Sag niemals nie
08.07.2025 Merenschwand, Radsport, SportReto Stuber aus Merenschwand war zum zweiten Mal am Race Across the Alps
Das Race Across the Alps gilt als eines der härtesten Radrennen der Welt. Der Merenschwander Reto Stuber hat es vor zwei Jahren absolviert. Danach hat er gesagt, dass er das nie mehr tun ...
Reto Stuber aus Merenschwand war zum zweiten Mal am Race Across the Alps
Das Race Across the Alps gilt als eines der härtesten Radrennen der Welt. Der Merenschwander Reto Stuber hat es vor zwei Jahren absolviert. Danach hat er gesagt, dass er das nie mehr tun würde. Jetzt nahm der 49-Jährige erneut teil und hat sich gesteigert.
Zu Beginn des Race Across the Alps zweifelte Reto Stuber an sich. Die Hitze setzte ihm zu. «Als ich sah, dass ich für den ersten Streckenabschnitt am Stelvio mehr Zeit brauchte als vor zwei Jahren, war das ein Dämpfer. Die psychologische Herausforderung war enorm», sagt er. Vor zwei Jahren bewältigte Stuber die 525 Kilometer und 14 500 Höhenmeter in 32 Stunden und 43 Minuten. Diesmal wollte er die 32 Stunden unterbieten. «Mit den Erfahrungen vom ersten Mal sollte das möglich sein», dachte er. Am Ende gelang es ihm: Nach 31 Stunden und 44 Minuten erreichte er das Ziel.
Doch der Weg dorthin war hart. Unterstützt wurde er von einem Team aus Freunden und Familie. Im Vorfeld erstellten sie einen detaillierten Zeitplan. In Filisur sollte das erste Teammitglied ins Rennen einsteigen und Stuber bis nach Zernez begleiten. Danach sollte sein Göttibub Silvan Keiser übernehmen und mit dem Merenschwander bis ins Ziel fahren. Ein Murgang am Stelvio Richtung Bormio zwang die Veranstalter zur kurzfristigen Streckenänderung – und das Team zur Plananpassung. Stuber bekam von dieser logistischen Herausforderung wenig mit. Er hatte andere Probleme. Die geänderte Strecke und die zusätzlichen 20 Kilometer belasteten ihn körperlich und psychisch. Krämpfe plagten ihn. Das erste Support-Team versorgte ihn mit Magnesium, Getränken und motivierenden Worten.
«Mein Mitfahrer war Gold wert»
In Tirano wartete das zweite Team. Nach einer rasanten Abfahrt ins Engadin war Stuber 24 Stunden nonstop unterwegs. Der Schlafentzug machte sich bemerkbar, die Konzentration fiel schwer. Der Ofenpass von Zernez hinauf wurde bei über 30 Grad zur Tortur. Das zweite Team versorgte ihn mit Getränken und Snacks. Doch sein Magen rebellierte. Ein Müesli mit Milch und Rückenwind am Ofenpass halfen ihm weiter. Die letzten drei Pässe standen noch an: der Umbrail und der Stelvio im Schlussanstieg. Auf dem Stilfserjoch wartete das Team erneut mit Verpflegung. Der Reschenpass, die letzte Hürde, wurde trotz Gegenwind in Prad gemeistert. Mittlerweile begleitete ihn sein Göttibub. Dessen Windschatten half, zügig voranzukommen. «Ein Mitfahrer war Gold wert», erzählt Stuber. «Der Windschatten und die moralische Unterstützung halfen enorm. Ich weiss nicht, ob ich es ohne ihn geschafft hätte.»
Ein Murmeltier kann alles beenden
Obwohl er zu Beginn langsamer war als vor zwei Jahren, holte er dank seiner Erfahrung auf. Damals bestand sein Team aus drei Personen, die ihm mit einem Wohnwagen folgten. «Bei gewissen Pässen in Italien kommt man mit dem Wohnwagen nicht durch. Sie gaben mir unten beim Anstieg die letzte Verpflegung und fuhren dann aussenrum, während ich den Pass alleine meistern musste. Diesmal waren meine Teammitglieder mit dem Auto unterwegs und konnten mich auf den Pässen begleiten, was die gesamte Betreuung deutlich vereinfachte», so Stuber. «Das Support-Team war entscheidend. Unter anderem hatte ich einen hervorragenden Velomechaniker, ohne den das Ganze nicht machbar gewesen wäre.» Er erklärt aber, dass wenig fehlt, damit so ein Projekt scheitert. Bei einer Abfahrt mit grossem Tempo rannte plötzlich ein Murmeltier über die Strecke. Eine halbe Sekunde fehlte zur Kollision mit dem Tier. «Ein solcher Sturz und alles ist zu Ende.»
Nachdem Stuber die 32 Stunden unterboten hat, ist ihm auch die Qualifikation für das Race Across America gelungen. Es ist mit seiner Strecke von 4800 bis 5000 km und einer Gesamthöhendifferenz von rund 52 000 Metern deutlich anspruchsvoller als die Alpenvariante. Stuber hat aber nicht vor, dort teilzunehmen. «Das ist etwas, wofür man ein Budget von rund 30 000 Franken benötigt und rund drei Wochen Zeit einrechnen muss. Im Gegensatz zum Race Across the Alps werde ich hier meine Meinung nicht ändern.» Das bedeutet aber nicht, dass der Merenschwander keine neuen Herausforderungen annehmen wird. --jl