», sagt Monika Knecht und lacht. Als Heilpädagogin gehörte Kunsttherapie zu ihrem Alltag. Zur Tätigkeit als Aufsicht im Museum Caspar Wolf kam sie über eine Kollegin. Der Austausch mit den Museumsbesuchern, das gefällt ihr an dieser Aufgabe. Das Wissen, das sie mitbringen und austauschen. Die Neugierde, die überschwappt. «Es sind spannende Begegnungen.»
Gleiches sagt Monika Knecht mittlerweile auch über «Tandem im Museum». Dass sie nun seit einiger Zeit Teil von «TiM» ist, ist einem Zufall geschuldet. Oder einer Begegnung – mit Sadhyo Niederberger. Bei ihrer Ausstellung «Rolling Stones» ist ihr Monika Knecht begegnet. Sadyho Niederberger ist im Aargau Verantwortliche für «Tandem im Museum». «Sie erzählte mir kurz, worum es geht. Mein Interesse war sofort geweckt», erzählt Monika Knecht. Seither ist sie Teil dieser Bewegung. Ziel ist es, Menschen aus unterschiedlichen Generationen, Kulturkreisen oder Lebenswelten zu vernetzen. Mit ihnen ein Museum besuchen, in den Austausch treten. Murikultur ist «TiM»-Partner, die Besuche mit den Pflegi-Bewohnerinnen und -Bewohnern dadurch kostenlos.
Kunst und Begegnungen als Anregung
Monika Knecht schwärmt vom Projekt. Von den Begegnungen mit Pflegi-Bewohnerinnen und -Bewohnern. «Diese Verbindung kam zustande, weil ich mich schon vorher als Freiwillige in der Pflegi engagierte.» Sie erzählt von berührenden Geschichten. Von Dementen, die sich anhand von Bildern an ihre Kindheit erinnern. «Es sind ganz persönliche Geschichten, die dann an die Oberfläche geraten.» Dank der Anregung von aussen, dank der Kunst. Und es gibt Monika Knecht viel zurück. «Erfahrungen aus einer anderen Zeit, neue Zugänge zu Kunstwerken, neue Sichtweisen.»
Einerseits aus den Museumsbesuchen mit den älteren Menschen. Andererseits auch vom Miteinander im «TiM»-Netzwerk. Regelmässig finden kantonale Treffen statt, einmal jährlich nationale. «Diesen Austausch schätze ich sehr», sagt Monika Knecht. Anregend und spannend sei dieses Umfeld. «Genau das brauche ich. Das brauchte ich immer.» Und genau das ist es, was ihr die Kunst immer gab und immer noch gibt. «Es sättigt die Neugier.»
Primär im Museum Caspar Wolf
Eine Stunde. Mehr nicht. «Nachher sind wir beide müde», sagt Monika Knecht und lacht. Das Miteinander ist intensiv. Der Austausch rege. Die Museumsbesuche finden unregelmässig statt. Und mit mehreren Pflegi-Bewohnerinnen und -Bewohnern. «Einige kommen immer wieder, gerade wenn es Neues gibt im Museum.» Monika Knecht ist mit ihnen primär im Museum Caspar Wolf unterwegs. «Weil mich dieses persönlich am meisten fasziniert und ich darüber am meisten weiss», erzählt sie.
Etwa zum Schreckhorn, das Cécile Hoffelner daran erinnert, dass ihre Brüder sie einst so nannten. Die vielen Nuancen des Blau, die Wolf in seinen Bildern aufgenommen hat. Der Aletschgletscher – wie gross er damals war und wie stark er bis heute geschmolzen ist. Die Faszination ist ungebrochen – bei beiden Frauen.
Mehr Informationen: www.tim-tam.ch.

