55 Millionen für den Schulraum
17.01.2020 WohlenAuf diesen Moment hat die Gemeinde Wohlen über Jahre hingearbeitet. Es ist die Lösung des grossen Schulraumproblems. Mit dem Vorprojekt Schulzentrum Halde wird nun eine kompakte und gute Variante präsentiert.
«Wir brauchen dringend diesen notwendigen Schulraum», ...
Auf diesen Moment hat die Gemeinde Wohlen über Jahre hingearbeitet. Es ist die Lösung des grossen Schulraumproblems. Mit dem Vorprojekt Schulzentrum Halde wird nun eine kompakte und gute Variante präsentiert.
«Wir brauchen dringend diesen notwendigen Schulraum», sagt der verantwortliche Gemeinderat Thomas Burkard. Er betont dies im Wissen, dass das nun präsentierte Vorprojekt des Schulzentrums Halde eine «grosse Herausforderung darstellt». Aber die Schule Wohlen musste lange genug auf die vorgestellte Lösung warten. Nun sollte sich diese Geduld auszahlen.
Die bestehenden Schulhäuser auf dem Halde-Areal, die Primarschule und die Bezirksschule, müssen dringend saniert und mit Teilneubauten erweitert werden. Die jetzt präsentierte Kostenschätzung geht von Investitionen in der Höhe von 55,4 Millionen Franken aus. --dm
Investition für viel Qualität
Vorprojekt Schulzentrum Halde: Die Kostenschätzung beträgt 55,4 Millionen Franken
«Dieser Schritt ist von grosser Bedeutung», sagt Gemeindeammann Arsène Perroud. Stimmt. Das Vorprojekt Halde ist sehr umfassend und es löst ganz viele Schulraumprobleme. Zuerst braucht es nun einen Zusatzkredit von 1,18 Millionen Franken.
Daniel Marti
Was für ein finanzieller Steigerungslauf: Von 27,4 Millionen über 46,2 auf 55,4 Millionen Franken. Und das innert knapp drei Jahren. So hat sich die Kostenlage für die Erneuerung das Schulzentrums Halde entwickelt. Von der groben Kostenschätzung im Jahr 2017 bis zum jetzt präsentierten Vorprojekt.
Für die aktuelle Kostenschätzung von 55,4 Millionen Franken (plus/minus 15 Prozent) gibt es eine ganze Menge an guten Lösungen: Geplant sind die Sanierung der Primarschule, der Bezirksschule, des Wietlisbachschulhauses und der Umgebung. Ebenfalls ein Neubau eines zusätzlichen Primarschulhauses und ein Erweiterungsbau für die Bezirksschule sind in der Gesamterneuerung des Schulzentrums Halde enthalten. Der Bedarf ist ausgewiesen: Es braucht in der Primar- und Bezirksschule Platz für je 18 Abteilungen.
Platz für 850 Schüler
Künftig soll das Schulareal aufgeteilt werden in einen westlichen Bereich der Primarschule und in einen östlichen Bereich der Bezirksschule. Weiter wird Rücksicht genommen auf die historischen Strukturen. Das Halden-Zentrum soll nach der Rundum-Modernisierung 850 Primar- und Bezirksschülern Platz bieten. «Ziel ist es, das Maximum an Nutzen aus dem knappen, zur Verfügung stehenden Grundstück herauszuholen», heisst es in der Vorlage.
Die Finanzfrage wird sicher gross diskutiert. Und was war der grösste Kostentreiber bei der Entwicklung des Vorprojekts? «Die vor drei Jahren genannte Zahl von 27 Millionen Franken war einfach zu optimistisch», räumt Gemeindeammann Arsène Perroud ein. «Im Jahr 2017 wurde eine grobe Annahme vorgenommen, ohne wesentliche Grundlagen.» Die Nennung der 27 Millionen sei in einer emotionale Phase entstanden, so Perroud weiter.
«Es ist halt der Fluch der ersten Zahl», ergänzt Stefan Leuenberger, Leiter der Abteilung Planung, Bau und Umwelt. «Vor der Projektierung weiss man eigentlich nur ganz wenig. Und danach hat sich erst die Komplexität gezeigt.»
Im Vergleich mit ähnlichen Objekten im guten Durchschnitt
Für den verantwortlichen Gemeinderat Thomas Burkard hat die «Eingriffstiefe vor allem wegen der Erdbebensicherheit» die Kosten nach oben getrieben. Weiter hat sich die Sanierungsfläche ausgedehnt. Verschärfte Normen, behindertengerechtes Bauen, die neue Wärmeerzeugung für die gesamte Anlage wie auch eine neue mechanische Lüftung bei allen Bauten sowie der Einsatz von Provisorien während der Bauzeit sind weitere Punkte, die halt zu Mehrkosten führen. «Es handelt sich um ein grosses Projekt», betont Andreas Jauch, der Projektleiter der Gemeinde. «Es umfasst viele Gebäude, sehr viel Schulraum wird erneuert. Und es handelt sich letztlich um qualitativ hochwertigen Schulraum. Allerdings ist es kein Luxus.»
Im Vergleich zu anderen Schulobjekten (17 an der Zahl) kann das Vorprojekt Halde sehr gut mithalten. Bei Neubauten betragen in diesem Vergleich die durchschnittlichen Gebäudekosten 2444 Franken pro Quadratmeter, beim Halden-Bauwerk sind es 2455 Franken. Bei den Sanierungsarbeiten sind es durchschnittlich 1700 Franken pro Quadratmeter.
Hier liegt das Halden-Vorprojekt beim durchgeführten Vergleich genau im Durchschnitt.
Lohnende Investition
Diese Vergleiche sind laut Jauch der Beweis, dass die Gesamtkosten im Rahmen und vertretbar sind. «Wichtig ist, dass danach der Sanierungsstau beim Schulzentrum Halde dann endlich behoben sein wird.» Gleichzeitig könne die Gemeinde mit diesem Schulraum die Attraktivität steigern. «Das ist eine lohnende Investition in die Zukunft.»
Wenn die jetzigen Pläne umgesetzt werden können, dann sei dieses Schulzentrum fertig gebaut, sagt Burkard. Dann gibt es dort keine Möglichkeiten mehr für Erweiterungen. «Wir wollen jetzt eben mit allen Teilprojekten alles aufzeigen, das geht nur mit absoluter Transparenz.»
Und dazu zählt auch die Aufteilung der Arbeiten und Kosten. Die reinen Sanierungsarbeiten, die unumgänglich sind, machen rund 22 bis 23 Millionen Franken aus. Knapp über 30 Millionen Franken betreffen die Erweiterungen und Neubauten. 2 Millionen sind als Reserve vorgesehen, macht total 55 Millionen Franken.
Vieles kommt endlich weg
Vor allem bei den Sanierungen gilt es zu bedenken, dass auf dem Areal des Schulzentrums Halde die beiden ältesten Schulhäuser der Gemeinde Wohlen stationiert sind. Die Bezirksschule wurde 1898 erbaut und 1941 erweitert – und 1968 bis 1971 letztmals modernisiert. Das Primarschulhaus wurde von 1851 bis 1854 erbaut. Rund um das Schulzentrum Halde wurde nur stückweise und aus der Not heraus weiterer Schulraum geschaffen. Diese Provisorien sind schon längstens baufällig, am Ende ihrer Lebensdauer und sie werden nach der Modernisierung der gesamten Anlage eliminiert. Der Pavillonbau der Primarschule an der Bremgarterstrasse genügt den heutigen Anforderungen schon lange nicht mehr. Die Pavillonbauten der Musikschule an der Pilatusstrasse sind marode und müssen wohl bald einer geplanten Wohnüberbauung Platz machen. Darüber hinaus sind die am Oberdorfweg 9 gemieteten Flächen, die der Bezirksschule als provisorischer Schulraum dienen, nur als Übergangslösung bis zur Halden-Erweiterung gedacht.
Zusatzkredit von 1,18 Millionen
Mit der Präsentation der Eckpfeiler des Vorprojekts liefert der Gemeinderat nun viele Informationen. Auch für den Einwohnerrat. Das Dorfparlament ist nun als nächste Instanz am Zug. Dieses muss an der Einwohnerratssitzung vom 20. März einen Zusatzkredit in der Höhe von 1,18 Millionen Franken behandeln. Ebenfalls muss das Dorfparlament über eine Landabtretung entscheiden. Ein Parzellenstück mit 29,5 Quadratmeter wird an die Nachbarschaft abgetreten (mit 350 Franken pro Quadratmeter ergibt sich ein Wert von 10 325 Franken). Mit dieser Massnahme werden das Näherbaurecht und die Einschränkung der Besonnung durch das neue Primarschulhaus abgegolten.
Zum Zusatzkredit. Im September 2018 genehmigte der Einwohnerrat einen Verpflichtungskredit in der Höhe von 1,87 Millionen Franken. Damals ging man von Gesamtkosten von 27,4 Millionen Franken aus. Der Umfang ist mittlerweile auf 55 Millionen Franken gestiegen. Dies macht nun einen Zusatzkredit von 1,18 Millionen Franken notwendig. «Aufgrund des höheren Planungsaufwandes und damit finanzielle Mittel bereitstehen, um die Zeit bereits vor dem Volksentscheid zum Realisierungskredit für einen Teil der Ausschreibungsplanung zu nutzen», hält der Gemeinderat in der Begründung fest. So könnte kurz nach erfolgter Baubewilligung mit den Bauarbeiten begonnen werden.
So weit ist das Grossprojekt noch nicht. Erst muss sich der Einwohnerrat zum Zusatzkredit äussern. Danach wird wieder an der Planung gearbeitet – bis zum definitiven Bauprojekt mit noch genaueren Zahlen. In einem knappen Jahr wird dann das Gesamtwerk noch konkreter sein.
Viele Verknüpfungen
Und wie gedenkt der Gemeinderat an das Stimmvolk heranzutreten? Mit einer Vorlage und mit einem einzigen Investitionsbetrag? «Das ist noch nicht besprochen», sagt Gemeinderat Thomas Burkard, «dazu benötigen wir noch Zeit.» Gemeindeammann Arsène Perroud verweist auf die Komplexität der gesamten Anlage. «Da gibt es viele Abhängigkeiten. Die Verknüpfung der verschiedenen Teilprojekte ist gross, da kann man nicht wahllos verschiedene Anträge stellen.» Der Gemeinderat sei gut beraten, wenn er die Gesamterneuerung des Schulzentrums Halde als ein Projekt betrachte, fügt Schulpflegepräsident Franco Corsiglia noch an.
Spatenstich 2. Quartal 2022
Es ist vorgesehen, das Bauprojekt weiterzubearbeiten und auf der Basis des zu erarbeitenden Kostenvoranschlages das Baukreditbegehren für den Volksentscheid im April 2021 dem Einwohnerrat zur Beratung zu unterbreiten. Das Baugesuch soll dabei bereits vor der Volksabstimmung vom 26. September 2021 vorbereitet werden, sodass es kurz nach der positiv verlaufenden Volksabstimmung öffentlich aufgelegt werden könnte. Darüber hinaus ist geplant, einen Teil der Ausschreibungsplanung schon vorher zu erstellen, damit der Spatenstich für die Bauarbeiten kurze Zeit nach Rechtskraft der Baubewilligung erfolgen kann, Ziel ist Frühling 2022.




