Appell an die Vernunft
10.07.2026 Besenbüren, Region OberfreiamtBesenbüren sieht von einem Verbot von Feuerwerk ab – Ammann Mario Räber sagt, warum
Ausgebüxte, verstörte und verletzte Pferde. An Silvester löste Feuerwerk in Besenbüren so einiges aus. Es folgte eine Petition, die ein Verbot forderte. ...
Besenbüren sieht von einem Verbot von Feuerwerk ab – Ammann Mario Räber sagt, warum
Ausgebüxte, verstörte und verletzte Pferde. An Silvester löste Feuerwerk in Besenbüren so einiges aus. Es folgte eine Petition, die ein Verbot forderte. Über 200 Stimmberechtigte unterschrieben. «Ein solches Verbot ist aber nicht durchsetzbar», sagt Gemeindeammann Mario Räber. Nichts tun kommt für die Gemeinde aber nicht infrage.
Annemarie Keusch
Die Konsequenzen des Handelns aufzeigen, anstatt Verbote aufzuzeigen. Besenbürens Gemeindeammann Mario Räber ist überzeugt, dass dies mehr hilft. «Wenn die Verbote nicht durchsetzbar sind, sowieso», hängt er an. Und genau so sei es beim geforderten Verbot von Feuerwerk im Dorf. Einige Monate ist es her, seit eine entsprechende Petition beim Gemeinderat deponiert wurde. Weit über 200 Leute unterschrieben, abzüglich der Kinder und Nicht-Stimmberechtigten im Dorf bleiben 206 Unterschriften. «Das ist viel», sagt Räber. Schliesslich zählt das Dorf total rund 450 Stimmberechtigte. «Heisst, knapp die Hälfte stört sich am Lärm, den Feuerwerk verursacht. Ein deutliches Zeichen.»
Und eines, das der Gemeinderat nicht ignorieren will. Auch wenn Räber darüber informiert, dass in Besenbüren zumindest vorerst kein Feuerwerksverbot in Kraft treten wird. «Wir haben nach dem Eingang der Petition rechtliche Abklärungen gemacht und das Gespräch mit der Regionalpolizei gesucht», erzählt Räber. Klar wurde dabei, was vorher schon der Befürchtung entsprach: ein Verbot von Feuerwerk durchzusetzen, ist schwierig. Vor allem, weil Vergehen kaum zu ahnden sind. «Die Regionalpolizei Muri ist im ganzen Bezirk unterwegs. Um jemanden zu büssen, müsste man diese Person aber beim Abfeuern von Feuerwerk erwischen. Ein Ding der Unmöglichkeit», fasst es Mario Räber zusammen.
Verbot des Verkaufs wäre wirksamer
Ein Verbot zu erlassen, obwohl Widerhandlungen kaum nachgewiesen werden könnten – «das ist widersinnig». Für Räber ist klar, dass höchstens ein Verbot des Verkaufs von Feuerwerk die Situation lindern würde. Über die Feuerwerksinitiative entscheidet das Schweizer Stimmvolk indes erst im Herbst. Dass Besenbüren kurz vorher noch einen eigenen Weg einschlägt, macht laut Räber zusätzlich keinen Sinn. «Zumal es mehr Zeit bräuchte, ein solches Verbot zu erlassen, und es sowieso nicht bis zum 1. August in Kraft getreten wäre.»
Verboten steht Mario Räber sowieso kritisch gegenüber. «Grundsätzlich bin ich dafür, dass unser Land so frei wie möglich sein soll und nicht immer alles vorgeschrieben werden muss.» Was ihn darum besonders nervt, ist die Tatsache, dass der gesunde Menschenverstand immer mehr verloren geht. «Nur darum werden immer mehr Verbote notwendig. Die Menschen nehmen keine Rücksicht mehr aufeinander, lassen keine Vernunft mehr walten.» Die Feuerwerk-Thematik in Besenbüren sei ein ideales Beispiel dafür.
An Silvester so viel Feuerwerk wie kaum je zuvor
Nur weil ein Verbot kaum umzusetzen ist, heisst das aber nicht, dass der Gemeinderat nichts tut. «Das kam für uns nie infrage. Wie gesagt, die 206 Unterschriften sind ein deutliches Zeichen.» Kreativität war gefragt und entstanden ist eine Präventionskampagne. Flyer werden in alle Haushalte verteilt. Das Ziel: sensibilisieren. Darüber, ob es wirklich notwendig ist, lärmiges Feuerwerk in den Himmel steigen zu lassen. «Wir wollen, dass die Menschen im Dorf Rücksicht nehmen. Auf ihre Nachbarn, auf die Tiere», sagt Mario Räber. Aber er betont, dass auch Tierhalter in der Pflicht seien, ihre Tiere speziell an solchen Tagen bestmöglich zu betreuen. «Wir hoffen, dass diese Kampagne etwas nützt und es ruhiger bleibt im Dorf am 1. August.» Nicht so, wie es am vergangenen Silvester war. Als so viel Feuerwerk abgefeuert wurde wie kaum je zuvor. «Das ist nicht nur mein Eindruck, sondern so nahmen es viele im Dorf wahr.»
Entsprechend gross waren die Befürchtungen von Sonja Furrer und Donat Etterli hinsichtlich des Bundesfeiertages. Sie lancierten vor einigen Monaten die Unterschriftensammlung. Und Furrers Pferde waren es, die in der Silvesternacht ausbüxten und sich verletzten. Ganz beruhigt dürften sie nicht sein, wären sie wohl auch bei einem Verbot nicht. Entspannend könnten indes zwei weitere Faktoren wirken. Einerseits das Wetter: Die Trockenheit könnte dazu führen, dass im Aargau Feuerwerk generell verboten wird. «Das wäre das Einfachste, für alle.» Andererseits das Höllefäscht. Dieses findet heuer zufällig am 1. August statt. Ein Anlass, bei dem quasi das ganze Dorf involviert ist – ob als Besucher oder als helfende Hand. Dann rückt der Bundesfeiertag und das Feuerwerk vielleicht etwas in den Hintergrund. Das sei mit ein Grund gewesen, weshalb der Gemeinderat keinen zentralen Platz organisiert, wo Feuerwerk gezündet werden kann. «Wenn das Höllefäscht ist, dann finden wir keine Menschen, die diesen Ort betreuen.»
Kein Verständnis
Mario Räber hofft, dass das Feuerwerk ausbleibt. Auch wenn er selbst seit 15 Jahren immer ferienhalber abwesend ist am 1. August. «Ich habe das Feuerwerk aber nie vermisst. Mir fehlt die Faszination für die Knallerei und entsprechend auch das Verständnis, wenn Leute damit nicht rücksichtsvoll umgehen.» Feuerwerk neben einem Stall zu zünden – dass das nicht sinnvoll und gar gefährlich ist, sollten eigentlich alle wissen. In der Silvesternacht war dem nicht so. Der Gemeinderat hofft, dass es am Bundesfeiertag nun ruhiger bleibt.

