Sorge zur Schweiz tragen
03.08.2019 KelleramtDie 17-jährige Lernende Nadja Herzog hielt die 1.-August-Rede
Unterlunkhofen und Oberlunkhofen organisieren ihre Bundesfeier seit vielen Jahren zusammen. Sie fand auf der Schulanlage von Oberlunkhofen statt. Die Verantwortlichen freuten sich über regen ...
Die 17-jährige Lernende Nadja Herzog hielt die 1.-August-Rede
Unterlunkhofen und Oberlunkhofen organisieren ihre Bundesfeier seit vielen Jahren zusammen. Sie fand auf der Schulanlage von Oberlunkhofen statt. Die Verantwortlichen freuten sich über regen Zuspruch.
Roger Wetli
«Wir hatten mit weniger Leuten gerechnet», erklärte Mitorganisatorin und Oberlunkhofer Gemeinderätin Vivienne Graw. Es mussten extra weitere Festbänke aufgestellt werden. Die Anwesenden wurden mit Live-Musik des Ländlerquartetts Schuler und des Alphornduos Reppischtal und einer tollen Rede würdig unterhalten. «Dass beide Gemeinden zusammen feiern, zeigt, dass wir miteinander und nicht gegeneinander arbeiten wollen», betonte Graw.
Gespannt waren viele auf die Ansprache der erst 17-jährigen Nadja Herzog. Die Zufikerin absolviert eine Lehre mit Berufsmaturität auf der Gemeindeverwaltung von Oberlunkhofen und beginnt bald ihr drittes Lehrjahr. Die Frauenfussballerin zeichne sich durch Kompetenz, Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit aus, wurde sie von der Gemeinderätin gelobt.
Riesenglück, hier zu sein
«Ich spüre Heimat, wenn ich im Ausland bin und Heimweh habe», erklärte Herzog. «Heimat ist für mich der Geruch von Raclette und Fondue. Aber auch der Ort, an den ich gerne wieder zurückkomme.» Sie sei erst gestern von ihren Ferien in Griechenland hier gelandet. Später möchte sie viele Reisen unternehmen. «Beim Besuch von fremden Ländern wird mir manchmal bewusst, wie gut wir es in der Schweiz haben. Wir alle sind privilegiert, hier zu leben.» Grundsätzlich sei es doch einfach Zufall, in welchem Land man aufwachse. «Wir haben ein riesiges Glück gehabt.»
Nicht selbstverständlich
Sie sprach das Bildungssystem an, das ihr als Kauffrau auf dem Weg zur Berufsmaturität erlaube, von einem Studium an der Universität oder an der ETH zu träumen, wenn sie das möchte. «Als Frau bin ich froh, dass ich in einem Land lebe, ich dem ich abstimmen und arbeiten gehen darf. Das ist alles andere als selbstverständlich.» Nadja Herzog lobte die direkte Demokratie und die Gewaltentrennung, aber auch die Meinungsfreiheit und die intakte Infrastruktur. Seien es die Freizeitanlagen oder Strassen- und Schienennetze. «Das alles wird einem erst bewusst, wenn man weg ist oder eine 1.-August-Rede schreibt.»
Seinen Beitrag leisten
Gegenüber den Zuhörern hatte sie ein wichtiges Anliegen: «Bitte schätzt alle diese Errungenschaften und tragt Sorge dazu.» Das aktuelle Thema Klima müsse wirklich ernst genommen werden, weil schliesslich die nächsten Generationen die Folgen davon tragen müssten. «Ich selber bin erst kürzlich mit dem Flugzeug verreist. Es kann aber nicht sein, dass ein Binnenflug nach Barcelona fünfmal billiger ist als die Fahrt dorthin mit dem Zug.» Wenn jeder einen kleinen Beitrag zum Schutz des Klimas leiste, könne das bereits viel bewirken. Man solle aber auch dem politischen System Sorge tragen und dafür schauen, dass man auch künftig mitentscheiden dürfe. «Gehen Sie respektvoll miteinander um. Niemand ist aufgrund seines Wohlstandes, seiner Kultur oder seiner Ansichten besser als der andere.»
Mehr lieben, weniger hassen
An der Frauenfussballweltmeisterschaft habe die Amerikanerin Megan Rapinoe etwas sehr Wichtiges gesagt: «Wir müssen mehr lieben, weniger hassen. Mehr zuhören, weniger reden. Es ist unsere Verantwortung, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.» Najda Herzog forderte auf, sich diese Worte zu Herzen zu nehmen und für das einzustehen, was man für richtig hält. «Gebt einfach Sorge zu unserer Heimat. Happy birthday Schweiz.»



