Powerfrau mit Wiener Schmäh
12.04.2022 WohlenMonisha Kaltenborn am Donatoren-Anlass des FC Wohlen bei der Robert Huber AG in Muri
Künftig werden die Donatoren des FC Wohlen einmal im Jahr einen Sponsoren besuchen. Den Anfang hat die Robert Huber AG in Muri gemacht. Zu Gast war Monisha Kaltenborn, ehemalige ...
Monisha Kaltenborn am Donatoren-Anlass des FC Wohlen bei der Robert Huber AG in Muri
Künftig werden die Donatoren des FC Wohlen einmal im Jahr einen Sponsoren besuchen. Den Anfang hat die Robert Huber AG in Muri gemacht. Zu Gast war Monisha Kaltenborn, ehemalige Teamchefin der Sauber Motorsport AG und Präsidiumsmitglied bei Rapid Wien.
Josip Lasic
Lieber einen Fussballverein führen oder einen Formel-1-Rennstall? Wie aus der Kanone geschossen antwortet Monisha Kaltenborn, dass sie lieber ein Formel-1-Team führen würde. «Bei einem Fussballverein wie Rapid Wien hat man mindestens 30 000 Fans, die ebenfalls wissen, wie man das Team trainieren muss. In der Formel 1 ist das nicht so», sagt die Österreicherin lachend.
Monisha Kaltenborn ist eine der wenigen Personen, die bei dieser Frage genau wissen, worüber sie sprechen. Seit 2019 ist sie Teil des Präsidiums beim österreichischen Fussball-Rekordmeister Rapid Wien. Bekannt wurde die Juristin mit indischen Wurzeln allerdings dadurch, dass sie 2012 Teamchefin beim Rennstall Sauber wurde. Und damit die erste Frau, die ein Formel-1-Team geleitet hat. Für den Donatoren-Anlass des FC Wohlen war die 51-Jährige jedenfalls die perfekte Wahl. Der Anlass eines Fussballclubs, der beim Fahrzeugunternehmen Robert Huber AG in Muri stattfand.
Hinter den Kulissen der Formel 1
Kaltenborn erzählte den Donatoren ihre Geschichte. Wie sie als Juristin in die Welt des Motorsports kam. Angefangen in ihrer Kindheit, als sie an der Seite ihres Vaters Formel-1-Rennen verfolgt hat. 1998 kam sie zum ersten Mal mit dem Rennzirkus in Berührung, als sie bei einem liechtensteinischen Unternehmen als Juristin angestellt war, das am Formel-1-Rennstall Sauber beteiligt war. Später wechselte sie in die juristische Abteilung des Rennstalls und genoss ein hohes Ansehen bei Peter Sauber. Aber nicht nur bei ihm. Als BMW 2006 den Rennstall übernommen hat, war sie eine von zwei Personen, die von BMW ins neue Team übernommen wurden. Nach dem Rückkauf von Peter Sauber im Jahr 2009 übertrug er immer mehr Verantwortung an die Österreicherin, bis sie 2012 die erste Frau an der Spitze eines Formel-1-Teams wurde.
Kaltenborn schmückte die Erzählung mit zahlreichen persönlichen Anekdoten aus und gab einen Einblick hinter die Kulissen der Formel- 1-Welt. Als einer der Donatoren fragte, wie sich Bernie Ecclestone, ehemaliger Formel-1-Besitzer und Frauenheld, gegenüber ihr als Teamchefin verhalten hat, erklärte Kaltenborn, dass Ecclestone austeilen, aber auch einstecken kann. «Als er einmal einen frechen Spruch gemacht hat, habe ich ihm gesagt, dass das nur von jemandem kommen kann, der so alt ist wie er. Er kann damit umgehen», so Kaltenborn. Sie berichtete auch, dass Ecclestone im Gegensatz zu seinem Auftreten in der Öffentlichkeit ein eher zurückhaltender Typ ist. «Aber ein knallharter Geschäftsmann. Ich glaube nicht, dass es ihn besonders berührt hätte, wenn wir keinen Käufer für das Team gefunden hätten und Sauber komplett von der Bildfläche verschwunden wäre.»
Zwischen Fussball und E-Sport
Den Verkauf des Teams, das heute «Alfa Romeo Racing» heisst, bezeichnet Kaltenborn als einen ihrer grössten Erfolge im Motorsport. Ins Präsidium von Rapid Wien ist sie durch Freunde gekommen, die auf der Suche nach neuen Leuten in der Führung des Traditionsvereins einerseits nach Frauen und andererseits nach Personen aus anderen Sportarten Ausschau gehalten haben. Neben der Wintersportlerin Michaela Dorfmeister haben sie in Monisha Kaltenborn beides in einem gefunden. «Ich konnte viele Skills aus der Formel 1 in den Fussball mitnehmen. Beides sind Teamsportarten, in denen jedes Glied in der Kette funktionieren und auf einem Level agieren muss, damit das Gesamtgefüge funktioniert.» Und in beiden Sportarten könne man nur reagieren. «Es ist unmöglich, alles vorherzusehen. Wenn ein unerwartetes Szenario eintrifft, ist es wichtig, dass man möglichst schnell reagieren kann.»
Dem Rennsport ist sie aber nicht komplett untreu geworden. Die Österreicherin ist CEO von «Racing Unleashed». Das Unternehmen aus Cham stellt Rennsimulatoren her, die ein möglichst realistisches Rennerlebnis bereiten sollen. FCW-VR-Präsident André Richner, der mit Donatoren-Präsident Marco Duschén durch den Anlass führte, bestätigte die Qualität der Simulatoren. «Nach 20 Minuten ist man kaputt.» Und Kaltenborn, die mit ihrem Unternehmen viel Potenzial im Bereich E-Sport sieht, präsentierte wieder einige Anekdoten. «Junge Menschen, die mit der digitalisierten Welt aufgewachsen sind, gewöhnen sich schnell an die Simulatoren. Ein Formel-1-Fahrer wie Max Verstappen kann beispielsweise auch gut in den Simulatoren fahren», erzählte sie über ihr Unternehmen, das selbst schon Meisterschaften in zwei Ligen durchführt, welche auf Youtube gestreamt werden. «Der Bruder von Sebastian Vettel kann mit den Simulatoren auch gut umgehen. Sebastian Vettel selbst hingegen weniger», fügte sie lachend hinzu.
Am Ende wurde Kaltenborn von Duschén und Richner ein FC-Wohlen-Trikot mit der Nummer 10 überreicht, stellvertretend für ihren Geburtstag am 10. Mai. Sie nahm das Geschenk dankend an und fügte mit einer weiteren Prise «Schmäh» an: «Das trage ich bei der nächsten Vorstandssitzung von Rapid Wien. Der FC Wohlen kriegt davon ein Foto.»

