Ausgezeichnet vorbereitet
11.01.2022 Kelleramt«WorldSkills»-Teilnehmerin Juliana Thöny lernte in Las Vegas
Mitte Oktober vertritt die Oberlunkhoferin Juliana Thöny die Schweiz an den Berufsweltmeisterschaften «WorldSkills» in Schanghai in der Kategorie Bäckerei-Konditorei. Jetzt ...
«WorldSkills»-Teilnehmerin Juliana Thöny lernte in Las Vegas
Mitte Oktober vertritt die Oberlunkhoferin Juliana Thöny die Schweiz an den Berufsweltmeisterschaften «WorldSkills» in Schanghai in der Kategorie Bäckerei-Konditorei. Jetzt absolvierte sie einen Kurs bei den besten ihres Faches in Las Vegas.
Roger Wetli
Der Franzose Amaury Guichon ist ein bekanntes Gesicht in der Konditorei-Branche – und weit darüber hinaus. Man kann ihn gar in der eigenen Netflix-Serie «School Of Chocolate» erleben. In Las Vegas führt er zusammen mit seinem Geschäftspartner Michel Ernots die «Pastry Academy». Die Oberlunkhoferin Juliana Thöny hatte zehn Wochen lang die Möglichkeit, bei ihm und seinem Mitstreiter zu lernen. «Es war eine unglaubliche Erfahrung. Ich konnte sehr stark profitieren», schwärmt sie.
Viel unternommen
Juliana Thöny gewann im letzten Jahr die Berufsmeisterschaft «SwissSkills» im Bereich Konditorei-Confiseurin und ist deshalb qualifiziert, für die Schweiz vom 12. bis 17. Oktober an den «WorldSkills» in Schanghai anzutreten. An der «Pastry Academy» vertiefte die junge Frau ihr Wissen, erhielt neue Ideen und lernte zusätzliche Techniken. «Es war aber auch abseits von der Schule eine unglaubliche Erfahrung», schwärmt sie. «Wir 18 Schüler haben in der Freizeit viel miteinander unternommen und die Sehenswürdigkeiten rund um Las Vegas und Los Angeles besucht.»
Seit Anfang Januar arbeitet sie jetzt wieder in Luzern in der Richemont Fachschule, wo sie auf die «WorldSkills» optimal vorbereitet wird. Als Teil des «Swiss Skills National Team» trainiert sie wie eine Olympia-Teilnehmerin auf die Meisterschaft. So steht ihr unter anderem ein Mental-Coach zur Seite. Juliana Thöny blickt auf intensive kommende Monate. «Ich freue mich darauf und hoffe, die Schweiz würdig vertreten zu können.»
Von den Besten gelernt
Juliana Thöny bereitete sich zehn Wochen in Las Vegas auf die Berufsweltmeisterschaften vor
2020 hatte Juliana Thöny aus Oberlunkhofen die Schweizer Berufsmeisterschaft «Swiss-Skills» im Bereich «Konditorin-Confiseurin» gewonnen. Mitte Oktober wird sie nun die Schweiz an den «WorldSkills» in Schanghai vertreten. Dafür besuchte sie eine Schule in Las Vegas. Eine einmalige Erfahrung.
Roger Wetli
«Es war einfach eine wunderschöne Zeit», schwärmt die 22-jährige Oberlunkhoferin Juliana Thöny. Sie flog kurz vor Weihnachten in die Schweiz zurück. Im Gepäck: viele neue Eindrücke und Handfertigkeiten für ihren Beruf. Gelernt hatte sie zehn Wochen lang in Las Vegas von einem der besten Confiseure der Welt – Amaury Guichon. «Er ist hauptsächlich auf Instagram sehr bekannt und hat weltweit über 5 Millionen Follower», unterstreicht Thöny dessen Status. «Auf den Plattformen zeigt er kurze Filme, wie er aus Schokolade richtige Kunstwerke kreiert oder wunderschöne Patisserie-Produkte herstellt.»
Guichon verfügt seit Neustem gar über eine eigene Netf lix-Serie namens «School of Chocolate», wo er unglaubliche Techniken präsentiert. «Er unterrichtete uns total drei Wochen, während wir die restliche Zeit durch den Schulmitgründer Michel Ernots betreut wurden.» Gerade Ernots sei sehr spassig und gleichzeitig eine sehr starke Persönlichkeit. «Das trifft auch auf Guichon zu. Er gibt alles für seine Schaustücke, damit sie am Ende perfekt aussehen», ist Thöny begeistert. Sie habe von beiden Lehrern sehr profitieren können. Dazu würden neue Deko- und Geschmackskombinationen zählen, aber auch, dass es nicht zwingend exotische oder einmalige Zutaten brauche, um ein hochwertiges Dessert herzustellen. «Bereits ein Apfel bietet unendliche Möglichkeiten», schwärmt die junge Frau.
Beschwerliche Anreise
Die Ausbildung ermöglichte ihr Arbeitgeber, die Richemont Fachschule in Luzern. Dieser bietet eine Aus- und Weiterbildung in der Branche Bäckerei-Konditorei-Confiserie und ist zudem ein öffentliches Restaurant. Fast hätte die Pandemie diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Es war lange nicht klar, ob ich überhaupt aus der Schweiz in die USA einreisen darf. Schlussendlich ging aber alles sehr schnell und etwas überstürzt», blickt Thöny zurück. Geflogen ist sie nicht direkt ins «Land der unbegrenzten Möglichkeiten», sondern zuerst nach Mexiko. «Wir fanden heraus, dass die Einreise ohne Visum möglich ist mit einem längeren Zwischenstopp in Mexiko. Als ich das definitiv wusste, blieben mir genau zwei Tage bis zum Abflug, um die Schule von Anfang an besuchen zu können», lacht die Oberlunkhoferin und betont: «Es gab Schüler, die aus diesem Grund etwas verzögert in Las Vegas eintrafen.»
In Mexiko waren es 15 Übernachtungen, wo sie unbezahlten Strandurlaub machte. «Hätte ich es früher gewusst, wäre wahrscheinlich für diese zwei Wochen noch jemand mitgekommen. So aber war ich alleine auf mich gestellt. Es war schon etwas seltsam, alleine auf der anderen Seite der Welt Strandferien zu machen.» Sie habe das Beste daraus gemacht und viele schöne Ausflüge unternommen. So sah sie eine mexikanische Pyramide, wilde Krokodile und Flamingos und besuchte traumhaft schöne Strände. Erleichtert war Juliana Thöny, als sie schliesslich an einem Sonntag in den USA landete und am Montag darauf sofort die Schule startete. «Es war alles etwas hektisch. Zumal ich im gleichen Monat bereits als Vorbereitung für zwei Wochen in Frankreich einen Kurs besuchte. Kaum zu Hause und zurück im Geschäft, war ich auch bereits wieder weg», lacht die junge Confiseurin.
Einzige Weltmeisterschaftsteilnehmerin
17 Schüler aus aller Welt profitierten in den zehn Wochen in Las Vegas von den Erfahrungen und vom Wissen der Weltspitzenprofis. «Zu viert waren wir aus Europa. Andere kamen zum Beispiel aus Brasilien, Peru, Puerto Rico, den USA oder Alaska. Das machte es noch spannender.» Zumal die Altersspanne von 18 bis 60 Jahre reichte. Die mitgebrachte Berufserfahrung sei sehr unterschiedlich gewesen. «Eine Frau aus den USA hatte zum Beispiel ein Architekturstudium abgeschlossen und entschloss sich während der Pandemie zu einem Berufswechsel. Jemand anderes verfügte dagegen über zehn Jahre Berufserfahrung.» Generell seien die Europäer mit mehr Vorwissen erschienen. Und Juliana Thöny stellte fest: «Die Lehre in der Schweiz ermöglicht einen sehr guten Abschluss und einen tollen Einstieg ins Berufsleben.» Die Oberlunkhoferin lernte in Las Vegas aber keinen ihrer Konkurrenten der «WorldSkills» kennen, da sie die einzige Besucherin des Kurses war, die für diese Meisterschaft qualifiziert ist.
Gestaltet war der Unterricht so, dass in jeder Woche ein anderes Thema behandelt wurde. Es gab zum Beispiel eine Glace-, eine Praliné-, eine Schokoladenschaustücke- oder eine Bäckerei-Woche. Nach jeweils fünf Tagen wurde ein perfekt aussehender Ausstellungstisch mit allen hergestellten Produkten der jeweiligen Woche hergerichtet. «Die Stimmung in der Klasse war sehr gut. Seit Beginn waren wir ein gutes Team und jeder hat jedem geholfen. In der Freizeit waren wir oft zusammen unterwegs, haben an Thanksgiving zusammen gekocht oder Orte wie Los Angeles oder den Grand Canyon besucht», schwärmt Thöny. Mit einer Brasilianerin mietete sie ein Appartement, nachdem sie in den ersten zwei Wochen in einem Hotel residiert hatte.
Intensives Jahr vor sich
Mit all diesen Eindrücken kehrte sie kurz vor Weihnachten zurück nach Oberlunkhofen. «Es ist schön, wieder zu Hause bei meiner Familie und meinen Freunden zu sein», lacht sie. Nach kurzer Erholung arbeitet sie nun wieder in Luzern und bereitet sich gleichzeitig auf die «WorldSkills» vor. Juliana Thöny ist Teil des SwissSkills-Nationalteams. Für Schanghai wird jeder Teilnehmer durch einen Hauptcoach und durch weitere Personen unterstützt. Dazu sind bereits einige Trainings und externe Praktika geplant. «Die WorldSkills kann man mit den Olympischen Spielen vergleichen. So erhalte ich auch einen Mental Coach, um mich optimal auf den Wettkampf vorzubereiten», erklärt die junge Frau.
«Ich freue mich auf die kommenden Monate. Es wird intensiv und mit nur wenig Freizeit verbunden sein.» Aktuell arbeitet sie daneben noch in einem 100-Prozent-Pensum. Dieses wird laufend reduziert. Im Juli verkünden die Verantwortlichen das Thema im Bereich «Confiserie». Ab dann wird sich Juliana Thöny ausschliesslich auf die Wettkämpfe konzentrieren, die vom 12. bis 17. Oktober in Schanghai stattfinden. «Es ist eine grosse Ehre, die Schweiz an dieser Berufsweltmeisterschaft vertreten zu dürfen. Ich werde mit viel Herz und Leidenschaft alles geben und freue mich auf das Abenteuer. Jetzt kommt aber erst noch eine Phase, in der ich weitere praktische Erfahrungen sammeln kann, die mich bestmöglich vorbereiten.»



