Grosses Talent, anderer Weg
23.08.2019 FussballDer Freiämter Roger Pfyl schreitet auf Umwegen Richtung Profifussballer
Brillante Technik, riesiger Wille und ein cleveres Köpfchen: Roger Pfyl wurde vom FC St. Gallen verpflichtet. Der Rudolfstetter spielt jetzt bei der U21 der Ostschweizer und richtet jetzt sein ...
Der Freiämter Roger Pfyl schreitet auf Umwegen Richtung Profifussballer
Brillante Technik, riesiger Wille und ein cleveres Köpfchen: Roger Pfyl wurde vom FC St. Gallen verpflichtet. Der Rudolfstetter spielt jetzt bei der U21 der Ostschweizer und richtet jetzt sein ganzes Leben auf den Fussball aus. «Ich glaube daran, dass ich es schaffen kann», meint der 20-Jährige.
«Er hat mich so begeistert. Sein Einsatz, sein Wille, sein Kampfgeist, einfach grandios», sagt Heribert Isler, der Chef der Supportervereinigung des FC Mutschellen. Im Jahr 2011 erstellte er ein Plakat anlässlich der Gründung der Supportervereinigung des FC Mutschellen. Darauf zu sehen: der kleine Junior Roger Pfyl in Action. Er stach damals schon heraus. Und für die Mutscheller ist klar: Der Einsatz für die Juniorenbewegung trägt Früchte.
Mit 15 Jahren ins «Eis»
Dieser Erfolg hat einen Namen: Roger Pfyl. Er begann beim FC Rudolfstetten, ging dann zum Nachwuchs des FC Mutschellen. Schon mit 15 Jahren schnuppert er im «Eis», mit 16 Jahren schafft er es definitiv in die erste Mannschaft. Und es gefällt ihm hervorragend. «Die Burkertsmatt-Anlage, die Mannschaft, die vielen Freunde, die gute Betreuung durch Trainer und Staff – und alles so nah für mich. Beim FC Mutschellen passte es perfekt für mich», sagt Roger Pfyl.
Er macht eine enorme Entwicklung durch. In der 2. Liga wird er zum absoluten Führungsspieler und zur Offensiv-Waffe. Es kam dann auch schon vor, dass er – wie gegen Frick – vier Tore in einem Spiel schiesst, und das innert 20 Minuten. In der letzten Saison trifft er total 18 Mal. Einige höherklassige Vereine sind interessiert. Pfyl: «Ich habe nur Gerüchte gehört, konkrete Anfragen gab es nicht.»
Talentscout des FC St. Gallen kommt
Bis sich im Juni der FC St. Gallen meldete. Pfyl spielt eine starke Saison, die im Aargauer Cupsieg gipfelt. Im letzten Saisonspiel gegen Rothrist kommt ein Talentsichter des FC St. Gallen auf die Burkertsmatt, extra wegen der Nummer 14, Roger Pfyl. Der Talentscout hat einen Tipp gekriegt, dass ein grosses Talent beim FC Mutschellen kickt. Von wem kam der Tipp? Vielleicht von FC-Mutschellen-Trainer Sergio Colacino, der in seiner Aktivkarriere mit dem FC St. Galllen im UEFA-Cup spielte? Oder doch von Matthias Hüppi, der über 20 Jahre auf dem Mutschellen lebte, mit dem Verein eng verbunden ist und bekannterweise heute Präsident des FC St. Gallen ist? Man weiss es nicht. Was aber klar ist: Der Talentscout des FC St. Gallen ist beeindruckt von Roger Pfyl.
Es folgen Gespräche und Probetrainings in St. Gallen. «Es sah gut aus, ich musste eine Entscheidung fällen», sagt Roger Pfyl und ergänzt: «Für mich war klar: Wenn ich den FC Mutschellen verlasse, ich weggehe von meinen Freunden und meinem Herzensverein, dann nur, wenn ich Perspektiven habe, höher zu spielen und es bis ganz oben zu schaffen.»
Nun ist er Stammspieler beim FC St. Gallen U21 in der 1. Liga classic. Er trainiert bis zu acht Mal pro Woche. Pfyl, der nach der Kanti in Baden im Jahr 2018 erst Militärdienst absolvierte und sich ein Abenteuer in Australien gönnte, wollte eigentlich mit einem Praktikum als Maschinenbau-Ingineur bei der ETH in Zürich beginnen. «Jetzt ist das nicht mehr möglich», sagt er.
Viele Veränderungen stehen an
Nun hat er sein Leben auf den Fussball ausgerichtet. Er sucht sich momentan einen Job in einem 60-Prozent-Pensum. Wenn möglich bei einem toleranten Arbeitgeber, der versteht, dass er wegen des Sports manchmal fehlt.
Roger Pfyl wohnt nach wie vor bei seinen Eltern in Rudolfstetten. Doch er hat ein Zimmer in der Akademie des FC St. Gallen, wo er ab und an schläft. Je nachdem, wie streng sein Trainingsplan aussieht. In naher Zukunft möchte er sich in St. Gallen eine Wohnung suchen, «am liebsten in einer Wohngemeinschaft».
Der 20-Jährige macht viele Umstellungen durch. «Das ist egal. Es ist cool, auf diesem Niveau zu spielen», meint er. Bei der U21 des Super-League-Vereins ist er nicht mehr eine Offensiv-Waffe, sondern Innenverteidiger mit Stammplatz. «Das passt», sagt Pfyl.
Beim FC Mutschellen ist man mächtig stolz auf «seinen» Roger Pfyl. «Ich habe viel Unterstützung gespürt vom Mutschellen, das ist echt schön. Der Staff, die Mannschaft, der Verein, alle haben ihren Anteil daran, dass ich heute hier spielen darf.» Er ist der Beweis, dass man nicht schon im Juniorenalter zu einem Topverein wechseln muss, um es weiter hinauf zu schaffen. Denn auch der FC Mutschellen hat eine starke Juniorenabteilung.
Glaube an Sprung in Super League ist da
Doch Roger Pfyl hat noch einen weiten Weg vor sich. Das weiss er auch selbst. «Um Profi zu werden, brauche ich mehr Trainings.» Aber der Glaube daran, dass er es irgendwann ins Kader des FC St. Gallen in der Super League schaffen kann, der ist vorhanden. «Sonst wäre ich nicht hier», sagt Pfyl.
Sein früherer Trainer beim FC Mutschellen, Sergio Colacino, er setzte immer auf Pfyl, er glaubte stets an ihn – und er war in den vergangenen Monaten ein wichtiger Ansprechpartner bei der Entscheidung, ob er zum «FCSG» gehen soll oder nicht. «Ich habe Sergio viel zu verdanken», sagt Pfyl. Der Wohler Sergio Colacino, der selbst früher Profi war, unter anderem beim FC Wohlen und beim FC St. Gallen kickte, was sagt er über das junge Mega-Talent Roger Pfyl? «Das letzte Mal, als ich einen Spieler mit einer solchen Mentalität und derartig grossem Willen getroffen habe, war im Jahr 2002. Ein gewisser Tranquillo Barnetta schaffte den Sprung in die erste Mannschaft des FC St. Gallen. Roger Pfyl hat riesiges Potenzial und er lernt enorm schnell.» Grosse Worte von Colacino. Doch es folgt ein Satz, der nachhallt: «Ich bin überzeugt, dass er den Sprung in die erste Mannschaft schaffen wird.» --spr



