An den Kapazitätsgrenzen
08.05.2026 Region Bremgarten, Eggenwil, JugendWachstum aktuell nicht möglich
Die Gemeinde Eggenwil kann beim Schülermittagstisch aktuell am Dienstag und Donnerstag keine weiteren Kinder mehr betreuen, weil es die Kapazitäten nicht zulassen. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. ...
Wachstum aktuell nicht möglich
Die Gemeinde Eggenwil kann beim Schülermittagstisch aktuell am Dienstag und Donnerstag keine weiteren Kinder mehr betreuen, weil es die Kapazitäten nicht zulassen. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. --rwi
Für die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung gibt es aktuell verschiedene Herausforderungen
Die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung in Eggenwil ist ein Erfolgsmodell. So sehr, dass sie jeweils am Dienstag und Donnerstag ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Eine schnelle Lösung ist zurzeit nicht möglich.
Roger Wetli
«Dieser Lösungsansatz gestaltet sich in der Praxis als schwierig», erklärt der Eggenwiler Gemeindeschreiber Walter Bürgi auf die Frage, ob man versucht, die Kinder im Austausch mit den Eltern auf andere Tage als den Dienstag und Donnerstag zu verteilen. Er hat dafür Verständnis: «Berufstätige Eltern wollen vor allem dann arbeiten, wenn ihre Kinder den ganzen Tag in der Schule sind.» Die schulergänzende Kinderbetreuung steht in Eggenwil am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag offen. Die Mittagessen finden im Foyer der Mehrzweckhalle statt. Besonders beliebt sind der Dienstag und Donnerstag. Dann erreicht der Raum mit 30 Kindern seine Kapazitätsgrenzen. Deshalb musste die Gemeindebehörde auch einigen Familien absagen. «Diese Anzahl ist noch überschaubar», weiss Bürgi. «Sie bewegt sich derzeit im unteren einstelligen Bereich. Das könnte auch daran liegen, dass wir seit 2024 über die erforderliche Begrenzung präventiv informieren.» In erster Linie wurde und werden denjenigen Eltern abgesagt, die ihr Kind nicht fix, sondern sporadisch anmelden wollen.
Auswirkungen neuer Gesellschaftsformen
Die Kinderbetreuung gibt es in Eggenwil seit 2009. Einen Sprung machten die Anmeldungen auf das Schuljahr 2024/2025. Walter Bürgi weiss, dass im Aargau keine 30 Prozent der Familien mehr klassische Einverdienerhaushalte sind. «Dieser gesellschaftliche Wandel geht wohl weiter. Deshalb rechnen wir damit, dass in Eggenwil die Nachfrage nach familienergänzender Kinderbetreuung weiter steigt.» Wie viele Anmeldungen es für das kommende Schuljahr sein werden, ist Walter Bürgi noch nicht bekannt. Die entsprechenden Formulare werden frühestens Ende Mai verschickt. «Das Problem dürfte sich mit den steigenden Schülerzahlen noch verschärfen», erklärt der Gemeindeschreiber. «Wie die aktuelle Schülerzahlprognose zeigt, ist bis zum Schuljahr 2027/2028 mit einem Anstieg von gegenwärtig 96 auf 107 Kinder zu rechnen, die vom ersten Kindergarten bis zur sechsten Klasse den Unterricht in Eggenwil besuchen werden.»
Diese Berechnung basiere jedoch rein auf den effektiven Schülerzahlen und den noch nicht eingeschulten Kindern, die bereits im Dorf wohnen. Nicht berücksichtigt seien Zu- und Wegzüge respektive Neubauten. «Zudem befinden sich rund 40 Wohneinheiten im Bau. Deshalb rechnen wir mit einem Anstieg der Bevölkerungszahl von heute 1070 auf 1300 im Jahr 2040.» Eine Entlastung der Kapazitätsengpässe bei der Kinderbetreuung könnte theoretisch eine Kindertagesstätte bringen. Dazu zeichnet sich aber keine Lösung ab. «Eine Kindertagesstätte war immer mal wieder ein Thema im Gemeinderat. Hierfür ist die Gemeinde jedoch schlicht zu klein», erklärt der Gemeindeschreiber. «Ausserdem müsste eine solche Institution wohl durch eine private Trägerschaft geführt werden.»
Kosten stiegen stark
Die Kapazitätsengpässe sind aber nicht die einzigen Herausforderungen, mit denen die Eggenwiler familienund schulergänzende Kinderbetreuung kämpft. Auch die Kosten sind am Steigen. Die von der Gemeinde bezahlten Mehrkosten kletterten von 11 000 Franken im 2024 auf 20 750 Franken im Jahr 2025. Die Gründe für diesen markanten Anstieg liegen vor allem bei den Verpflegungskosten und beim Anstieg des Personalaufwands. «Aufgrund der auch in der Gastronomie gestiegenen Einkaufspreise, Energiekosten und Personalaufwendungen wurde per August 2025 die Abgeltung an das Restaurant Sternen für die Zubereitung und Bereitstellung der Mahlzeiten von acht auf zehn Franken pro kindergerechter Portion angehoben», weiss Walter Bürgi. «Derzeit prüfen wir den Catering-Markt. Grundsätzlich sind wir aber mit der Dienstleistung des Restaurants Sternen zufrieden. Und auch die organisatorische Zusammenarbeit funktioniert gut.»
Der Gemeindeschreiber betont, dass das von der Gemeindeversammlung bewilligte jährliche Kostendach von 30000 Franken derzeit noch eingehalten werden kann. Wie lange das noch der Fall ist, bleibt offen. «Im Hinblick auf das kommende neue Schuljahr 2026/2027 wird der Gemeinderat eine Erhöhung der Elternbeiträge prüfen. Der diesbezügliche Entscheid wird demnächst fallen.» Diese betragen heute bei regelmässigen Anmeldungen 15 Franken und bei spontaner Teilnahme 17 Franken.
Zusätzliche Räume nötig
Könnte das Problem der finanziellen Obergrenze rasch gelöst werden, stellen die fehlenden Kapazitäten aufgrund zu kleiner oder fehlender Räume eine grössere Herausforderung dar. «Die Kapazitäts- und Funktionsgrenze der Schulanlage ist bereits heute erreicht», betont der Gemeindeschreiber. «Deshalb befassen wir uns intensiv mit der Schulraumplanung. Für mehr Kapazitäten müssen wir schlicht zusätzliche Gebäude und Räume bauen.»

