BRIEF AUS FLORIDA
17.04.2026 Kelleramt, Kolumne, MeinungenJoe Huber, Fort Myers.
Amis wollen keinen Krieg
Wie zu erwarten war, wurde ich auf meinem kürzlichen Osterurlaub im Heimatland fast von allen Leuten, die ich getroffen habe, mit Fragen über Trump ...
Joe Huber, Fort Myers.
Amis wollen keinen Krieg
Wie zu erwarten war, wurde ich auf meinem kürzlichen Osterurlaub im Heimatland fast von allen Leuten, die ich getroffen habe, mit Fragen über Trump bombardiert. Und wie die meisten habe auch ich keine Antwort für die Gründe seines bizarren Benehmens. Ausser das, was allen bestens bekannt ist: dass er ein Egoist mit einem ausgeprägten Hang zum Narzissmus ist.
Selbstverständlich mache ich mir auch Sorgen über die Entwicklung in Amerika und natürlich ganz speziell über die aktuelle Lage mit dem Iran-Krieg. Was mir wirklich auf dem Magen liegt, ist die Tatsache, dass in Amerika niemand in der Lage zu sein scheint, ihn zu stoppen. Er setzt sich bekanntlich über fast alle Richterentscheide hinweg und macht, was er will. Wofür haben wir dann eigentlich den ganzen Kongress? Mir muss keiner erzählen, dass alle republikanischen Abgeordneten und Senatoren noch hinter ihm stehen. Ich kenne ein halbes Dutzend «Trumpies» in unserer Überbauung, die sich von ihm abgewandt haben, und das sind ganz sicher nicht die Einzigen. Ebenfalls muss mir keiner sagen, dass alle seine Kabinettsmitglieder ihn immer noch bedingungslos unterstützen. Aber keiner macht den Mund auf und traut sich, etwas zu sagen. Haben die vielleicht auch Dreck am Stecken?
Mit der Anzettelung des Iran-Krieges, in den ihn meiner Meinung nach die Israelis reingezogen haben, hat er aber nun ein Kapitel aufgeschlagen, das auch für den Durchschnittsamerikaner sehr delikat ist. Denn eines weiss ich zu hundert Prozent: Der Ami, ungeachtet seiner Parteizugehörigkeit, will keinen Krieg mehr. Die leiden nämlich alle noch unter dem Vietnam-Syndrom. Auch das weiss ich von mehreren Veteranen, die dort gekämpft hatten und in unserer Siedlung wohnen.
Ich stelle fest, dass der Widerstand gegen ihn im eigenen Land wächst. Da mein Laptop natürlich in Amerika registriert ist, sehe ich jeden Morgen die Nachrichten und Neuigkeiten, und da stehen jetzt schon einige sehr bekannte und einflussreiche Leute aus der Politik und Wirtschaft öffentlich gegen ihn auf. Was auch noch interessant ist: Diese News aus Amerika standen oft im krassen Kontrast zu dem, was ich in den Schweizer Zeitungen las.
Die Zwischenwahlen im November könnten sehr entscheidend sein für seine Zukunft. Wenn wegen der steigenden Energiepreise die Inflation wieder ansteigt und eventuell noch eine Rezession kommt, dann hätten wir die schlechtmöglichste Situation, eine Stagflation, also eine stagnierende Wirtschaft mit steigender Inflation. Das wäre dann so ziemlich das dümmste Rezept für ihn und die Republikaner im November. Diese ganze Situation wäre eigentlich super ideal für die Demokraten, daraus Kapital zu schlagen. Aber von denen kommt – zumindest bis jetzt – eben auch gar nichts. Wie heisst es doch so schön: Manche Leute haben keine Ahnung, was sie tun. Und viele von ihnen sind richtig gut darin.
Der in Jonen aufgewachsene Joe Huber wohnt seit 1986 in den USA. Lange Zeit in New York, nun in Fort Myers, Florida. Regelmässig berichtet er von seinem Leben und hält seine Gedanken als Auslandschweizer fest.

