Alles Bisherige übertrumpft
27.01.2026 Muri, KunstEin riesiger Alligator für den Gator Saloon – schwerstes Puzzle der Welt steht in Muri
100 Kilogramm schwer. Gut 2500 Teile. 800 Schichten. Nur schon die Zahlen hinter dem Projekt sind eindrücklich. Künstler Mike Tanner hat für den Gator Saloon ...
Ein riesiger Alligator für den Gator Saloon – schwerstes Puzzle der Welt steht in Muri
100 Kilogramm schwer. Gut 2500 Teile. 800 Schichten. Nur schon die Zahlen hinter dem Projekt sind eindrücklich. Künstler Mike Tanner hat für den Gator Saloon in Muri einen riesigen Alligator angefertigt. «Anfänglich wurde ich belächelt. Jetzt habe ich erst recht bewiesen, dass diese Art der Kunst Potenzial hat», sagt er.
Annemarie Keusch
Ihm bleiben die Augen und der Mund offen stehen. «Wow», sagt Guido Viana, Betreiber des Gator Saloons an der Aarauerstrasse in Muri. «Mehr kann ich gar nicht sagen.» Das Lächeln verschwindet den ganzen Abend über nicht von seinem Gesicht. Ein Alligator im Gator, das passt. Ein solch spezieller sowieso. Auch Mike Tanner erlebt einen ganz speziellen Abend. «Bis 2.30 Uhr war ich vor Ort», sagt er und lacht.
Ein rundum erfreulicher Abend sei es gewesen. Wegen der rund 70 Interessierten, die kamen. Wegen der Begeisterung, die sie für seine Kunst zeigten. Wegen der vielen Fragen, die er beantworten durfte. «Ich habe es ganz einfach genossen», sagt der Künstler, der aktuell in Sarmenstorf lebt. Erwartet hat das, was mit Lichtshow und theatralischer Musik eröffnet wurde, so niemand. Vorher gesehen erst recht nicht.
Kein Wunder, schliesslich ist diese Art von Puzzle, die Mike Tanner macht, keine gängige. «Ein System, das es so noch nicht gab.» Und eines, das er sich selbst beibrachte. «Ich habe etwas Ähnliches gesehen im Netz», erzählt er. Als er wegen einer Krankheit viel Zeit im Bett verbringen musste. Er war sofort begeistert. «Ich habe in dieser Sekunde gewusst, dass das meine Leidenschaft wird.» Neues gewagt hat er, der einst Umwelt- und Energietechnik studierte, immer gerne. Kunst und vor allem Figuren haben ihn seit jeher interessiert. Und er brachte auch das nötige Rüstzeug mit, kannte sich schnell mit entsprechenden Programmen aus. Mike Tanner lächelt: «Wenn ich von etwas begeistert bin, dann vergesse ich alles um mich herum – manchmal auch zu trinken oder zu essen.»
Grosse Teile, aber 500 mit der Lupe platziert
Vor gut einem Jahr hat Mike Tanner so richtig losgelegt mit den Puzzles. Figuren, die in seinem Kopf entstanden sind, modelliert er mittels Computer-Programm. Eine weitere Software schneidet diese in Scheiben – in dem Material, das Tanner will. Holz, Karton, Acryl, Glas oder Metall, ganz vieles ist möglich. Natürlich hat Tanner mit kleinen Objekten angefangen. Er und seine speziellen Puzzles sind aber schnell grösser geworden. Und beliebter. Der Sarmenstorfer zeigt seine Kunst im eigenen Showroom im Dorf, ist an Märkten präsent, stellte auch schon in der Galerie Flussreif in Bremgarten aus. «Ich bin mit voller Kraft dabei, aus meinem Hobby meinen Beruf zu machen», sagt der 53-Jährige.
Skulpturen, die öffentlich sichtbar sind, sind auf diesem Weg umso wichtiger. Jene im Gator Saloon in Muri ist eine solche. «Wir kennen uns schon lange», sagt Mike Tanner über Barbetreiber Guido Viana. In Bremgarten waren ihre Geschäfte nebeneinander. Entsprechend versuchen sie, sich gegenseitig zu unterstützen. Mit dem Alligator-Projekt ist genau das gelungen. «Für mich und meine Kunst ist das eine neue Zeitrechnung.» Nicht nur was die Grösse und das Gewicht des Objekts betrifft, sondern auch der zeitliche Aufwand. Aus rund 800 Schichten besteht der Alligator, rund 2500 Teile sind es total. «Über 500 davon sind so klein, dass ich sie mit der Lupe platzierte.»
Keinen Plan B, dafür umso mehr Überzeugung für Plan A
Genau diese Details sind es, die an diesem Abend im Gator Saloon derart begeistern. Die Zähne, die Augen, die Haut. Conni Hubel spricht von einem «superintelligenten Tausendsassa». Sie ist Kunstpartnerin von Tanner und kennt ihn seit Jahren. «Verbissen, ausdauernd und perfektionistisch.» So beschreibt sie ihn. «Er ist jemand, der die Welt mit anderen Augen betrachtet.» Ein Verrückter, im positiven Sinne. Einer, der sich keinen Plan B überlegt, weil er von Plan A vollends überzeugt ist. «Gestalten, modellieren – das ist sein Leben.» Bisher in verschiedenen kleinen Figuren, nun in einer riesigen, die alles Bisherige übertrumpft. Fast 120 Quadratmeter Holz sind darin verbaut, Hunderte Stunden stecken dahinter. «Es ist ein Abbild der Realität und gleichzeitig eine Einladung, hinter die Fassade der Seele des Künstlers zu blicken», hält die Laudatorin fest.
In diesem für ihn so speziellen Projekt sei er sich treu geblieben. «Der Alligator ist ein Zeichen seiner Neugier und seiner Rebellion», sagt Hubel. Tanner sei wie ein Oldtimer. «Nicht mehr der Jüngste, aber wenn er ins Fahren kommt, dann mit Stil.» So viel Lob, noch bevor der Alligator überhaupt enthüllt ist. Dass dieses Werk nun den Gator Saloon ziert, freut Mike Tanner riesig. «Ich mag diesen Ort und sähe darin noch ganz viel Potenzial für Kunstobjekte», sagt er und lacht. Der Anfang ist gemacht – für bildende Kunst im Gator Saloon und für Tanners spezielle Puzzles gleichermassen.
Mehr Informationen finden Interessierte unter: www.feuerstadt.ch.


