GASTKOLUMNE
Peter Füglistaler, ehemaliger Direktor Bundesamt für Verkehr, in Wohlen aufgewachsen.
Berner und Bernerinnen geniessen den Ruf, langsam zu sein. Sinnbild ist der gmögige Berner ...
GASTKOLUMNE
Peter Füglistaler, ehemaliger Direktor Bundesamt für Verkehr, in Wohlen aufgewachsen.
Berner und Bernerinnen geniessen den Ruf, langsam zu sein. Sinnbild ist der gmögige Berner Sennenhund, der im Schatten eines Baumes liegt, die Umgebung gwundrig betrachtet, aber niemals auf die Idee käme, Eindringlinge so giftig anzubellen wie ein Appenzeller Sennenhund. Dieses gemütliche Image ist schon mal besser, als wenn man auf schlechtes Autofahren und weisse Socken reduziert wird.
Was hat es auf sich mit Klischees? Bern ist die Sporthauptstadt der Schweiz schlechthin. Sie ist in allen populären Sportarten vorne dabei. Sie hat den Eishockey-Club und den Fussball-Club mit den meisten Zuschauern. Zugegeben: Derzeit stimmen Fan-Zahl und Leistung nicht ganz überein. Der Grand Prix von Bern und der Frauenlauf ziehen Massen von Läuferinnen und Läufern an. Im Handball wird in der obersten Liga gespielt und wenn wir grosszügigerweise den Vorort Köniz einbeziehen, dann gilt dies auch für Volleyball und Unihockey. Schnellere Frauen als die Berner Maitschi Mujinga und Ditaji gibt es weltweit nicht.
Und im Sommer schwimmen täglich mehr Leute die Aare hinunter als Wohlen Einwohnerinnen und Einwohner hat. Und während viele Bernerinnen und Berner auf den 800 Meter hohen Gurten spazieren, findet man sich auf dem Alpenzeiger ob Anglikon ganz alleine.
Vorurteile und Klischees teilen Menschen in Gruppen ein. Sie haben oft einen wahren Kern und sind nicht immer abschätzig gemeint, zumindest für diejenigen, welche eine gewisse Selbstironie ertragen. Es ist aber ein kurzer Schritt, bis die Abgrenzungen zur Ausgrenzung führen. Ein Sieg des Kantonsrivalen wird zur schmachvollen Niederlage, der Fan der falschen Mannschaft zum Feind, Stadt und Land driften auseinander und eine andere Weltanschauung wird zur Bedrohung. Allzu viele suchen den Schutz in einer Bubble, wo die vermeintlich Guten untereinander sind.
Dieses Bild passt so gar nicht zur Schweiz. Wir sind stolz darauf, anders zu sein als alle anderen. Es wäre langweilig, wenn wir alle gleich wären. Viele verschiedene Fähigkeiten ergänzen sich. Die Stärke liegt in der Vielfalt und nicht in der Einfalt.
So braucht es das Bild der gmögigen Bernerinnen und Berner. Aber Achtung: Wenns drauf ankommt, sind sie meist schneller und besser als die andern.