Offen für Neues
08.10.2019 RudolfstettenStubete in Rudolfstetten
Am ersten Sonntag im Monat ist im «Sternen» in Rudolfstetten Stubete. Der Publikumszuspruch ist jeweilen gross.
Stubete: Die Musikantinnen und Musikanten kommen mit ihren Instrumenten ins Restaurant und vor Ort wird ...
Stubete in Rudolfstetten
Am ersten Sonntag im Monat ist im «Sternen» in Rudolfstetten Stubete. Der Publikumszuspruch ist jeweilen gross.
Stubete: Die Musikantinnen und Musikanten kommen mit ihren Instrumenten ins Restaurant und vor Ort wird entschieden, wer mit wem zusammen spielt. In der Volksmusik hat das Tradition.
Im «Sternen» in Rudolfstetten gibt es seit drei Jahren eine Stubete. Sie findet immer mehr Anklang bei Musikanten und Publikum: Vorgestern war kein Stuhl mehr frei in der Gaststube.
«Wir pflegen die traditionelle Volksmusik, wir sind aber auch offen für Neues», sagt Rolf Hauser. Der Rudolfstetter gehört zur Patronatsformation, der Hausmusik quasi, die immer zu Beginn aufspielt. Das Offensein für Neues macht wohl einen Teil des Erfolgs aus: Zu hören sind auch volkstümliche Schlager und Hits von Pop und Rock. «Damit wollen wir auch Jüngere ansprechen», so Hauser.
Unter den Musikanten war vorgestern auch Josef Gallati aus Fällanden. Der Klarinettist mag es, wenn neben der «Steiner Chilbi» auch «Alperose» gespielt wird. --eob
Steiner Chilbi und Alperose
Die Stubete im Restaurant Sternen findet grossen Anklang
Erika Obrist
«Es ist die erste Stubete nach der langen Sommerpause. Vor elf Uhr ist sicher nicht viel los», hatte mir ein Bekannter mit auf den Weg gegeben. Trotzdem gehe ich am Sonntagmorgen etwas zeitiger nach Rudolfstetten in den «Sternen». Schon unter der Tür sind Volksmusikklänge zu hören. Die Gaststube ist gut gefüllt. Auf einigen Tischen stehen «Réservé»-Täfelchen. Wirtin Claudine Juchli führt mich an einen Tisch, an dem sich eben eine Gruppe Leute niederlässt, und weist mir einen Stuhl am Kopfende zu.
Gleich neben dem Stuhl musiziert die Patronatsformation. Die Hausmusik. Das sind Rolf Hauser aus Rudolfstetten, Marcel Schlapp aus Dietikon und Bruno Kaiser aus Luzern. Sie spielen immer zu Beginn der Stubete, die von Oktober bis Mai am ersten Sonntag des Monats angeboten wird. «Wir wollen den Menschen eine Freude machen», sagt «Musicman» Rolf Hauser, der an diversen Anlässen auf dem Mutschellen als Alleinunterhalter auftritt. «Wir pflegen die traditionelle Volksmusik. Wir achten aber darauf, dass an der Stubete viele Stilrichtungen zum Zug kommen», sagt er im Stübli nebenan, während eine andere Formation in der Gaststube aufspielt. Schlager, Pop und Rock – alles, was dem Publikum gefällt. «Steiner Chilbi» von Jost Ribary und «Alperose» von Polo Hofer. Aber kein Metal. «Wir sind offen für Neues und wollen auch Jüngere ansprechen», fährt Hauser weiter. Immerhin: Ein paar Wenige unter vierzig Jahren haben sich eingefunden und geniessen das musikalische Miteinander am langen Tisch vor dem Buffet.
Als wir in die Gaststube zurückkommen, ist jeder Platz besetzt. «Es ist toll, wie sich die Stubete in so kurzer Zeit entwickelt hat», freut sich Rolf Hauser, während Marcel Schlapp eifrig dabei ist, neue Formationen zusammenzustellen mit den anwesenden Musikantinnen und Musikanten. Es sind immer mehr, die im «Sternen» aufspielen wollen. «Die Stubete ist in der Verbandszeitung ausgeschrieben», so Hauser weiter. Eigentlich müsste sich anmelden, wer musizieren will. Nicht alle tun das.
Einer der Auftretenden ist Josef Gallati aus Fällanden ZH. Der Klarinettist organisiert an seinem Wohnort selber einmal im Jahr eine zweitägige Stubete. Eine grosse Kiste im Festzelt, wie auf dem Flyer zu erahnen ist, den er mir in die Hand drückt. «Gallati ist ein Glarner Geschlecht», sagt er und greift nach der Klarinette. Er ist an der Reihe. Als Glarner Formation kündigt Marcel Schlapp die Musikanten an. «Wir spielen zuerst ‹Wien bleibt Wien›». informiert Josef Gallati die Zuhörer. «Und Wein bleibt Wein», echot es vom Tisch nebenan.
«Die Stubete bringt Leben in den ‹Sternen›», freut sich Wirtin Claudine Juchli. Inzwischen habe es sich herumgesprochen, dass man am ersten Sonntag im Monat in Rudolfstetten bestens unterhalten werde. Sehr viele Besucherinnen und Besucher seien Stammgäste. Nicht nur aus der Region; zum Teil kämen sie von weit her. «Um 12 Uhr ist jeweils die Hölle los», weiss Claudine Juchli. Dann möchten alle essen. A la carte. Die Mitarbeiterinnen in der Küche und im Service haben dann alle Hände voll zu tun. Die Musikanten erhalten von ihr einen Konsumationsgutschein. «Das ist so üblich.»
Inzwischen sind auch Musikanten aus dem deutschen Rottweil eingetroffen. Sie sind zum zweiten Mal hier. «Knöpfletreffen» heisse die Stubete im Süddeutschen Raum, weiss Rolf Hauser. Zuhörer Kurt Kämpf aus Dietikon, der kaum eine Stubete verpasst und nun eine Pause im Stübli einlegt, lobt die Gäste aus dem grossen Kanton und berichtet von einem «Freiburger», der im letzten Frühjahr unvermittelt aufgetaucht ist mit seinem Schwyzerörgeli und alle Zuhörer verzückt hat mit seinem Können. Als Beweis nimmt er sein Handy hervor und zeigt mir die Videoaufnahme, die er vom Auftritt des Schweizer «Freiburgers» gemacht hat. Tatsächlich: Dessen Finger tanzen ultraschnell über die «Knöpfle» des Schwyzerörgelis. Ebenfalls eine Auszeit im Stübli gönnt sich Zuhörer Carlo Zerboni aus Widen. Er ist regelmässig an der Stubete. «Wegen der musikalischen Vielfalt», sagt er.
In der Gaststube ist es inzwischen laut geworden. «Alls was bruchsch uf dr Wält» von Ernst Jakober wird gespielt. Am langen Tisch wird geschunkelt. Viele singen den Text mit. Applaudieren am Schluss kräftig.
Ja, der Mix kommt an im «Sternen». Wirtin Claudine Juchli geht von Tisch zu Tisch. Strahlt. Wechselt hier ein paar Worte mit Gästen, greift da dem Personal kurz unter die Arme. Marcel Schlapp ist ebenfalls pausenlos unterwegs. Stellt neue Formationen zusammen. Bittet andere Musikanten um etwas Geduld. Wie lange sie an diesem Sonntag gespielt haben mögen? Bei der guten Stimmung sicher etwas länger.




