Alpaufzug und Guggenpower
20.01.2026 Fasnacht, Region Oberfreiamt, ButtwilMit dem Narrenmarsch wurde die Fasnacht in Buttwil stimmungsvoll lanciert
«Blüemlisalp ire Winternacht» hat die Gesellschaft Hohenwien diese Saison auf ihre Fahnen geschrieben. Unter diesem Vorzeichen wurde der Narrenmarsch zur Feuerstelle Gauseri zum ...
Mit dem Narrenmarsch wurde die Fasnacht in Buttwil stimmungsvoll lanciert
«Blüemlisalp ire Winternacht» hat die Gesellschaft Hohenwien diese Saison auf ihre Fahnen geschrieben. Unter diesem Vorzeichen wurde der Narrenmarsch zur Feuerstelle Gauseri zum Alpaufzug. In der Turnhalle heizten dann unter anderen die lokalen Lindenberggeischter ein.
Thomas Stöckli
«Wie heisst die bescht Guggemusig vo de ganze Wält?!», fragt Katja «die Gutherzige» Fahler von der Bühne. «Lindenberggeischter!» schallt es der Schultheissin von Hohenwien-Wissenburg stimmgewaltig entgegen. Und das gleich dreimal, jedes Mal noch etwas lauter. Diesen Vorschusslorbeeren will die lokale Guggenmusik natürlich gerecht werden. Schon mit ihrem Einzug macht sie klar: Hier wird mit der Energie nicht gehaushaltet.
Sie geben alles, die Guggenmusiker auf und vor der Bühne. Über 350 Fasnachtsbegeisterte dürften zu diesem Zeitpunkt in der Halle sein. Die Leute stehen auf, klatschen und lassen sich von den Guggen-Rhythmen mitreissen. Zu «I hätt no viu blöder ta» von Mundartrocker Göla singen nicht wenige lauthals mit. Und als sich nach gut 20 Minuten das Ende des Auftritts ankündet, wird im Saal laut «Einer geht noch …» skandiert. Natürlich nehmen die Lindenberggeischter die Aufforderung zur Zugabe an. Zu «Wonderwall» der Britpopband Oasis wird nochmals richtig abgefeiert, ehe die Gugge unter grossem Applaus die Bühne wieder räumt und die Halle verlässt – um die Instrumente zu verstauen und sich danach wieder unter die Feiernden zu mischen.
Lange Tradition
Kein Zweifel: Der Auftritt der Lindenberggeischter ist stimmungsmässig der Höhepunkt eines Fasnachtstags, der schon um 10 Uhr begonnen hat. Auf dem Narrenmarsch galt es, an zehn Posten diverse Aufgaben zu bewältigen. Die Route führte vom Gemeindehaus via Galizi zur Feuerstelle Gauseri, wo bei der mottogerechten Alphütte über dem Feuer die selbst mitgebrachten Würste gebraten werden konnten. In einem Give-away-Sack erhielten die Teilnehmenden allerlei, «was man in einer kalten Winternacht auf der Alp brauchen kann», so die Schultheissin, deren Gesellschaft Hohenwien-Wissenburg bereits seit 102 Jahren Fasnachtsfreude verbreitet.
Ganz so lange gibt es den Narrenmarsch nicht. Lanciert worden sei dieser in den 50er-Jahren. Nach einem Unterbruch habe man den Brauch dann vor rund 20 Jahren wieder aufgenommen. «Uns ist es wichtig, das Kulturgut Fasnacht im Freiamt am Leben zu erhalten», sagt Katja die Gutherzige. Deshalb freut sie sich, dass rund 45 Gruppen am Narrenmarsch unterwegs waren – und dass fast alle kostümiert erschienen sind. Als Schultheissin packt sie nicht nur überall mit an, sondern kümmert sich auch um repräsentative Aufgaben. Dazu gehört das Anstossen mit den Delegationen anderer Fasnachtsgesellschaften und Guggen, ist es doch Tradition, einander gegenseitig zu beehren.
Wertvolle Vernetzung
Vor, zwischen und nach den Guggen – nach den hiesigen Lindenberggeischtern brachten auch die Philharmoguuger Hochdorf nochmals richtig Stimmung – sorgen DJs mit Schlagerund Partymusik für «Hüttengaudi», passend zur Deko im Saal: An den Wänden hängen Stoff-Prints von verschneiten Tannen und winterlichen Berglandschaften. Dazu passen die rot-weiss-karierten Wimpelketten, die quer durch die Halle gespannt sind. «Wir haben am Samstag drei Stunden lang aufgestellt», sagt Katja Fahler. Gleichviel Zeit, nämlich von 20 bis 23 Uhr, sollte das Aufräumen in Anspruch nehmen.
Der Stadtrat der Fasnachtsgesellschaft Hohenwien-Wissenburg durfte für den Anlass auf die Unterstützung von rund 35 bis 40 Helferinnen und Helfern zählen. Bei deren Rekrutierung sei einerseits die gute Vernetzung in der Region von Vorteil, verrät die Schultheissin, andererseits wissen die Helferinnen und Helfer, dass ihr Einsatz geschätzt wird: «Sie sind freiwillig da, und deshalb sollen sie es auch geniessen können.»
Weitere Highlights im Februar
Gekonnt schafft es DJ Stöge nach dem Guggenauftritt, die Fasnächtler gar nicht wieder an den Festbänken Platz nehmen zu lassen. Erst schickt er sie mit einer «Polonaise» durch die Halle und über die Bühne, dann setzt er die Mobilisierung nahtlos mit dem «Ententanz» fort. Und schliesslich sind auch zu «Macarena» einige zu sehen, welche die eingängige Choreografie aus den 1990er-Jahren immer noch beherrschen.
Das fasnächtliche Treiben in Buttwil findet am 6. Februar mit dem Geischterball seine Fortsetzung. Dort werden die organisierenden Lindenberggeischter um Mitternacht ihr nächstes Heimspiel haben. Am 12. Februar folgt dann um 16 Uhr der kleine Umzug mit rund zehn Wagen und anschliessendem Dorfball, ab 17 Uhr unter dem Motto «Blüemlisalp ire Winternacht», in Anlehnung an die «Alperose» von Polo Hofer und seiner Schmetterband. «Letztes Jahr waren da 500 Leute in der Halle», so die Schultheissin. Am Güdismontag, 16. Februar, findet das fasnächtliche Treiben im Dorf dann mit der grossen Kinderfasnacht von 14 bis 18.30 Uhr auf dem Schulhausplatz bereits wieder seinen Abschluss. Und natürlich werden auch dort die Lindenberggeischter wieder zu hören sein.



