Dachsen nachgespürt
18.02.2020 KelleramtDer Jagdverein Bünzen-Rottenschwil und die Stiftung Reusstal luden am Samstag in Rottenschwil zur Dachsexkursion ein. Die vielen Interessierten erfuhren, dass diese Art bei der Bekämpfung von Tollwut fast verschwunden ist. Jetzt gibt es wieder viele Tiere. Diese verursachen teilweise ...
Der Jagdverein Bünzen-Rottenschwil und die Stiftung Reusstal luden am Samstag in Rottenschwil zur Dachsexkursion ein. Die vielen Interessierten erfuhren, dass diese Art bei der Bekämpfung von Tollwut fast verschwunden ist. Jetzt gibt es wieder viele Tiere. Diese verursachen teilweise Schäden, die mit gezielten Abschüssen minimiert werden. --rwi
Dachse im Kommen
Exkursion zog viele Interessierte an
Die Dachsexkursion der Stiftung Reusstal und des Jagdvereins Bünzen-Rottenschwil stiess auf grosses Echo. Über 60 Personen liessen sich über das scheue Tier informieren. Ein Dachsbau wurde ihnen gezeigt und sie erfuhren, welche Probleme diese Tiere verursachen können.
Roger Wetli
Viele Besucher hatten den dämmerungs- und nachtaktiven Dachs bereits einmal zu Gesicht bekommen. Das erstaunte Adrian Seiler, Mitglied des Jagdvereins Bünzen-Rottenschwil. «Die Tiere sind Dämmerungsund nachtaktiv. Zurzeit verweilen sie gerade in ihrer Winterruhe und verlassen den Bau jeweils nur kurz für den Toilettengang.»
Dachse vergrämen
In der Schweiz gibt es wieder viele Tiere, nachdem der Dachs fast ausgerottet worden war. «Das geschah ohne böse Absicht», versicherte Seiler. «Füchse nutzen die Dachsbauten als Höhlen. Um die Tollwut zu bekämpfen, wurden von 1967 bis 1980 viele Fuchswohnungen vergast. Dies geschah tagsüber.» Heute wisse man, dass Füchse am Tag oft draussen verweilen, während die Dachse dann tief im Bau ruhen. «Deshalb traf es wohl meist die falsche Tierart, die dadurch fast verschwunden ist.»
Dachse fügen auf zwei Arten dem Menschen Schäden zu. «Ihre Bauten können dazu führen, dass Felder oder Strassen untergraben werden und dann bei Druck einstürzen», erklärte Seiler. «In der Landwirtschaft vergreift er sich immer wieder am reifen Mais und an anderen Feldfrüchten.» Bevor der Jäger eingreift, muss der Landwirt sein Feld mit einem Elektrozaun vor den Dachsen schützen. Gelänge dies nicht, würde geschossen. «In der Regel reichen ein bis zwei Tiere. Dachse leben in Sippen von bis zu 13 Individuen zusammen. Nehmen wir einzelne Tiere raus, vertreiben wir die restlichen aus den Feldern.» Weil Dachse aber erst bei Dämmerung aktiv werden, sind sie schwer zu bejagen.
900 tote Tiere pro Jahr
Die Nutzung der toten Tiere ist aufwendig. «Zudem ist der Fleischertrag klein. Man kann sie essen, muss eine Probe des Fleisches aber von einem Labor auf Krankheiten untersuchen lassen, die durch den Verzehr auf uns übertragen werden können», erklärte der Jäger. Natürliche Feinde sind neben Parasiten höchstens der Wolf und der Luchs, die im Freiamt nicht vorkommen. «Im Aargau werden jährlich etwa 500 erlegt und 400 überfahren. Die letzte Zahl ist ein wichtiges Indiz für eine grosse Population.» Eine Abschussquote würde es im Aargau nicht geben.
Die Jagdgesellschaft führte die Besucher an einen Bau im Rottenschwiler Moos. Niedrige Hügel aus aufgeschütteter Erde mit einigen Höhleneingängen zeugen dort von der fleissigen Grabtätigkeit der Tiere. «Ein Bau wird über viele Generationen immer wieder aus- und umgebaut», so Seiler. «Er kann über 100 Jahre alt sein und sich in einem Umfang von mehreren 100 Metern ausdehnen. Weil der Dachs so gerne gräbt, ist er vor allem im Mittelland zu Hause und nicht dort, wo der Untergrund felsig ist.»
Mäusenester ausgraben
Adrian Seiler zeigt den Besuchern eine kleine offene Stelle am Waldrand. «Hier hat ein Dachs oder Fuchs nach Nahrung gegraben», erklärt er. «Dachse sehen nicht viel, riechen aber sehr gut. So finden sie zum Beispiel Mäusenester, die die Allesfresser mit ihren breiten Vorderfüssen freilegen.»
Mitte Juni bis Juli gut sichtbar
Damit die Besucher trotz Winterruhe noch einen Dachs sehen konnten, hatten die Jäger Präparate, Felle und Schädel ausgestellt. Diese wurden eingehend studiert. Dabei fiel das fast borstenartige Kleid auf, das sich sehr stark von anderen Fellen wie denjenigen von Fuchs und Iltis unterscheidet. Für sehr Interessierte hatte Adrian Seiler noch einen heissen Tipp: «Suchen Sie eine Stelle rund um einen Dachsbau. Stehen oder sitzen Sie dort einmal ab 21 Uhr von Mitte Juni bis Juli. Dann ist die Chance gross, einen Dachs zu sehen. Achten Sie aber, dass der Wind nicht Ihren Duft Richtung Bau trägt. Denn ihre Nase ist wirklich phänomenal.»



