BRIEF AUS FLORIDA
17.02.2026 Kelleramt, Kolumne, MeinungenRund um den Super Bowl
Joe Huber, Fort Myers.
Obwohl ich eben kein grosser Fan vom amerikanischen Football bin, lasse ich mir jeweils den Super Bowl nicht entgehen. Dieses Jahr schon gar nicht, weil das Spiel im ...
Rund um den Super Bowl
Joe Huber, Fort Myers.
Obwohl ich eben kein grosser Fan vom amerikanischen Football bin, lasse ich mir jeweils den Super Bowl nicht entgehen. Dieses Jahr schon gar nicht, weil das Spiel im «San Francisco Bay Area»-Stadion stattfand, wo die Schweiz am 13. Juni ihr erstes Fussball-WM-Gruppenspiel gegen Qatar bestreitet. Man hat bei der Übertragung bereits einen schönen Eindruck von dieser Arena erhalten. Der Super Bowl ist mit grossem Abstand der populärste und am meisten verfolgte Sportanlass Amerikas. Gemäss Statistiken verfolgen etwa 130 Millionen Leute dieses Spiel am Fernsehen, meist in Gruppen bei irgendjemandem zu Hause, wo dann die traditionellen Super-Bowl-Partys stattfinden, an denen Hamburger, Chips und so weiter vertilgt werden und wo dann meist auch reichlich Alkohol fliesst.
Dieser Anlass ist auch bekannt für die Werbespots in den Pausen, welche dieses Jahr einen neuen Preisrekord erreicht haben: Für einen 30-Sekunden-Werbespot musste man sage und schreibe zwischen 8 und 10 Millionen Dollar hinlegen. Nur für die reine Sendezeit, die Produktion und Bezahlung der meist sehr bekannten Darsteller ist noch nicht dabei und kann gut und gerne 15 Millionen Dollar erreichen. Viele Firmen zeigen diese Spots etwa fünfmal während des ganzen Spiels, was dann am Ende etwa 50 Millionen Dollar kostet. Deshalb sind es fast nur grosse und bekannte Firmen, die sich das leisten können. Ich wage aber zu bezweifeln, ob dann die Zuschauer auch wirklich beispielsweise mehr Coca-Cola trinken, wenn diese Firma solch horrende Beträge ausgibt. Ich meine, dass diese verrückten Summen viel gescheiter verwendet werden könnten.
Trump war ja eigentlich auch als Besucher angekündigt, sagte aber ab, weil «der Spielort viel zu weit weg sei». Das stimmt natürlich überhaupt nicht, denn er reist ja sehr häufig an noch viel weiter entfernte Orte. Die wahren Gründe sind andere: Er ist mit dem kalifornischen Gouverneur auf Kriegsfuss und er sagte, dass der die Halbzeit-Show bestreitende Rapper eine völlige Katastrophe sei – was dieser Auftritt dann tatsächlich auch war. Nach seiner peinlichen Rede in Davos, wo er das Gastland Schweiz beleidigte, kann man nur hoffen, dass die Organisatoren ihn nächstes Jahr nicht mehr einladen. Mein Eindruck hier ist, dass der Widerstand gegen ihn ziemlich stark wächst. Ich habe das persönlich von einigen ehemals treuen Unterstützern gehört, die haben sich von ihm abgewandt.
Gott sei Dank finden zurzeit die Olympischen Spiele statt, das gibt ein bisschen Abwechslung vom politischen Blödsinn, der sonst den ganzen Tag im TV zu sehen ist. Unsere Teilnahme an der Lotterie für die Fussball-WM-Tickets war halbwegs erfolgreich, wir haben Karten gekriegt für die ersten zwei Spiele der Schweiz, eben in San Francisco gegen Qatar und dann in Los Angeles gegen einen noch zu bestimmenden Qualifier. Für das Spiel in Vancouver sind wir leider leer ausgegangen. Über die Preise schweigt des Sängers Höflichkeit, aber die WM ist ja nicht jedes Jahr.
Der in Jonen aufgewachsene Joe Huber wohnt seit 1986 in den USA. Lange Zeit in New York, nun in Fort Myers, Florida. Regelmässig berichtet er von seinem Leben und hält seine Gedanken als Auslandschweizer fest.

