Wolkenloses Fussballfest
17.09.2019 FussballSchweizer Cup: FC Wohlen – FC Luzern 0:4
Es ist eine grosse Cup-Party vor 3312 Fans. Am Ende sind alle zufrieden, denn es gibt keine Verlierer. Der FC Wohlen hält lange mit dem Super-League-Team mit. Doch dann geht ihm die Puste aus. Für den Verein war die Partie im ...
Schweizer Cup: FC Wohlen – FC Luzern 0:4
Es ist eine grosse Cup-Party vor 3312 Fans. Am Ende sind alle zufrieden, denn es gibt keine Verlierer. Der FC Wohlen hält lange mit dem Super-League-Team mit. Doch dann geht ihm die Puste aus. Für den Verein war die Partie im Schweizer Cup trotz 0:4 mehr als gute Werbung. --red
Mutig, aber nicht frech genug
Fussball, Schweizer Cup: FC Wohlen – FC Luzern 0:4 (0:0)
Eine Halbzeit lang spielen die Teams auf Augenhöhe. Beim FC Wohlen spielen Davide Giampà und Nicolas Künzli überragend. Mutig tritt der FC Wohlen auf. Doch am Ende fehlt ein Quäntchen Frechheit, um dem FC Luzern wirklich gefährlich zu werden.
Stefan Sprenger
«Ganz ehrlich: Wir waren besser.» Wohlens Aussenverteidiger Stefano Geri ist nach dem Spiel stolz auf die erste Halbzeit seines Teams. Die Luzerner wurden phasenweise gar dominiert. «Wir haben den Matchplan fast perfekt umgesetzt», sagt Trainer Thomas Jent. Mit «fast» meint er, dass die Krönung fehlte. Nämlich ein Tor. Die keck angriffige Aufstellung mit den Offensiv-Leuten Keranovic, Minkwitz, Doda, Giampà, Balaj und Schiavano funktioniert.
Überragender Giampà
Es sind 50 Sekunden gespielt, als Keranovic einen Traumpass auspackt. Die Luzerner Verteidiger sind noch im Tiefschlaf, doch auch FCW-Stürmer Schiavano ist überrascht ob so viel Freiheit. Er verzieht alleine vor dem Tor. Es folgt eine erste Halbzeit mit zwei Luzerner Offside-Treffern und einem mutigen FC Wohlen. Allen voran Davide Giampà spielt gross auf. «Ich habe mich richtig wohlgefühlt», sagt der 26-Jährige. Und das merkt man. Mal vernascht er in einer Szene den Gegner mit einem Kabinettstückchen, mal brilliert er mit starker Übersicht und mal ballert er aus der Distanz und zwingt Luzern-Hüter Müller zu einer Glanztat (20. Minute). Giampà war in der ersten Halbzeit der beste Mann auf dem Feld.
Überragender Künzli
Es ist in der ersten Halbzeit ein offener Schlagabtausch. Erschreckend, wie der FC Luzern aus der eigenen Abwehr spielt. Anstatt gegen den unterklassigen Gegner zu brillieren, werden die Bälle einfach hinten rausgehauen. Die Wohler Defensive steht da einiges stabiler. Die Aussenverteidiger Calbucci und Geri machen ihre Sache mit viel Kampfgeist stark. In der Innenverteidigung glänzen Routinier und Lehrer Marko Muslin (34) und Jüngling und Schüler Nicolas Künzli. Er hat Jahrgang 2000, doch er spielt schon enorm abgebrüht. «Er hat riesiges Potenzial und hat seine Sache prima gemacht. Nicolas ist ein guter Junge», sagt Muslin. Er fügt an: «Er kann es bis nach oben schaffen.» Künzli wird rot ob so viel Lob. Er sei vor dem Spiel schon etwas nervös gewesen. «Die Stimmung machte mir Gänsehaut. Aber es hat riesigen Spass gemacht, vor so einer Kulisse zu kicken», sagt der 19-jährige Abwehrspieler. Er brillierte mit riesigem Einsatz und trat den Luzerner Angreifern auf den Füssen rum.
Überragender Margiotta
Zur Pause steht es 0:0. Die Wohlen-Fans glauben, die Luzern-Fans zweifeln. Eine Cup-Überraschung liegt in der Luft. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff ist Thomas Schiavano alleine auf dem Weg vors FCL-Tor. Der Schiedsrichter pfeift ihn zurück – eine falsche Offside-Entscheidung.
Wenige Augenblicke später ist es passiert. Traumpass von Francesco Margiotta auf Otar Kakabadze. Er trifft mit voller Wucht mitten ins Tor – und lässt die Cup-Träume platzen (54.). Rund 20 Minuten später ist es wieder Margiotta, der zum 0:2 einnickt. Und wiederum wenige Minuten später gibt Margiotta die Flanke zum 0:3 durch den FCL-Captain. Das 0:4 durch Males in der 90. Minute ist dann übertrieben. «Vier Tore. Das ist einfach zu viel», sagt FCW-Captain Muslin. «Wir hatten ein grosses Fest und es machte Spass. Das Team hat sich stark geschlagen, doch zwei Tore hätten gereicht», sagt der erfahrene Muslin weiter. «Man hat in der zweiten Halbzeit gemerkt, welche Mannschaft in der Super League spielt», sagt Künzli. Und Geri sagt lachend: «Wir arbeiten eben, die nicht.» Ronny Minkwitz fasst zusammen: «Vier Gegentore sind einfach zu viel. Es hat aber riesig Spass gemacht. Danke an alle, die gekommen sind.»
Dem FC Wohlen ging ganz einfach die Luft aus gegen das Super-League-Team. «Wir haben lange an die Sensation geglaubt, doch schliesslich setzten sich die Profis durch», so FCW-Trainer Jent. Er fügt nachdenklich an: «Ich hätte diesen FC Luzern gerne gesehen, wenn er in Rückstand geraten wäre.» Dann wäre es sicherlich ein heisser Tanz geworden.
Sieg der Weisshemden
Stimmen zum «Drumherum» am Cupspiel – FC Wohlen brilliert mit starker Organisation
Die neue Führung des FC Wohlen hat wenig Erfahrung mit solch «grossen» Spielen. «Es gab viel zu tun», sagt André Richner, Verwaltungsratspräsident. Doch man meisterte es mit Bravour.
Genüsslich sitzt er da und geniesst ein Cup-Fest. Andy Wyder, früherer Präsident des FC Wohlen. Er ist voll des Lobes, für die Mannschaft und für die Organisation. «Eine tolle Einstellung des Teams. Man war einen Tick zu wenig frech. Man hätte Luzern noch heftiger ins Wanken bringen können. Trotzdem war es fussballerisch ein guter Auftritt», so Wyder.
Richner: «Nicht von 0 auf 100»
Und nun zur Organisation. Er selbst hat zahlreiche solcher Fussball-Partys als Präsident geschmissen. Sein Fazit: «Auch neben dem Platz war das Engagement enorm. Dutzende Helfer, darunter auch der ganze Vorstand, sorgten für einen gelungenen Fussball-Event, wie ich ihn eben schon sehr gerne hier in Wohlen sehe.» Sein Kollege Emilio Munera, früher auch jahrelang in diversen Funktionen beim FC Wohlen tätig, meint: «Es war super organisiert. Und das Schönste am ganzen Spiel. Ich habe wieder viele gute Leute angetroffen in den Niedermatten.»
Übrigens: Die FC-Luzern-Fans blieben friedlich. Einige radelten mit dem Fahrrad von Luzern direkt nach Wohlen. Marco Veil, Chef der Regionalpolizei Wohlen, sagt auf Anfrage: «Wir hatten keine Zwischenfälle. Die Fans verhielten sich absolut anständig.»
André Richner, VR-Präsident des FC Wohlen, sagt vor dem Cup-Fest gegen Luzern, dass es ein Startschuss sein sollte in eine positive Zukunft. Und das war es auch. Doch: «Das geht nicht von 0 auf 100. Das passiert tröpfchenweise», so Richner. «Es kamen mehr Leute, die Stimmung war enorm positiv, alle waren gut gelaunt und erlebten ein tolles Fussballfest.» Die Zufriedenheit war gross – und es gab auch einige neue Sponsoren. «Das können wir gut gebrauchen», so Richner weiter. Zur Organisation sagt der Unternehmer: «Es gab schon ziemlich viel zu tun.» Die Niedermatten wurde rausgeputzt, viele kleine Details angepasst. Ein VIP-Apéro für 120 Gäste organisiert. Und viele vom FCW, die mithalfen, trugen ein weisses Hemd mit FC-Wohlen-Logo. Das – und der Fakt, dass alles reibungslos ablief, machten Eindruck. Nicht nur die Mannschaft auf dem Feld sorgte für bleibende positive Erinnerung, sondern auch die organisierenden «Weisshemden» des FC Wohlen überzeugten auf ganzer Linie. --spr
NACHGEFRAGT
«Wohlen hat es gut gemacht»
Simon Grether erwartete einen «heftigen Kampf» in Wohlen. Und das wurde es. Der 27-Jährige, der 2014 bis 2016 in Wohlen spielte, kam humpelnd zum Interview.
Sie humpeln und Ihr Fuss ist eingebunden. Was ist passiert?
Simon Grether: Ich weiss nicht genau. Ich glaube, ich bin umgeknickt. Ich hoffe, es ist nicht Schlimmes. Es schmerzt auf jeden Fall.
Sie waren 82 Minuten lang auf dem Feld. Besonders in der ersten Halbzeit musste Luzern untendurch. Ihr Eindruck?
Es war wie erwartet. Der FC Wohlen hielt stark dagegen und war aggressiv. Sie haben es sehr gut gemacht. Doch je länger das Spiel dauerte, desto mehr konnten wir die Kontrolle übernehmen. Wir haben das Tempo hoch gehalten und wussten, dass wir Geduld brauchen. Dem FC Wohlen ging dann auch die Luft aus.
Die Wohlen-Spieler scheinen ziemlich am Ende mit ihren Kräften, reden von Erholung. Wie ist das beim FC Luzern? War dieses Spiel so intensiv wie ein Super-League-Spiel?
Die erste Halbzeit war sicherlich sehr intensiv. Aber man spürte natürlich den Unterschied zu einem Super-League-Spiel. Das ist normal. Der FC Wohlen konnte erstaunlich lange mithalten.
Ist Ihnen beim FC Wohlen ein Spieler besonders aufgefallen?
(Überlegt und lacht dann) Ja. Davide Giampà. Er spielte eine hervorragende erste Halbzeit. Ich kenne ihn ja aus meiner Zeit beim FC Wohlen und weiss, dass er ein feiner Fussballer ist. Er hat aber echt alles ausgepackt heute und eine starke Partie gemacht. Kompliment. --spr
Statistik
Auch wenn es auf dem Spielfeld vor allem in der ersten Halbzeit sehr ausgeglichen aussah, ja teilweise der FC Wohlen gar Vorteile hatte, so sieht die Statistik deutlich aus. Der FC Luzern hatte 75 Prozent Ballbesitz und neun Torschüsse (fünf davon aufs Tor). Wohlen hatte drei Torschüsse (zwei aufs Tor). Während Luzern fünf Eckbälle hatte, hatten die Freiämter nur zwei. Die Foulstatistik mit neun zu sieben ist da ausgeglichener. --spr
Mit Sieg an die Spitze
Morgen Mittwoch spielt der FC Wohlen zu Hause gegen den SV Muttenz (20 Uhr, Niedermatten). Mit einem Sieg können die Wohler die Tabellenführung übernehmen. «Wichtig ist nun vor allem, dass wir unsere Kräfte einteilen», sagt FCW-Trainer Thomas Jent. Nach dem Cup-Spiel gegen Luzern waren die Wohler platt.
Mittwoch Heimspiel: «Positive Energie mitnehmen»
Nach dem Mittwochspiel gegen Muttenz, geht es am Samstag (18 Uhr) auswärts nach Goldau. «Es wird brutal hart», so Jent weiter. FCW-Captain Marko Muslin sagt, dass es nun darum gehe, «die positive Energie vom Cup-Spiel mitzunehmen. Und dass wir uns gut erholen.» Die Cup-Party gegen Luzern sei «der Schlagrahm auf der Torte» gewesen. «Doch die Meisterschaft ist unser Brot.» --spr
Ein Cup-Fest mit über 3300 Fans
Impressionen des Cup-Krachers zwischen dem FC Wohlen und dem FC Luzern aus der Super League







