Hochwasser ersetzen
27.09.2019 JonenArbeiten in Jonen machen Fortschritte
In Jonen wird zurzeit Kies aus der Reuss gebaggert. Diesen bringen Lastwagen ab nächster Woche nach Bremgarten. Die Massnahmen ersetzen den natürlichen Gesteinetransport, der einst durch Hochwasser stattfand. Seit die Reuss beim ...
Arbeiten in Jonen machen Fortschritte
In Jonen wird zurzeit Kies aus der Reuss gebaggert. Diesen bringen Lastwagen ab nächster Woche nach Bremgarten. Die Massnahmen ersetzen den natürlichen Gesteinetransport, der einst durch Hochwasser stattfand. Seit die Reuss beim Kraftwerk Bremgarten-Zufikon gestaut wird, fliesst das Wasser nur noch langsam. Das Material wird dadurch oberhalb des Werkes abgelagert und fehlt unten den Fischen. --rwi
Eigene Fahrspur im Wasser
Zurzeit wird Kies aus der Reuss gebaggert
Bis Ende Oktober wird zwischen Jonen und Bremgarten unter der Bauherrschaft der AEW Energie AG Flusskies umgelagert. Diese Massnahmen helfen der aquatischen Tierwelt der Reuss und müssen alle zwei Jahre durchgeführt werden.
Roger Wetli
Oberhalb der Werdbrücke auf Jonerseite bietet sich zurzeit ein Bild, das die Herzen von Knaben und jung gebliebenen Männern höherschlagen lässt: Auf einer Kiespiste steht mitten in der Reuss ein riesiger grüner Bagger, der mit viel Kraft Kies aus dem Flussbett nimmt und dieses im Trockenen zu Haufen schichtet. Beobachtet man die Szenerie, hat man das Gefühl, dass sich der Baggerführer seinen eigenen Weg verstellt. Kurz darauf fährt das Raupenfahrzeug mühelos auf seinen Kieshaufen.
Auf Verkehr und Kinder Rücksicht nehmen
«Diese grossen Schaufeln fassen rund drei Kubikmeter Material», erklärt Bauleiter Silvio Caneri, der für das Projekt zuständig ist. «Wir fahren mit dem Bagger an drei Stellen in die Reuss. Der Bagger erstellt sein eigenes Trasse im Fluss. Dann gräbt er von beiden Seiten den Kies ab.» Dies geschieht auf einer Gesamtlänge von 400 Metern. Die Reusssohle wird damit um maximal 1,35 Meter gesenkt. Ist der Baggerführer mit einer Strecke fertig, baut er sein eigenes Trasse wieder ab, indem er den Kies langsam an Land zieht und dort deponiert. «Insgesamt nehmen wir 12 000 Kubikmeter Kies raus», so Caneri. «Sind wir fertig, wird man von der Entnahmestelle nicht mehr viel sehen.»
Der Kies wird während der Schulferien in Lastwagen geladen und nach Bremgarten gefahren. Dazu wurde das Strassenbankett der Werdstrasse in Richtung Oberlunkhofen verstärkt. Diese Massnahme wird nach Abschluss der Arbeiten wieder rückgebaut. «Damit können die Lastwagen gefahrlos kreuzen», so der Bauleiter.
Diese Fahrten sollten hauptsächlich in den Herbstferien stattfinden. Das hat mehrere Vorteile. «Einerseits gibt es dann generell weniger Verkehr auf den Strassen. Anderseits dürfen wir aufgrund des fehlenden Schulunterrichts bereits ab 8 Uhr fahren. Während der Schulzeit ist es erst ab 9 Uhr erlaubt.» Diese zusätzliche Stunde täglich würde die Arbeiten deutlich effizienter machen.
Massnahmen helfen Fischen
Nötig ist die Kiesumlagerung wegen des Kraftwerks Bremgarten-Zufikon, welches zu 100 Prozent im Besitz der AEW Energie AG ist. Durch das Stauwehr wird das Wasser gestaut. Es verliert an Fliessgeschwindigkeit. Steine und Kies werden dadurch am Gewässerboden abgelagert. Dieser wird immer mehr aufgefüllt. «Gleichzeitig fehlt dieser Kies unterhalb des Kraftwerks», so Caneri. «Unsere Tierwelt ist nicht an solch grosse Stauwehre angepasst. Viele Fischarten sind auf eine Gewässersohle angewiesen, die sich immer wieder erneuert.» Im lockeren Gewässergrund legen sie ihren Laich ab. Einige Arten bewachen ihn.
Erfahrene Baggerführer
Die Massnahmen sind durch den Bund und den Kanton vorgeschrieben. «Da die verschiedenen Fischarten zu unterschiedlichen Zeiten laichen und wir die Arbeiten nicht in diesen Perioden durchführen dürfen, bleibt uns ein relativ kleines Zeitfenster», so Caneri. «Spätestens Anfang November dürfen wir nichts mehr im Wasser machen. Deshalb müssen wir sehr genau planen.» Wichtig sei auch, dass das Wasser durch die Baggerung möglichst wenig getrübt wird. «Das schaffen wir, indem wir erfahrene Baggerführer anstellen.»
Damit Passanten die augenfälligen Arbeiten einordnen können, wurden Infotafeln aufgestellt. «Wir haben bisher sehr gute Rückmeldungen erhalten. Die meisten finden es gut, dass wir hier etwas für die Fische machen», freut sich Silvio Caneri.



