Auch als Russi-Ersatz brilliert
24.03.2026 Region Unterfreiamt, Uezwil, PorträtAngela Stimpfl aus Uezwil ist dreifache Jasskönigin des Samschtig-Jass
Dass eine Kandidatin dreimal in Folge gewinnt, gab es in der Geschichte des Samschtig-Jass schon lange nicht mehr. Dank dem Sieg vor drei Tagen spielt Angi Stimpfl im April bereits um 15 000 ...
Angela Stimpfl aus Uezwil ist dreifache Jasskönigin des Samschtig-Jass
Dass eine Kandidatin dreimal in Folge gewinnt, gab es in der Geschichte des Samschtig-Jass schon lange nicht mehr. Dank dem Sieg vor drei Tagen spielt Angi Stimpfl im April bereits um 15 000 Franken. Viel wichtiger als das Geld sind der Uezwilerin die tollen Begegnungen.
Chregi Hansen
Souverän hatte sich Angela Stimpfl Mitte Januar als Telefonjasserin für die nächste Runde qualifiziert. Gerade mal sieben Differenzpunkte gab es in drei Runden. Jetzt sass sie also mit am Tisch und musste sich unter den Augen des Publikums beweisen. Doch der Auftakt misslang der 54-Jährigen komplett. Gleich im ersten Durchgang gab es satte 20 Differenzpunkte. Frustriert schüttelte die Uezwilerin den Kopf.
«Ich war überzeugt, das wars jetzt für mich», schaut sie auf diese zweite Sendung zurück. Doch ab da lief es besser. Es folgten einmal 0 und dann 8 weitere Punkte. Damit holte sie sich – punktgleich mit Schwinger Armon Orlik, aber mit der besseren Passe – auch beim zweiten Auftritt den Sieg. Und letzten Samstag folgte die Krönung. Am Schluss der drei Runden stand bei Angi Stimpfl gerade ein einziger Differenzpunkt. Damit hat sie nicht nur weitere 5000 Franken gewonnen und sich für die nächste Ausgabe vom 11. April qualifiziert, in der es dann um weitere 5000 Franken geht. Sondern sich auch einen Platz gesichert für den Final der vier besten Jasser am Ende des Jahres. «Vermutlich hätten auch die sieben Punkte der ersten Sendung gereicht, aber jetzt ist es definitiv», strahlt sie.
Kein einfacher Start
Im Publikum im Hotel Bären in Dürrenroth litt auch Ehemann Urs mit. Er versteht zwar nicht viel vom Jassen, wie er lachend gesteht, aber auch ihm war nach den 20 Punkten in der ersten Runde der zweiten Sendung klar, dass es schwer wird. «Ich habe gestaunt, wie ruhig Angi geblieben ist in dieser Situation», sagt er heute. «Das hat nur so ausgesehen, ich war ultranervös», entgegnet sie schmunzelnd. Doch der Differenzler braucht volle Konzentration – die Jasser müssen mitzählen, wie viele Punkte sie schon haben, wie viele noch im Spiel sind und welche Karten allenfalls die Gegner noch haben. Vor den Augen des Publikums und der Kameras ist es noch schwerer, den Überblick zu behalten. Und wenn sich dann wie bei Stimpfl noch der Funksender für das Mikrofon löst und ein Techniker ihn im Versteckten wieder installieren muss, ist es besonders schwierig. «Als Telefonjasserin war es viel einfacher. Da sieht man auf dem Monitor, wie viel Punkte man schon hat», erklärt sie.
Apropos Telefonjasser. «Viele meinen, der sitze zu Hause. Aber die sind auch vor Ort, einfach in einem Nebenraum und im Beisein einer Fernsehmitarbeiterin», erzählt die leidenschaftliche Spielerin, deren Herz nicht nur fürs Jassen schlägt. Aber es geht gar nicht anders, denn der Samschtig-Jass ist keine Live-Sendung. Pro Tag werden jeweils gleich zwei Sendungen aufgezeichnet – und dies an drei Tagen in Folge. Dazu kommen noch die Proben für jede dieser sechs Sendungen. In den drei Tagen, in denen Angi Stimpfl dabei war, gab es auch eine Sondersendung mit vier ehemaligen Olympiasiegern. Weil er an der Hauptprobe nicht dabei sein konnte, übernahm Stimpfl die Rolle von Bernhard Russi. Und gewann dabei. Dies im Gegensatz zum Abfahrtsolympiasieger von 1972 in der eigentlichen Sendung.
Quasi ein Familienprojekt
Die Kontakte mit den verschiedenen Prominenten haben Angi und Urs Stimpfl als sehr positiv in Erinnerung. «Sie waren alle bodenständig und haben sich auch für uns interessiert», erzählen sie. Speziell Moderatorin Fabienne Gyr, Ex-Schwingerkönig Jörg Abderhalden, der als Schiedsrichter dabei ist, aber auch Gardi Hutter, Maja Brunner oder Trauffer haben sie beeindruckt. Und Armon Orlik hätte ihnen auch sein Hotelzimmer zur Verfügung gestellt. «Aber wir sind lieber abends jeweils wieder nach Hause gefahren», erklären sie. Wobei Urs den Chauffeur machte, wie er lachend erzählt, während Angi sich ausruhen konnte. An einem der drei Tage waren auch die erwachsenen Kinder dabei. «Das Ganze wurde so quasi zum Familienprojekt», freut sich die dreifache Jasskönigin.
Auch etwas Glück braucht es
Für sie als Fan der Sendung ging mit der Teilnahme ein Traum in Erfüllung. Sie schaue die Sendung schon ewig, gibt sie zu. «Mir gefällt die Mischung zwischen Gesprächen, Unterhaltung und Jassen. Es ist einfach spannend mitzuraten, wie viele Punkte die Teilnehmer mit ihren Karten machen», erklärt sie ihre Begeisterung. «Sie ist wirklich gut, sie kann jedes Mal sagen, wie viele Punkte möglich sind. Und wenn es anders kommt, kann sie auch den Fehler des Mitspielers benennen», so das Lob von Urs. Wobei es beim Differenzler auch etwas Glück braucht. Man ist eben davon abhängig, welches Ziel die anderen am Tisch verfolgen. Und genau das weiss man nicht. Dass sie jetzt dreimal gewonnen hat, ist trotzdem kein Zufall. Angi Stimpfl trainiert viel. Mehrheitlich online. «Ich habe nur eine Runde, mit der ich mich regelmässig zum Jassen treffe», sagt sie. Und Ja, vor dem Auftritt habe sie etwas mehr gespielt als sonst. Sogar Statistiken erstellt. Es hat sich gelohnt.
Die Aufnahmen fanden bereits Ende November statt. Wie sie abgeschnitten hat, musste die Uezwilerin lange für sich behalten. «Das war schon nicht ganz einfach», gibt sie zu. Und liess sich auch nicht überall durchziehen. Denn zumindest ihre Arbeitskollegin musste sie informieren, dass sie nun doch länger weg ist als nur einen Tag. Stimpfl arbeitet als Verkäuferin im Brotwagen in Merenschwanden. Hier erhielt sie ganz viel Echo auf ihre TV-Auftritte. «Viele Kunden haben mir gratuliert. Auch sonst gab es viele Rückmeldungen, selbst von Leuten, die ich ewig nicht mehr gesehen habe», erzählt sie. In Uezwil, wo sie aufgewachsen ist, war der Erfolg natürlich Thema. «Es ist schön, wie sich die Leute mit uns freuen», sagt auch Urs Stimpfl.
Geld ist nicht das Wichtigste
Alles erzählen darf sie noch nicht. Schliesslich wird sie in einer weiteren Sendung zu sehen sein, die im April ausgestrahlt wird. Schon jetzt aber hat sie Geschichte geschrieben. «Jörg Abderhalden hat mir erzählt, dass schon lange nicht mehr dreimal in Folge gewonnen wurde.»
Die Erfolge haben sich auch finanziell gelohnt für Angi Stimpfl. Inzwischen hat sie 10 000 Franken gewonnen, weitere 5000 Franken könnten dazukommen. Auch im Final wartet noch ein schöner Jackpot. Doch was macht sie mit dem ganzen Geld? «Ich bin da eher konservativ. Der Grossteil fliesst in die 3. Säule», schmunzelt sie. Allenfalls liege auch noch eine Woche Extra-Ferien drin. Aber das Geld ist nicht das Wichtigste für sie. «Hier mitzumachen und Teil zu sein in einer meiner Lieblingssendung, das war einfach eine tolle Erfahrung», sagt sie und strahlt. Genauso wie Ehemann Urs. «Ich bin einfach stolz aus sie», gibt er zu. Und wird darum auch im Dezember gern wieder den Chauffeur spielen.
Lange Geschichte der Sendung
Der Samschtig-Jass ist die älteste noch ausgestrahlte Unterhaltungssendung Europas. Sie gilt auch als eine der erfolgreichsten Fernsehsendungen der Schweiz und läuft jeden zweiten Samstag von 18.45 bis 19.20 Uhr auf SRF 1 – vor etwas mehr als einem Jahr wurde die 1000. Folge ausgestrahlt. Die Sendung wurde 1967 von Kurt Felix als erstes interaktives Fernsehformat in der Schweiz erfunden und bis 1969 von ihm selber moderiert und trug zuerst den Titel Stöck–Wys– Stich. Bekannt wurde sie vor allem in den 70er-Jahren durch die Auftritte des Cabarets Rotstifts, dessen Mitglied Jürg Randegger moderierte die Sendung 24 Jahre lang. Seit 2020 ist Fabienne Gyr das neue Gesicht der Sendung. --red


