Vive la France
20.02.2026 Bremgarten, SchuleSchülerinnen und Schüler der Oberstufe Bremgarten eroberten Paris
Zum zweiten Mal hiess es kürzlich für 14 abenteuerlustige Jugendliche der Sekundarstufe Bremgarten «Bonjour Paris». Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen sammelten sie ...
Schülerinnen und Schüler der Oberstufe Bremgarten eroberten Paris
Zum zweiten Mal hiess es kürzlich für 14 abenteuerlustige Jugendliche der Sekundarstufe Bremgarten «Bonjour Paris». Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen sammelten sie unvergessliche Erfahrungen und Erlebnisse in Frankreichs Hauptstadt. Klassenlehrerin Ina Körner berichtet davon.
Acht Mädchen und sechs Jungs aus den neunten Klassen des Schulhauses Isenlauf dürfen die Stadt der Liebe unsicher machen. Möglich wird diese Reise dank den beiden Französischlehrerinnen Julie Wille und Ina Körner und der Unterstützung von Schulleiterin Barbara Bircher und der Stadt Bremgarten. Die Mission der viertägigen Reise: Französisch endlich einmal dort anwenden, wo es wirklich zählt. Ein Croissant kaufen, im Restaurant bestellen (auch wenn es nur ein international bekannter Fast-Food-Tempel ist), den Preis eines blinkenden Eiffelturms verhandeln – und das alles ohne Google Translate. Gleichzeitig sollen die Jugendlichen lernen, sich in einer echten Millionenstadt zurechtzufinden. Paris ist eben nicht Bremgarten: Es ist schneller, lauter, voller Menschen und definitiv nicht darauf ausgelegt, dass man gemütlich im letzten TikTok-Video hängen bleibt, während man versucht, einer Metrotür auszuweichen, die keine Sekunde länger offen bleibt als nötig.
Glätteisen und Schminkspiegel
Der Start um 9 Uhr im Klassenzimmer verläuft wie erwartet: Hat wirklich jeder den Pass dabei? Natürlich nicht – der Ausländerausweis reicht immer noch nicht. Was steht heute an? Wie verhält man sich im Zug? Und die wichtigste Frage: Warum ist dieser Koffer schwerer als seine Besitzerin? Make-up, Glätteisen, Schminkspiegel – alles muss mit. Viel Glück beim Schleppen über die unzähligen Treppen der Metrostationen. Macht aber nichts, wenn die beste Freundin den Koffer übernimmt.
Geschlafen wird in einer Jugendherberge in einem Viertel, das die ganze Bandbreite der Gesellschaft zeigt: Obdachlose, Familien, Menschen aus aller Welt. Der erste Programmpunkt führt nach Montmartre zur berühmten Basilika Sacré-Cœur. Von dort oben zeigt sich Paris in voller Pracht – zumindest in den kurzen Momenten, in denen die Regenwolken eine Pause einlegen. Am Abend gibt es ein typisch französisches Menü im «Bouillon»: Vorspeise, Hauptgang, Dessert. Die Jugendlichen lernen schnell: In Frankreich isst man nicht, man zelebriert. Süssgetränke gehören trotzdem dazu, und Gemüse wird grosszügig ignoriert – man muss ja Platz fürs Dessert lassen. Das Programm ist dicht, die Wege lang und die Beschwerden vielfältig: «Aua» hier, «Sie – wie lange laufen wir noch?» da. Die Ampel ist rot. – «Stopp, wo kann ich mein Handy laden?» Sie bleiben stehen, und das Wetter ist … sagen wir: ungemütlich. Nur ein einziger Tag bleibt trocken – vermutlich aus Mitleid.
Fragen über Fragen
Am Dienstag steht die Oper Garnier auf dem Plan. Die Führung ist beeindruckend, doch mindestens genauso faszinierend sind die Selfie-Möglichkeiten und die anderen Besucherinnen und Besucher, die sich für Instagram und Co. in voller Pracht präsentieren. Danach folgt Shopping im Lafayette und in den umliegenden Geschäften. Das hart verdiente Sackgeld findet erstaunlich schnell neue Besitzer.
Mittwoch ist Kulturtag: Im Louvre drängen sich gefühlt eine Million Menschen vor der Mona Lisa. Trotzdem muss ein Dossier mit Fragen zu berühmten Künstlern und Gemälden ausgefüllt werden. Warum darf man die Bilder nicht anfassen? Wieso kostet ein Bild so viel? Und wie haben die Maler diese riesigen Leinwände überhaupt bemalt? Die Fragen sind zahlreich – die Antworten manchmal zweitrangig. Danach folgt ein Macaron-Kochkurs. Die Köchin spricht ausschliesslich Französisch und erklärt vielleicht ein bisschen zu viel. Die Konzentration der Jugendlichen hält … ungefähr so lange wie ein Macaron im Ofen. Anschliessend geht es zum Essen und endlich zum blinkenden Eiffelturm.
Jubelschreie, Rennen, Emotionen, drei Millionen Selfies. Die Haare glitzern, das Make-up sitzt – der Aufwand hat sich gelohnt. Die illegalen Strassenverkäufer, die ihre Ware blitzschnell einpacken, sobald die Polizei naht, sorgen für Lacher, aber auch für nachdenkliche Momente. Nicht alle haben das Glück, in der Schweiz geboren zu sein.
Ein Magnet fürs Mami
Am letzten Tag verabschiedet sich die Gruppe mit einem Besuch der Notre-Dame und einer kleinen Sightseeingtour rund um das Centre Pompidou. Die Jugendlichen kaufen ihre letzten Souvenirs: ein Magnet fürs Mami und ein Plastikfigürchen aus einem Laden, dessen Namen niemand lesen, geschweige denn aussprechen kann. Die Figuren sind überteuert, aber die Charaktere dahinter unbezahlbar.
Am Abend geht es zurück zum Gare de Lyon. Trotz rechtzeitigem Eintreffen sorgt eine spontane Gleisänderung für einen Sprint, der den sportlichen Abschluss der Reise bildet – und ein Erlebnis, das garantiert niemand vergisst.
Paris hat die Jugendlichen gefordert, begeistert und manchmal auch überrascht. Aber eines ist sicher: Die Welt ist gross, bunt und voller Abenteuer – und Französisch kann man tatsächlich brauchen, sofern man will. --zg/red

