Reuss und Wald werden unterbohrt
29.05.2020 KelleramtDie Strommasten im Zufker Emaus-Wald werden im nächsten Frühling abgebrochen sein. Damit dies möglich wird, entstehen zurzeit südlich der Dominilochsteg-Brücke zwischen Unterlunkhofen und Hermetschwil zwei 420 Meter lange Kabeltunnel. Diese führen den Strom ...
Die Strommasten im Zufker Emaus-Wald werden im nächsten Frühling abgebrochen sein. Damit dies möglich wird, entstehen zurzeit südlich der Dominilochsteg-Brücke zwischen Unterlunkhofen und Hermetschwil zwei 420 Meter lange Kabeltunnel. Diese führen den Strom künftig zehn Meter unter der Reuss durch auf die gegenüberliegende Seite.
Überraschungen im Boden
Zwischen Unterlunkhofen und Hermetschwil wird unter der Reuss durchgebohrt
Südlich des Dominilochstegs entstehen zurzeit zwei Tunnels für die neuen Stromleitungen. Diese ersetzen die 50-kV-Kabel, die den Zufiker Emaus-Wald und die Reuss an Masten überqueren, durch solche mit einer Kapazität von 110 kV. Von der Bohrung sieht man nur die beiden Bauplätze an den beiden Tunnelenden.
Roger Wetli
Die AEW Energie AG und die Axpo AG führen zurzeit eine Neuverkabelung zwischen Bremgarten, Zufikon und Unterlunkhofen durch. Diese ersetzt die Freileitung, welche heute zweimal oberirdisch die Reuss und den Emaus-Wald quert. Die Kabel wird man bald nicht mehr sehen. Sie gelangen in einer neuen Route in den Boden. Vom Emaus her entsteht aktuell dem Waldrand entlang im Tagbau ein Kabelschacht. Der Wald und die Reuss werden mit zwei 420 Meter langen Tunnels unterquert.
Zweitgrösste Anlage der Schweiz
Der Bauplatz auf der Hermetschwiler Seite wirkt unscheinbar. Auf einer improvisierten Fläche steht eine grosse Bohrmaschine. Dazu kommen ein Bagger, mehrere Baracken und ein grösseres Gerät, mit welchem das herausgebohrte Erdmaterial sortiert wird. Ueli Schenk, Mitinhaber der Schenk AG, ist Projektleiter und Bohrmeister. Mit ihm arbeiten dauerhaft der Bohrassistent Patricio Barbato und Roman Schulze, Chef der Separationsanlage. Je nach Stand der Arbeiten gesellen sich zwei weitere Personen dazu.
«Die Reuss unterqueren wir hier etwa zehn Meter unter der Gewässersohle in einem grossen Radius», erklärt Ueli Schenk. Dazu führen sie eine Pilotbohrung mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern durch. Das herausgebrochene Material wird verflüssigt und läuft zurück in die Separationsanlage. Damit das Erdloch nicht einbricht, wird es sofort mit einem Tonmaterial gestützt. «Die hier verwendete Anlage ist die zweitgrösste der Schweiz», erklärt der Projektleiter stolz. «Wir bohren mit einem Druck von rund 15 Tonnen, könnten mit dieser Maschine aber auf bis 100 Tonnen hochfahren.»
Herausfordernde Geologie
Diese mögliche Kapazität ist für den Unternehmer wichtig. «In der Schweiz ist es sehr schwierig abzuschätzen, was einen im Boden tatsächlich erwartet. Man weiss es nie zu hundert Prozent», so Schenk. Sein Team traf etwa in der Mitte des Emaus-Waldes auf eine herausfordernde Geologie mit Findlingen aus sehr hartem Gestein. Diese drohten, den Bohrkopf auf eine Seite abzulenken. «Schliesslich konnten wir den Ort jetzt doch in die gewünschte Richtung durchbohren. Diese Steine weisen jetzt halt runde Löcher auf.» Die Vortriebsgeschwindigkeit ist sehr grossen Schwankungen unterworfen. Diese reicht von drei bis hundert Metern. «Man braucht für diese Arbeit sehr viel Wissen und Erfahrung», betont Schenk.
Bohrloch mit 60 Zentimeter Durchmesser
Mit der Installation des Bauplatzes begann seine Firma Anfang April. Ende desselben Monats konnte sie loslegen. Mittlerweile sind beide Pilotbohrungen erstellt. Es folgt jetzt die Aufweitung der Löcher auf einen Durchmesser von 60 Zentimetern. «Unsere Arbeit ist grundsätzlich mit derjenigen einer normalen Tunnelbohrung zu vergleichen, einfach kleiner», erklärt der Projektleiter.
Wie bei solchen Grossprojekten wird auch an der Reuss ein Teil des herausgebrochenen Materials rezykliert. Der Rest gelangt in eine Deponie. «Das spart Kosten und ist auch sonst sinnvoll», so Ueli Schenk. Er rechnet damit, dass die beiden Löcher unter dem Emaus-Wald und unter der Reuss durch bis Ende August fertig erstellt sind. Anschliessend werden sie die Anlage drehen und vom gleichen Ort weitere Bohrungen in Richtung Süden vornehmen, bevor die Kabel wieder an die Oberfläche gelangen. «Diesen Abschnitt wollten wir eigentlich im Tagbau erstellen. Eine Untersuchung der Geologie zeigte nun, dass eine Bohrung die bessere Variante ist.»
Rückbau im Winter
Die Kabel selbst werden nach der Arbeit der Schenk AG durch eine andere Firma eingezogen. Die Axpo AG hat diese Arbeit auf Mitte September geplant. «Das Umlegen der Freileitung in die neue Kabelleitung sehen wir auf Ende Oktober vor», erklärt Antonio Sommavilla, Mediensprecher der Axpo Services AG. «Ab Ende November beginnt dann der Rückbau der verschiedenen Masten.» Spätesten Anfang März wird man davon nichts mehr sehen. Ab dann werden die heutigen Schneisen im Wald wieder zuwachsen können.


