Blau-weisse Fussball-Hochzeit
01.05.2020 FussballDer FC Wohlen geht im Nachwuchs eine enge Partnerschaft mit den Grasshoppers Zürich ein
Beim Team Aargau und beim Schweizerischen Fussballverband sieht man die Zusammenarbeit ungern. Doch der FC Wohlen und die Grasshoppers werden in Zukunft einen regen Austausch ...
Der FC Wohlen geht im Nachwuchs eine enge Partnerschaft mit den Grasshoppers Zürich ein
Beim Team Aargau und beim Schweizerischen Fussballverband sieht man die Zusammenarbeit ungern. Doch der FC Wohlen und die Grasshoppers werden in Zukunft einen regen Austausch betreiben – besonders auf Juniorenstufe. Für den FCW und seine Mitglieder hat es viele Vorteile. So scheint es jedenfalls.
Stefan Sprenger
Stammtische gibt es in Coronazeiten nicht. Doch würde es sie im Freiamt noch geben, dann würde die Zusammenarbeit des FC Wohlen und von GC einige Sprüche provozieren. «Der FC Wohlen geht den chinesischen Weg», zum Beispiel. Denn vor Kurzem wurde vermeldet: Der Rekordmeister aus Zürich hat nach 17 erfolglosen Jahren der Suche endlich einen neuen Geldgeber gefunden. Und dieser stammt aus Hongkong. Die «Champion Union HK Holdings Limited» übernimmt die Aktienmehrheit und wechselt das Management aus. Jetzt hat GC wieder eine Perspektive. Allerdings ist unklar, wo der Weg hingehen soll.
«Geografisch, sportlich und menschlich macht es Sinn»
Die freundliche Übernahme aus Asien sollte die Zusammenarbeit mit dem FC Wohlen allerdings nicht tangieren. «Nein, das hat keinen Einfluss», sagt Roman Hangarter deutlich. Er ist der technische Leiter im Nachwuchsbereich und der Leiter des nationalen Leistungszentrums der Grasshoppers. Auch den Fakt, dass in den letzten Tagen fünf Trainer im Nachwuchsbereich von der neuen Führung entlassen wurden, sieht er als problemlos an. «Neue Eigentümer wollen frischen Wind und neue Leute integrieren», sagt er.
Für den 52-Jährigen ist die Zusammenarbeit mit dem FC Wohlen eine ausgezeichnete Sache. «Der FC Wohlen und GC haben ja schon seit Jahren eine Zusammenarbeit. Viele Talente spielen jetzt schon bei GC. Geografisch, sportlich und menschlich macht es viel Sinn», so Hangarter.
Über die Partnerschaft zwischen dem blau-weissen FC Wohlen und den blau-weissen Grasshoppers wurden die FCW-Mitglieder am Mittwoch per Brief informiert. Darin heisst es: «Ende Februar haben die Verantwortlichen beider Vereine einen Kooperationsvertrag in der Nachwuchsarbeit unterschrieben. Als Folge hat sich der Grasshopper Club mit dem FC Wohlen für eine Partnerschaft für die Mannschaften FE12, FE13 und FE14 am Standort Wohlen beim Schweizer Fussballverband beworben. Der Entscheid ist noch ausstehend.» Falls dieser Entscheid negativ ausfällt, gibt es keine Partnerschaft, sondern eine Kooperation. Der Unterschied ist minim und würde nur die drei Footeco-Teams betreffen.
Meyer: «Zusammenarbeit akribisch geprüft»
Rückblende: Vor ziemlich genau einem Jahr hat der FC Wohlen den Ausstieg aus dem Team Aargau erklärt. Dafür gab es mehrere Gründe. Kurz: Der FCW fühlte sich benachteiligt und hat keine Zukunft mehr gesehen im Team Aargau. Nach der Kündigung war man auf der Suche nach einer Lösung, um den Junioren-Spitzenfussball weiterhin zu gewährleisten. Zu den Grasshoppers hat der FCW seit gut 20 Jahren einen guten Kontakt und auch immer wieder wurde ein Spieler von GC zu Wohlen ausgeliehen. Dieser Kontakt der beiden Teams wurde seit letztem Frühling immer intensiver.
GC war interessiert, Wohlen war interessiert. «Wir haben eine Zusammenarbeit akribisch geprüft. Wir haben mehrmals diskutiert, was die Vor- und Nachteile sind», meint Adrian Meyer, Leiter Sport und Verwaltungsratsmitglied des FC Wohlen. Die Clubs begegneten sich auf Augenhöhe. Etwas, was Meyer enorm schätzte. «Die Vertragsvereinbarungen sind sehr fair. Dies sehen wir als grosse Wertschätzung an. Dies fehlte uns beim Team Aargau.» Kleines Beispiel der fairen Vereinbarung: Sollte ein Junior des FC Wohlen irgendwann Profispieler werden, wird der FCW auch davon finanziell und fair profitieren. FCW-Verwaltungsratspräsident André Richner meint: «Mit GC haben wir ein Gegenüber, welches uns fair und partnerschaftlich behandelt. Man kennt sich und kann gegenseitig voneinander profitieren.» Die Grasshoppers, die mit Rapperswil und Dietikon schon zwei Partnervereine haben, signalisierten dem FC Wohlen immer mehr, dass sie für eine Partnerschaft zu haben wären.
Roman Hangarter, Nachwuchschef der Grasshoppers, sagt: «Wir gehen jetzt einen Schritt weiter. Der FC Wohlen wird in die Partnerschaft integriert und wir arbeiten noch enger zusammen als in der Vergangenheit.»
Vor wenigen Wochen wurde der Vertrag unterzeichnet und die Zusammenarbeit besiegelt. Für den FCW-Nachwuchschef Gregorio Trovato ist es eine hervorragende Lösung. Er selbst war jahrelang der Leiter Préformation des Teams Aargau am Standort Wohlen. Der 50-jährige Wohler kennt sich also bestens aus. «Es ist eine Bereicherung für den Aargauer Fussball», meint er. «Der ganze FC Wohlen wird einen Austausch mit GC haben. Nur die besten Spieler werden nach Zürich gehen, das sind vielleicht ein bis maximal drei Spieler pro Jahrgang.»
Oberstes Gebot: Jedes Wohler Kind soll kicken dürfen
Für ihn war es wichtig, dass die Nachwuchsabteilung des FC Wohlen attraktiv bleibt und der Spitzenfussball nicht verschwindet. «Oberstes Gebot ist, dass jedes Wohler Kind hier spielen kann.» Und Trovato betont mehrmals, dass das Wohlergehen der Junioren von grösster Bedeutung ist.
Der FCW hat 23 Junioren-Teams und total 400 Nachwuchskicker. Am meisten betrifft die neue Partnerschaft die Footeco-Junioren auf Stufe FE12, FE13 und FE14. Im Brief heisst es: «Mit dieser Lösung würden wir einen optimalen Athletenweg bis in die FE14 am gleichen Standort aufzeigen. Anschliessend würden den Talenten zwei Wege in eine U15 offenstehen. Der eine Weg wäre über GC in die U15 GC/Limmattal am Standort Dietikon oder gar in die U15 im nationalen Leistungszentrum am Campus Niederhasli. Den talentiertesten Junioren würden im Campus die Türen in die U16, U18 und U21 des Grasshopper Clubs offenstehen.» Bereits heute spielen an die 20 Junioren, die beim FC Wohlen starteten, in den U-Mannschaften der Grasshoppers. Bestes Beispiel ist der Wohler Mile Vukelic, der heute in der U17-Nationalmannschaft spielt. «Das beweist, dass wir die Nachwuchsarbeit gut machen», so Trovato.
Richner: «Ich wäre masslos enttäuscht»
Die Partnerschaft zwischen Wohlen und GC scheint eine gute Sache zu sein. Jedoch muss dies zuerst vom Schweizerischen Fussballverband (SFV) abgesegnet werden. Darauf darf man gespannt sein, denn der SFV macht sich immer für eine kantonale Zusammenarbeit der Vereine stark. Die Kooperation zwischen den Zürchern und den Aargauern wird in Fussball-Bern wohl kaum gerne gesehen. Hangarter von GC meint: «Mit Rapperswil-Jona aus dem Kanton St. Gallen haben wir auch eine Partnerschaft – und dies klappt bestens. Wieso sollte es nicht mit Wohlen klappen? Schliesslich leistet der Verein sehr gute Arbeit und wird auch von tollen Leuten geführt. Wir haben dem Schweizerischen Fussballverband gute Argumente geliefert, dass diese Zusammenarbeit eine super Sache ist.» FCW-Verwaltungsratspräsident André Richner sagt: «Ich hoffe sehr, dass sich der Verband hinter unsere Idee stellt und sich nicht von kleinkariertem Kantönlidenken beirren lässt. Unsere Chancen stehen wohl bei 40 zu 60 Prozent gegen diese Partnerschaft. Sollten wir die Zusage nicht erhalten, wäre das ein Entscheid gegen den Fussball und gegen die jungen Talente. Ich wäre masslos enttäuscht.»
Der FC Wohlen hofft auf positiven Entscheid, damit man guter Dinge in die Zukunft gehen kann. «Wir sind uns sicher, dass es die beste Lösung ist», so Nachwuchschef Trovato. Der sportliche Leiter Adrian Meyer sagt: «Ob Zürich oder Aarau spielt keine grosse Rolle. Es geht um die Junioren.» Und: Falls ein talentierter Spieler aus Wohlen bei GC den Anschluss nicht findet, darf dieser es natürlich beim Team Aargau versuchen. Im Informationsbrief des FC Wohlen heisst es: «In der Partnerschaft mit dem Grasshopper Club können wir unseren Junioren unabhängig des Entscheides des Schweizer Fussballverbandes erstmals den aktuell höchsten Ausbildungsweg mit Anschluss an ein nationales Leistungszentrum anbieten.» Es geht dem FC Wohlen darum, junge Fussballer zu motivieren und ihnen einen Weg an die Spitze zu zeigen und möglich zu machen. Der FC Wohlen will weiterhin Spitzenfussball betreiben – und dieser beginnt immer beim Nachwuchs.
Nun soll wieder Ruhe einkehren
Der Entscheid des SFV wird mit Spannung erwartet, wird aber die Zusammenarbeit nur minim beeinflussen. Denn die Partnerschaft wird in Zukunft so oder so eingegangen. Ebenfalls stattfinden wird Ende September das einwöchige «GC Kids Camp» auf der Niedermatten.
Nun soll wieder Ruhe einkehren. Nach der Kündigung aus dem Team Aargau und der neu eingegangenen Zusammenarbeit mit GC soll die Juniorenabteilung nun mit Beständigkeit brillieren. So sollen weiterhin viele Wohler Talente den Weg an die Fussballspitze finden.



