Aus dem Schatten treten
23.06.2023 Schwingen, SportDie Joho-Brüder Pascal und Philip wollen am Solothurner Kantonalen am Sonntag mehr Risiko eingehen
Sie stehen im Schatten der drei Freiämter Eidgenossen. Doch es ist genau dieser Fakt, der den Joho-Brüdern gefällt und sie voranbringt. Am letzten ...
Die Joho-Brüder Pascal und Philip wollen am Solothurner Kantonalen am Sonntag mehr Risiko eingehen
Sie stehen im Schatten der drei Freiämter Eidgenossen. Doch es ist genau dieser Fakt, der den Joho-Brüdern gefällt und sie voranbringt. Am letzten Bergfest überzeugten die beiden Sarmenstorfer – und jetzt wollen Pascal und Philip Joho am Solothurner Kantonalen einen Kranz holen.
Stefan Sprenger
Pascal Joho packt an. Auf dem Hof der Döbelis in Sarmenstorf hilft er am letzten Mittwoch aus. Er hilft – wie andere vom Schwingklub Freiamt – die Hühner einzuladen. «Ehrensache», sagt der 18-Jährige. Auf jenem Hof sind die Brüder Andreas und Lukas gross geworden, beide sind sackstarke Schwinger, haben den eidgenössischen Kranz geholt. Dazu kommt mit Joel Strebel aus Aristau ein weiterer Eidgenosse im Team des Schwingklubs Freiamt. «Das ist doch einfach nur cool. Wir können so viel von ihnen profitieren», sagt Pascal Joho.
Beide überzeugen am Schwarzsee
Am letzten Wochenende zeigen sie ihr Können. Gemeinsam mit Joel Strebel vertreten die beiden Sarmenstorfer das Freiamt am Bergkranzfest am Schwarzsee. «Es ist eine Ehre, an so einem Fest dabei zu sein», sagt Philip Joho, 20 Jahre jung. Stark: Er verliert keinen einzigen Gang. Weil er aber auch nur einmal gewinnt und fünf Gänge stellt, gibt es nur Rang17b für ihn. Ungeschlagen zu sein, ist zwar toll, aber mit lauter Gestellten kommt man nicht in die Nähe der Kränze. Er ist trotzdem zufrieden: «Ungeschlagen am Schwarzsee und dabei Teilverbandskranzer in Schach gehalten, das ist doch ganz ordentlich.»
Ebenfalls stark tritt der jüngere Bruder Pascal auf. Drei Siege, zwei Gestellte und nur eine Niederlage (gegen Michael Ledermann). Das gibt Rang 10a. Damit ist er vor einigen Eidgenossen klassiert, beispielsweise Nick Alpiger oder Benjamin Gaspany.
Pascal Joho meint dazu: «Es war ein extrem guter Tag für mich. Schon alleine die Teilnahme ist cool, dass ich dann noch ein paar Eidgenossen hinter mir gelassen habe, ist richtig geil.» Pascal Joho war am Schwarzsee der bestplatzierte Kantonalkranzer.
Ratschlag vom Eidgenossen
Da würde doch noch mehr gehen? Bislang hat Pascal erst einen Kranz, Philip zwei. Joel Strebel, der mit dem 4. Rang am Schwarzsee als bester Gastschwinger den Kranz holte, meinte danach: «Die Joho-Brüder waren nicht schlecht und dürfen zufrieden sein mit ihren Resultaten. Aber sie dürften sich mehr trauen. Sie sollten mehr Risiko eingehen.»
Pascal Joho meint lachend: «Er sieht das richtig, ich bin Strebels Meinung.» Auffällig: Als bei Pascal Joho der Druck weg ist, als klar ist, dass er es in den Ausstich schafft, gewinnt er die letzten beiden Duelle. «Ich konnte befreit auftreten, das hat sehr geholfen.» Wieso gehen sie dann nicht schon vorher mit Lockerheit in die Duelle und gehen von Anfang an mehr Risiko ein? «Kopfsache. Das ist nicht so einfach. Manchmal ist man lieber auf der sicheren Seite und man stellt den Gang lieber, als ihn zu verlieren», erklärt Joho.
«Sportlich und menschlich einfach nur genial»
Der Schatten der drei Freiämter Eidgenossen ist gross. «Joel Strebel spielt in der höchsten Schwingerliga mit. Mit ihm und den Döbeli-Brüdern zu trainieren, ist sportlich wie auch menschlich einfach nur genial», sagt Pascal Joho.
Die beiden möchten ihr Kranzkontingent aber erhöhen. Unbedingt. Während Joel Strebel und Lukas Döbeli am Berner Kantonalen antreten (siehe Kasten), sind die Joho-Brüder am gleichen Tag am Solothurner Kantonalen im Einsatz. Beide waren in dieser Saison schon nahe dran am nächsten Kranzgewinn. «Es wäre schön, wenn es am Solothurner jetzt klappt.»
Die beiden Brüder, die auch gute Freunde sind, trainieren aktuell ein bisschen weniger. Pascal Joho hat gerade die Lehrabschlussprüfung zum Kaufmann bei der Mobiliar-Versicherung hinter sich. In den nächsten Tagen kriegt er den Bescheid, ob er bestanden hat oder nicht. «Danach werde ich nochmals befreiter sein im Kopf», meint er. Er wird bei der Mobiliar in Aarau bleiben und im Winter die Rekrutenschule bei der Infanterie beginnen.
Wer ist der bessere Schwinger?
Auch der zwei Jahre ältere Philip hat neben dem Sägemehlring einiges los. Zum Beispiel die berufliche Ausbildung. Er hat vor zwei Jahren seine Lehre bei der Staatsanwaltschaft in Muri abgeschlossen – mit Berufsmatur. Nach einer Passerelle will er nun den Sprung an die Universität schaffen, um Jura zu studieren. «Unser Trainingsaufwand ist im Vergleich zu den drei Freiämter Eidgenossen einiges kleiner. Von da her dürfen wir mit der bisherigen Saison zufrieden sein.»
Eine Saison, in der gemäss Philip sein jüngerer Bruder Pascal «eine Spur besser dran ist». Auf die Frage, wer von den beiden Joho-Brüdern der bessere Schwinger ist, müssen beide laut lachen. Pascal sagt: «Eher Philip.» Und Philip sagt: «Eher Pascal.»
Das Versprechen zu mehr Risiko
Die beiden Brüder, die durch ihren Grossvater Hansruedi Koch (ein Kranzschwinger, der ursprünglich aus Villmergen stammt) zum Schwingsport gefunden haben, möchten für Furore sorgen. Erst am Solothurner Kantonalen, dann folgen mit dem Weissenstein-Schwinget und dem Nordwestschweizerischen zwei weitere Höhepunkte. Ein idealer Zeitpunkt, um etwas aus dem grossen Schatten der Freiämter Eidgenossen zu treten. «Wir gehen mehr Risiko ein, versprochen», sagen beide.
Strebel und Döbeli in Bern
Während die Joho-Brüder am Sonntag am Solothurner Kantonalschwingfest in Obergösgen antreten, sind Joel Strebel und Lukas Döbeli am Bernisch-Kantonalen Schwingfest in Tramelan dabei. Dort sind mehr als 25 eidgenössische Kranzschwinger angemeldet. Döbeli kehrt nach seiner Verletzung zurück in den Sägemehlring. Joel Strebel will seine starke Form erneut unter Beweis stellen. «Ziel ist der Kranz», sagt der Aristauer.


