Auf den Spuren des Weltmeisters
29.08.2025 Muri, SportRyan Stutz gilt als eine der grössten Aerials-Nachwuchshoffnungen im Land
Erste Plätze ist er sich schon fast gewohnt. Viel für den Traum seiner Karriere als Sportler zu investieren ebenfalls. Der 12-jährige Ryan Stutz ist auf dem besten Weg dazu, ...
Ryan Stutz gilt als eine der grössten Aerials-Nachwuchshoffnungen im Land
Erste Plätze ist er sich schon fast gewohnt. Viel für den Traum seiner Karriere als Sportler zu investieren ebenfalls. Der 12-jährige Ryan Stutz ist auf dem besten Weg dazu, einer der besten Aerials-Athleten der Schweiz zu werden. «Mein Traum? Die Olympischen Spiele», sagt er selbstbewusst.
Annemarie Keusch
Doppelte Salti und doppelte Rückwärtssalti. Für Ryan Stutz ist das ganz normal. Drei Meter Luftstand. «Fast zu wenig. Ich mag die grösseren Schanzen», sagt der 12-Jährige. Seine Eltern Steffi und Manuel lachen. Auch dann, wenn er von den drei Rückwärtssalti, kombiniert mit sechs Schrauben spricht. Dem Sprung, der Noé Roth bisher erst auf der Wasserschanze zeigte und den Sprung, der ihn zum Weltmeister machte, nochmals um eine Schraube ergänzt. «Willst du das auch mal?», fragt Steffi Stutz. Das Ja ihres Sohnes kommt wie aus der Pistole geschossen. Angst, für ihn ist das ein Fremdwort. Steht er oben an der Schanze, kennt er dieses Gefühl nicht. Nicht im Sommer, wenn er mehrmals wöchentlich in Mettmenstetten auf der Wasserschanze trainiert, und nicht im Winter, wenn die eigentlichen Aerials-Trainings und -Wettkämpfe anstehen. «Anfangs konnte ich kaum hinsehen, aber mittlerweile habe auch ich mich daran gewöhnt», sagt Steffi Stutz.
Dass ihr Sohn – und auch Tochter Liara – zum Aerials findet, fusste ursprünglich auf einer Enttäuschung. Ryan Stutz war eigentlich Kunstturner, trainierte im Verein in Merenschwand und ab siebenjährig auch im kantonalen Leistungszentrum in Lenzburg. «Aber die Spitze wurde immer dünner und es reichte nicht mehr», sagt Steffi Stutz. Ein bisschen traurig sei er schon gewesen, gibt Ryan Stutz zu. Das Turnen gab er bis letztes Wochenende aber nicht auf. Mit seinem Verein, dem TV Merenschwand, nahm er noch einmal an den Team-Aargauer-Meisterschaften im Geräteturnen in Wohlen teil – und holte Gold. «Ein perfekter Abschluss», sagt Steffi Stutz.
Eltern kannten Schanze und Sonny Schönbächler
Fabian Käppeli, Trainer beim TV Merenschwand plus Chef Spitzensport in Aargauer Turnverband, erzählte Ryan Stutz vom Aerials. Jener Sportart, die ganz viele ausüben, die vorher Kunstturner waren. Eine Sportart, die viel Koordination und Körperkontrolle braucht. Und Sportart, die Ryan Stutz sofort gefiel. Drei Jahre sind vergangen, seit er auf die Schanze wechselte. Sein Talent kam früh zum Vorschein. Er machte schnell Fortschritte. «Es macht mir einfach riesig Spass. In der Luft zu sein, Drehungen zu machen. Aerials ist wunderbar», schwärmt Ryan Stutz.
Skiakrobatik hiess diese Sportart früher. Berührungspunkte zwischen der Familie und diesem Sport gab es keine. «Ich kannte die Anlage in Mettmenstetten und natürlich Olympiasieger Sonny Schönbächler», sagt Manuel Stutz. Mehr aber nicht. Das hat sich längst geändert. Kein Wunder, die ganze Familie verbringt viel Zeit an der Schanze. Ryan trainiert viel. Im Sommer jeweils zweimal pro Woche abends, am Mittwochnachmittag und den ganzen Samstag. Im Winter sind es gar fünfmal, wenn jeweils das ganze Wochenende über in Airolo auf der Schneeschanze trainiert wird. Steffi oder Manuel Stutz sind immer dabei. Dieser Sport spielt in ihrem Familienleben eine grosse Rolle. «Auch uns macht es Spass. Es gibt nicht viele Aerials-Athleten in der Schweiz. Entsprechend ist es wie eine grosse Familie», sagt Steffi Stutz.
Unterstützung von der Schule
Vier- bis fünfmal pro Woche Training, an den Wochenenden Wettkämpfe, auch im Ausland. Gleichzeitig ist Ryan Stutz vor wenigen Wochen in die Oberstufe gestartet. «Bis jetzt geht es ganz gut», sagt er. Weil die Hausaufgaben sich noch in Grenzen halten und er sogar noch Zeit hat, Freunde zu treffen. «Wir schauen, wie es sich entwickelt», sagt Manuel Stutz. Die Unterstützung seitens der Schule sei da. Der Wille von Ryan, sportlich weiterzukommen und parallel die Schule zu meistern, ebenfalls. Dass die Eltern das derart gelassen angehen, hat vielleicht auch damit zu tun, dass Steffi Stutz einst ambitionierte Schwimmerin war und selbst bis zu sieben Mal pro Woche trainierte. «Wichtig ist, dass er den Spass nicht verliert», betont sie.
Diese Gefahr scheint klein zu sein. Ryan Stutz’ Augen leuchten, wenn er von seinen Sprüngen erzählt. Und von seinen Erfolgen. Letztes Wochenende feierte gar die gesamte Familie. Am Austrian Cup in Hohenems siegte Ryan Stutz in der Kategorie U13, Schwester Liara wurde Zweite in ihrer Kategorie. Gewonnen hat Ryan Stutz schon viele Wettkämpfe, etwa den Doppelsieg in der Kategorie U13 an FIS Aerials Summer Alps Tour in Stity, Tschechien. Und er hat das Sieger-Gen in sich. Wird er Zweiter, ist er enttäuscht.
Vielseitige Sportart
Jenes Gen also, das die Sportler ganz nach oben bringt. Wie Weltmeister Noé Roth oder Pirmin Werner, der auch schon Weltcupsiege vorzuweisen hat. Vor allem mit Roth trainiert Ryan Stutz immer wieder. «Das macht riesig Freude.» Auch weil der Weg an die Spitze dadurch real wird. Und genau diesen will Ryan Stutz gehen. Zuerst folgt die FIS-Lizenz, dann das Sichtungskader und das Nationalkader. Immer kompliziertere Tricks, immer höhere Schanzen, immer mehr Training. «Ich bin sehr motiviert für das alles», sagt Ryan Stutz. Auch weil er weiss, dass seine Trainer in ihm viel Potenzial sehen und seine Familie ihn bedingungslos unterstützt. «Auch meine Freunde kamen schon zu Wettkämpfen. Das freut mich jeweils besonders», sagt der 12-Jährige.
Angst, dass ihr Sohn sich zu viel vornimmt, haben Manuel und Steffi Stutz dabei nicht. «Für ihn steht der Spass im Vordergrund», weiss Manuel Stutz. Und Aerials sei eine sehr vielseitige Sportart. Zu den Sprüngen im Sommer ins Wasser und im Winter auf dem Schnee kommt vieles dazu: Trampolin, Krafttraining, Bungee-Seil. Zudem sind sie überzeugt, dass der Sport eine gute Lebensschule ist. «Disziplin, der Umgang mit Erfolg und Misserfolg», sagt Steffi Stutz. «Sie lernen, dass sie für Erfolg hart arbeiten müssen», ergänzt Manuel Stutz. Wenn das mit so viel Spass verbunden ist wie bei ihren beiden Kindern, dann ist es umso besser.