Ein frühes Karriereende
28.07.2020 FussballHeinz Fröhli über seine Zeit im Fussball
Bei «seinem» FC Rudolfstetten war er nur kurz in der Juniorenzeit. Heinz Fröhli zog nach Bremgarten und Wohlen, wo er unter zwei Fussballgrössen trainieren und spielen konnte.
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Heinz Fröhli über seine Zeit im Fussball
Bei «seinem» FC Rudolfstetten war er nur kurz in der Juniorenzeit. Heinz Fröhli zog nach Bremgarten und Wohlen, wo er unter zwei Fussballgrössen trainieren und spielen konnte.
Heute kennt man Heinz Fröhli auf dem Mutschellen in erster Linie als Unternehmer. Seit 31 Jahren führt er das «Heinz Fröhli, Baugeschäft» in Rudolfstetten. Ende der 90er-Jahre war er mit seinen Brüdern auch einer der Geschäftsleiter von «Fröhli & Co Getränke» in Berikon.
Früher war der mittlerweile 60-jährige Rudolfstetter allerdings ein Fussballer. Die grösste Zeit seiner Karriere verbrachte er bei zwei Vereinen, dem FC Bremgarten und dem FC Wohlen. Seine Geschichte schien sich in beiden Clubs zu wiederholen. Ein Team, gespickt mit dem «who is who» der Freiämter Fussballszene, das in die 3. Liga abzustürzen droht. Dann kommt ein sehr guter Trainer, der den Abstieg verhindert und die Mannschaft in die 1. Liga führt. Und mittendrin Heinz Fröhli. So ist es ihm in Bremgarten und Wohlen widerfahren, bis eine Verletzung seiner Karriere mit nur 27 Jahren ein Ende gesetzt hat. --jl
Zwei Vereinen treu
«Regionalfussball-Stars von früher»: Heinz Fröhli vom FC Bremgarten und FC Wohlen
Mit 27 Jahren endete die Karriere von Heinz Fröhli sehr früh. Der Rudolfstetter hat die meisten seiner Fussballerjahre in Bremgarten und Wohlen verbracht. Er erzählt, welche Spiele ihm besonders in Erinnerung geblieben sind, welche Trainer ihn am meisten geprägt haben und was ihm im heutigen Fussball fehlt.
Josip Lasic
Sonntag, 31. Mai 1987: Der FC Wohlen empfängt Rapid Ostermundigen auf der Paul-Walser-Stiftung. Es geht um den Aufstieg von der 2. in die 1. Liga. 35. Minute. Ein Abwehrspieler der Gäste spielt den Ball zurück zum eigenen Goalie. Der Rückpass gerät zu kurz. Wohlens Stürmer Heinz Fröhli rennt dazwischen und holt sich den Ball. Er bringt ihn nicht am Goalie der Berner vorbei. Stattdessen verletzt sich der Stürmer am Knie. Die Patellasehne ist durch. «Ich kann nicht mehr genau sagen, wie es passiert ist», erzählt Fröhli. «Der Goalie kam raus. Wir müssen irgendwie zusammengestossen sein. Auf jeden Fall war die Sehne gerissen.» 1500 Zuschauer auf der Paul-Walser-Stiftung sehen zu, wie die Karriere von Heinz Fröhli im Alter von nur 27 Jahren endet.
Das Spiel endet mit 1:3 aus Wohler Sicht. Die Freiämter, die mit Ostermundigen und Kilchberg einen Aufsteiger ausspielen müssen, verlieren Fröhli und verpassen anschliessend auch den Aufstieg.
Stürmer mussten einstecken können
Zeitsprung in die Gegenwart. Heinz Fröhli sitzt auf der Terrasse seines Hauses in Rudolfstetten. Mittlerweile 60 Jahre alt, auch wenn man sie ihm nicht ansieht. Er erzählt: «Das war mein letztes Spiel. Ich hatte vorher immer Schwein, was Verletzungen betrifft, aber ab dem Riss der Sehne ging es nicht mehr.» Der gelernte Maurer, der seit 1989 ein eigenes Baugeschäft führt, setzt auf den Beruf. Knapp drei Wochen vor der Knieverletzung schiesst er die Wohler bei einem 2:1-Sieg gegen Oberentfelden noch zum Titel Aargauer Meister.
Doch für Heinz Fröhli stimmt es, zu diesem Zeitpunkt aufzuhören. «Es war meine Entscheidung aufzuhören. Langsam habe ich angefangen selbst zu geschäften. Zuerst mit dem Vater zusammen, danach alleine. Die Zeit hat für den Fussball gar nicht mehr gereicht», erzählt der Freiämter. «Es war aber auch so, dass ich am Montagmorgen jeweils kaum noch gehen konnte. Als Stürmer haben wir damals ziemlich auf die Socken bekommen von den Verteidigern. Nach der Verletzung wollte ich das nicht mehr riskieren.»
1988 heiratet Heinz Fröhli. «Ab da habe ich mich vor allem dem Beruf und der Familie gewidmet. Für mich war es keine Option, in die 4. Liga ‹go bällele›. Wenn man mal in der 2. Liga gespielt hat, ist ein gewisser Ehrgeiz da. Auch zu den Senioren wollte ich nicht. Ich wollte auch keine Verletzung mehr riskieren, um nachher einige Wochen nicht arbeiten zu können», erzählt der ehemalige Stürmer. «Die Zeit als aktiver Fussballer will ich aber nicht missen», sagt Fröhli. «Es war schön.»
Der Rudolfstetter in Bremgarten
Heinz Fröhli kommt 1960 in Rudolfstetten zur Welt. Er ist eines von sieben Kindern. Drei Brüder, drei Schwestern. Sein jüngerer Bruder Bruno soll später ebenfalls Fussballer werden. Das Glück, gemeinsam zu spielen, bleibt den Brüdern allerdings verwehrt. In seinem Dorf startet auch die Fussballerkarriere von Fröhli. Als C-Junior beim FC Rudolfstetten, wie der heutige FC Mutschellen bis 2008 hiess. Lange hielt es ihn aber nicht beim Dorfclub. «Ein Kollege hat mich mal zum FC Bremgarten mitgenommen», erzählt Fröhli. Zweimal die Woche fährt er mit dem Töffli nach Bremgarten ins Training. Die Reussstädter haben eine ambitionierte Nachwuchsabteilung. Der Fussballer spielt zunächst in den B-Junioren, dann auf der A-inter-Stufe. «Die Aargauer haben damals in einer Gruppe mit den Baslern und St. Gallern gespielt. Man hat sich schon wie ein ‹Siebesiech› gefühlt, wenn man die ersten Auswärtsspiele am Bodensee bestreiten konnte.»
Mit 18 Jahren wird Fröhli bereits Teil der ersten Mannschaft der Bremgarter. Dort kommt der Stürmer richtig auf den Geschmack des runden Leders. Verantwortlich ist dafür in erster Linie ein Trainer.
Hanjo Weller und Goalgetter Fröhli
In Bremgarten spielt Fröhli mit zahlreichen Spielern, die aus heutiger Sicht zu den grossen Namen im Freiämter Fussball gehören. Jean-Pierre «Schibi» Roth, Gerhard Schädler oder Bruno Hüsser sind nur einige der Namen, die in dieser Zeit bei den Reussstädtern aktiv waren. Dennoch steht Bremgarten in der Saison 1980/81 am Rand des Abstiegs in die 3. Liga. Dann übernimmt mit Hanjo Weller ein Ex-Profi die Bremgarter als Spielertrainer. «Es war schon etwas Besonderes, mit einem ehemaligen Profi zu spielen», sagt Fröhli. «Wir Stürmer konnten losrennen und bekamen millimetergenaue Pässe und Flanken von ihm gespielt.»
Mit Weller kann Bremgarten nicht nur den Fall in die 3. Liga verhindern. In der Saison 82/83 gelingt den Reussstädtern der Aufstieg in die 1. Liga. In dieser Zeit ist Fröhli ein wichtiger Mann in der Aufstellung des Spielertrainers aus Deutschland. Er zeigt insbesondere Talent, wenn es darum geht, Spiele zu drehen. An zwei solche Spiele erinnert sich der Rudolfstetter besonders gut. Im Aargauer Cup liegt der Zweitligist Bremgarten gegen den Viertligisten Tägerig mit 0:2 zurück. Es droht die Blamage. Doch Heinz Fröhli erzielt vier Tore und die Reussstädter gewinnen mit 4:2. Im Schweizer Cup der Saison 81/82 liefert sich der Zweitligist aus dem Freiamt ein packendes Duell mit dem Erstligisten Birsfelden. Zweimal geht Bremgarten in Führung. Zweimal gleichen die Gäste aus. Dann dreht Heinz Fröhli auf und erzielt drei Tore. Am Ende gewinnt Bremgarten mit 6:2. «Wir gewannen auch in der nächsten Runde gegen die Old Boys und sind dann in Altdorf knapp mit 3:4 ausgeschieden», erzählt der ehemalige Fussballer. «Das war ärgerlich. Wir haben in der Nachspielzeit das 3:4 kassiert. Wären wir weitergekommen, hätte ein Heimspiel gegen GC gewartet.»
Kurzes NLB-Intermezzo und Wechsel zum FC Wohlen
Als Bremgarten in die 1. Liga aufsteigt, wird es Heinz Fröhli mit den Trainings zu viel. Er überlegt sich zu pausieren. Als dann ein Angebot des Nationalliga-B-Aufsteigers Baden kommt, probiert er es aber noch eine Stufe höher. Ohne grossen Erfolg. «Der Trainer hat kaum auf mich gesetzt. Vielleicht war es ein Fehler, nach Baden zu gehen», erzählt der ehemalige Stürmer. «Aber ich wollte es mal probieren.»
Nach dem Abstecher in die NLB spielt Fröhli eine Weile für die 2. Mannschaft des FC Bremgarten, bis der FC Wohlen Interesse an ihm zeigt. Auch dem Verein aus der Strohmetropole droht zu diesem Zeitpunkt der Abstieg aus der 2. Liga. Fröhli ist einer der Spieler, die das verhindern sollen. Die Ausgangslage ist vergleichbar mit derjenigen in Bremgarten. Eine schlagkräftige Truppe und ein guter Trainer. Zvezdan Cebinac, wie Hanjo Weller ein ehemaliger Profi, leitet die Geschicke des FCW. «Das war ein sehr guter Trainer. Der wusste auch die allerletzten paar Prozent aus einem Spieler herauszuholen.»
In Wohlen begegnet Heinz Fröhli ehemaligen Weggefährten aus Bremgarten und weiteren grossen Namen des Freiämter Fussballs beziehungsweise Sports. Neben Gerhard Schädler und «Schibi» Roth spielen beim FCW an seiner Seite unter anderem Urs und Andy Bächer und zwei junge Spieler Namens Ciriaco Sforza und Rocco Cipriano.
Die Geschichte wiederholt sich. Statt dem Fall in die 3. Liga wird der FC Wohlen immer stärker und schafft es innerhalb einiger Jahre in die Aufstiegsspiele zur 1. Liga – in denen sich Heinz Fröhli dann verletzt.
«Wir hatten früher mehr Biss»
Heute lebt Heinz Fröhli mit seiner Frau Barbara in Rudolfstetten. Nach seiner Zeit als Fussballer war er insbesondere als Unternehmer tätig. Neben dem bis heute existierenden Baugeschäft führte er von 1994 bis 1998 mit seinen Brüdern Bruno und Werner die «Fröhli & Co Getränke» in Berikon.
Seine beiden Söhne sind keine Fussballer. Sie spielen Unihockey. Der Fussballsport hat Heinz Fröhli aber nie losgelassen. Eishockey und Fussball, das schaut er nach wie vor sehr gerne, erzählt der Rudolfstetter. Auch wenn ihm nicht alles am heutigen Fussball passt. Auf der Burkertsmatt ist er beispielsweise selten zu sehen, weil er die Leichtathletikbahn rund um das Fussballfeld nicht mag. Ähnlich geht es ihm im Letzigrund in Zürich. «Wenn, dann trifft man mich auf den Niedermatten in Wohlen», erzählt er.
Was ihn am heutigen Fussball ebenfalls stört: «Ich habe den Eindruck, dass die Spieler nicht mehr so viel Ehrgeiz mitbringen», sagt der ehemalige Stürmer. «Wenn ich höre, dass während der Sommerpause die meisten Spieler in den Ferien sind statt im Training, kann ich das nicht verstehen», sagt er. «Früher waren wir im Sommertraining rund 20 Leute. Jeder hat um seinen Platz gekämpft. Ich will nicht behaupten, dass früher alles besser war, aber ich glaube wir hatten damals mehr Biss.»



