Vernissage der Gedenkausstellung Romano Galizia und seine Künstlerfreunde
Aus Anlass seines 100. Geburtstags präsentiert Murikultur ausgewählte Werke des Murianer Bildhauers Romano Galizia zusammen mit solchen aus seiner Sammlung. Ein kaleidoskopischer Blick ...
Vernissage der Gedenkausstellung Romano Galizia und seine Künstlerfreunde
Aus Anlass seines 100. Geburtstags präsentiert Murikultur ausgewählte Werke des Murianer Bildhauers Romano Galizia zusammen mit solchen aus seiner Sammlung. Ein kaleidoskopischer Blick auf eine Ausprägung von Schweizer Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sonst nicht im Rampenlicht steht.
Susanne Schild
«Die Schenkung von Romano Galizia ist für die Stiftung Murikultur eine Ehre, aber auch eine Verpflichtung und diese Gedenkausstellung zu seinem 100. Geburtstag eine sehr passende Würdigung», sagt Marlène Nogara, Vizepräsidentin des Stiftungsrates. Mit seinem Markenzeichen, dem Béret, sei er in Muri eine bekannte Persönlichkeit gewesen. «Ältere Murianerinnen und Murianer erinnern sich bestimmt an das Haus im Park, mit der Werkstatt, den Steinen darum herum, und das Hämmern des Steinmetzes», so Nogara. Einige Werke Galizias finden sich heute noch in Muri, wie der Leonzibrunnen, der Stiefeliryter oder Mutter und Kind beim Spital.
Als junge Lehrerin durfte Marlène Nogara miterleben, wie das Wandrelief am Schulhaus Badweiher entstand. «Ich erlebte ihn stets ernsthaft bei der Arbeit. In Erinnerung geblieben ist mir aber auch sein schalkhaftes Lachen, das ihn dabei begleitet hat.»
Über Gott und die Welt diskutiert
Urs Hänggli, der Romano Galizia persönlich kannte und die Schenkung seines Werknachlasses vollzog, blickte an der Vernissage auf Galizias bewegtes Leben zurück. Er lernte Romano Galizia in den 1980er-Jahren im Zusammenhang mit der Restaurierung der elf Meisterwerke der Glasfenster und des neuen Lettners in der Klosterkirche Königsfelden in Windisch näher kennen. Romano Galizia hatte damals die Leitung der umfangreichen Restauration. Urs Hänggli übernahm damals dabei die administrativen Aufgaben. «Da ich auch noch ein Zweigbüro in Muri hatte, konnte ich oft bei Romano Galizia daheim Arbeiten besprechen, aber nicht nur das, sondern auch mit ihm über Kunst und Gott und die Welt diskutieren.» Die Restaurierung und die Grabsteine gaben ihm eine ausreichende Existenzgrundlage. Dennoch vermisste der Bildhauer eine gewisse Anerkennung und Aufträge für Kunst am Bau oder reine Kunst in der Öffentlichkeit. «Vor allem auch in der Gemeinde Muri. Sein manchmal etwas sperriger Charakter trug sicher auch dazu bei», sagte Hänggli. Und weiter: «Mit der von mir beauftragten und 1990 eingeweihten Skulptur ‹Stiefeliryter› auf dem von ihm gestalteten Vorplatz meiner Büroliegenschaft an der Marktstrasse erfuhr er dann aber von der Behörde und von den Einwohnern Wertschätzung.»
Die Schenkung als sein letzter Wille
Hänggli war und ist immer noch sehr beeindruckt von der Vielfalt seiner freien Kunst. Diskutiert hatten Galizia und Hänggli wie gesagt viel, unter anderem auch über das Ende des Lebens. Die Überlegung sei damals gewesen, wohin mit all diesen Kunstgegenständen. Entweder den Erben überlassen oder handeln, sei die Devise gewesen, erinnert sich Hänggli zurück. Galizia entschied sich fürs Handeln.
Das Schenkungsversprechen erfolgte am 9. November 1995. Bedingung war, dass die Werke in geeigneter Form und in angemessenen Zeitabständen dem Publikum zugänglich gemacht werden und dass für die nichtausgestellten Werke ein Depotraum geschaffen wird.
Das testamentarisch abgesicherte Schenkungsversprechen wurde nach dem Tod von Romano Galizia 2005 fertig vollzogen, unter tatkräftiger Mitwirkung von seinem Neffen Michele Galizia. «Den bildnerischen Nachlass katalogisierte mit Geschichten in Knochenarbeit Benny Frey», sagte Hänggli.
Ein kleines Universum im Freiamt
Peter Fischer durfte sich als Kurator in den letzten Wochen in die Sammlung von Werken von Galizia sowie dessen Sammlung von Werken anderer Künstler vertiefen. «Ich habe versucht, aus diesem reichhaltigen und umfangreichen Schatz ein Kondensat herauszuziehen, um mit der Ausstellung, die wir heute eröffnen, einen Eindruck des künstlerischen Schaffens des Murianer Bildhauers und ebenso einen Eindruck des kleinen Universums, welches sich hier im Freiamt um Galizia gebildet hatte, zu vermitteln.»
Zugleich sollte es im räumlich beschränkten Rahmen des Singisenforums einfach auch eine schöne Ausstellung geben, an der sich das Publikum erfreuen könne und an der die Kunst ihre Wirkung und Kraft entfalten könne, so Fischer.