Alles anders als geplant
26.07.2022 WohlenMarkus Köbeli brachte seinen Film «Luchsinger und die Götter» nach Wohlen
Vier Schweizer Rentner ziehen aus finanziellen Gründen nach Bali. Und werden dort mit einer völlig fremden Kultur und vielen persönlichen Problemen konfrontiert. Die ...
Markus Köbeli brachte seinen Film «Luchsinger und die Götter» nach Wohlen
Vier Schweizer Rentner ziehen aus finanziellen Gründen nach Bali. Und werden dort mit einer völlig fremden Kultur und vielen persönlichen Problemen konfrontiert. Die Schweizer Komödie kam beim Wohler Publikum bestens an.
Chregi Hansen
Der Film hat das Potenzial, zu einem Überraschungshit zu werden. Und damit zum Nachfolger anderer toller Schweizer Komödien wie «Die Schweizermacher» oder «Die Herbstzeitlosen». In Wohlen gab es nach der Premiere jedenfalls Applaus vom Publikum. «Die bisherigen Reaktionen überraschen uns selber», erklären Regisseur Markus Köbeli und Produzent Peter Irniger.
Die vielen positiven Rückmeldungen sind umso überraschender, als es der erste Kinofilm des Regisseurs ist. Zuvor hatte sich der Berner einen Namen gemacht als Autor und Regisseur von Sendungen wie «Viktors Programm» oder «Total Birgit» sowie von verschiedenen Theaterstücken. Der Film sei ihm quasi in den Schoss gefallen, erklärt er lachend. Ein entfernter Bekannter, der in Bali eine Perückenfabrik betreibt, fragte an, ob in seinem neu eröffneten Filmstudio in der Provinz eine Schweizer Produktion möglich sei. 2018 reisten Köbeli und Irniger darum ein erstes Mal nach Bali, um die Möglichkeiten auszuloten.
Enorme Unterstützung
«Ich war vor 40 Jahren schon einmal auf der Insel. Ich dachte nicht, dass ich je wieder dahin zurückkehre, denn ich wollte die Gegend so in Erinnerung behalten, wie ich sie damals angetroffen habe», berichtet Köbeli. Er hat die Reise aber nicht bereut. «Die Unterstützung, die wir vor Ort erhielten, war enorm. Eigentlich wollten wir auf ganz einfache Art mit einer Kamera und vier Schauspielern relativ spontan und ohne Drehbuch arbeiten. Aber dann erfuhr ich, dass in Bali ein 40-köpfiges Filmteam auf uns wartet», lacht Köbeli. So war er gezwungen, ein Drehbuch zu schreiben. Von der Idee der Improvisation blieb nichts mehr übrig. «Das Ganze wurde immer grösser als eigentlich geplant», ergänzt der Produzent.
Die Grundidee für die Handlung hatte Köbeli schon früher. Die Geschichte Schweizer Auswanderer, die sich in einer ihnen völlig fremden Kultur behaupten müssen. Auswanderer-Schicksale kommen an, das beweisen die vielen Sendungen im Fernsehen, so Köbeli. Und dass Schweizer Rentner ihren Lebensabend aus finanziellen Gründen vermehrt im Ausland verbringen, ist eben eine Tatsache. So ist es auch bei den vier Filmfiguren, die im fernen Bali gelandet sind. Und dort zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen, die das Schicksal überlistet. «Es war von Anfang an klar, dass es eine Komödie werden soll. Ich bin doch eher der Humormensch. Aber es sollte auch einen gewissen Tiefgang haben», so Köbeli. Und darum lässt er seine Figuren auch immer wieder über das Leben philosophieren. An dessen Ende sicher die nächste Pointe wartet.
Ganz schön geschwitzt
Die Arbeit war für alle Beteiligten herausfordernd. Nicht zuletzt wegen der klimatischen Bedingungen. «Du bist am Morgen aufgestanden und hast schon geschwitzt. Das kommt im Film fast zu wenig zum Ausdruck», erzählt der Regisseur. Sichtbar wird es vor allem durch die lakonische Lebensart der vier Schweizer Rentner, die sich kaum bewegen und den Grossteil des Tages mit einem Bier im Liegestuhl verbringen. Dazu passt die eher bedächtige Erzählstruktur. «Die Darsteller sind ja tatsächlich alle in einem gewissen Alter, die Dreharbeiten unter diesen Bedingungen waren nicht ganz so einfach für sie», erzählt Produzent Irniger. Doch das Verhältnis unter den vier Hauptdarstellern – Manfred Liechti, Andrea Zogg, Max Rüdlinger und Jürg C. Maier – war sehr gut. «Wir haben Schritt für Schritt alle Probleme gemeistert, weil wir wussten, dass es dieser Film wert ist», so Peter Irniger.
Eines der grössten Probleme war die Finanzierung. «Ein Schweizer Film lässt sich nie allein durch die Einnahmen finanzieren, dafür ist der Markt einfach zu klein», ist sich Regisseur Köbeli bewusst. Umgekehrt habe niemand auf einen wie ihn gewartet, der noch nie einen Kinofilm gemacht hat. «Manchmal kam ich mir vor wie einer, der an einer Party teilnimmt, an die er eigentlich nicht eingeladen ist, und der trotzdem versucht, ein Stück vom Kuchen zu bekommen», erzählt er lachend. Umso glücklicher sei man, dass der Film jetzt auf die Leinwand kommt. Und hofft, dass «Luchsinger und die Götter» auch ausserhalb der Deutschschweiz zu einem Erfolg wird. «Die Untertitel-Spuren für Hochdeutsch, Französisch und Englisch sind gemacht», verrät der Produzent. Und fügt an, dass die Botschaft in Singapur den Film dort zeigen will und dass er auch schon am Bali Filmfestival zu sehen war.
Gemacht für die grosse Leinwand
Derzeit wird die Komödie vor allem in den Open-Air-Kinos gezeigt. Fast täglich ist Köbeli Gast an einem anderen Ort und berichtet über seine Arbeit. Er will sich nicht beklagen. «Es ist schön, denn so kommt man in den Kontakt mit dem Publikum und kriegt die Reaktionen auf das Gezeigte unmittelbar mit», meint der Berner. Für ihn selber war es ein spezieller Moment, als er «Luchsinger und die Götter» erstmals auf der grossen Leinwand sah. «Nichts gegen Streaming und TV, aber gewisse Filme funktionieren eben am besten im Grossformat», sagt er. Und dass dieser Film funktioniert, das konnte er in Wohlen feststellen, fanden an diesem Sonntagabend doch viele Zuschauer den Weg ins Wohler Open-Air-Kino und amüsierten sich bestens über die vier Rentner im fernen Bali. Sodass Markus Köbeli und Peter Irniger mit einem guten Gefühl wieder zurückfahren durften.

