Vorläufiges Ende des «Kreuz»
16.07.2019 Jonen«Kreuz»-Wirtin Therese Klimscha verlässt das Restaurant nach elf Jahren
Seit exakt 120 Jahren befindet sich im Gebäude des «Kreuz» ein Restaurant. Ob es hier weiterhin einen Restaurationsbetrieb geben wird, ist noch ...
«Kreuz»-Wirtin Therese Klimscha verlässt das Restaurant nach elf Jahren
Seit exakt 120 Jahren befindet sich im Gebäude des «Kreuz» ein Restaurant. Ob es hier weiterhin einen Restaurationsbetrieb geben wird, ist noch ungewiss.
Roger Wetli
Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1812. Seit 1899 wird darin ein Restaurant geführt. Wirtin Therese Klimscha behandelt es, als würde es ihr selber gehören. Nach elf Jahren wechselt sie nun ins Restaurant La Rotonda, das ebenfalls in Jonen steht. «Ich freue mich, mein Personal und hoffentlich meine Stammkundschaft mitnehmen zu können.» Zu diesen gehört auch ihr Partner Edi «Biber» Huber. «Ich bin hier seit 50 Jahren Stammgast und habe Therese immer unterstützt.» Klimscha ist die indirekte Nachfolgerin von Franz Fischer, der 30 Jahre im «Kreuz» wirtete. «Nach seiner Pension gab es viele Wirtewechsel», erinnert sich Klimscha «Er hat schliesslich mich angefragt, ob ich das «Kreuz» führen möchte.»
Jonen ist ihr ans Herz gewachsen - und umgekehrt. Das merkte man am Ausverkauf. «Die Leute sind mit Respekt durch das Restaurant gegangen.» Vorgängig hatte sie alles ins «La Rotonda» gezügelt, was sie dort braucht. «Es gab noch viele Dinge, die einfach zu schade gewesen wären, fortzuwerfen. Ich wollte deshalb auch keine teuren Preise», so Klimscha.
Das «La Rotonda» wird sie Anfang September nach einer kurzen Pause im August wieder eröffnen. Die Sanierung des «Kreuzes» ist auf Ende Jahr geplant. «Zurzeit sind wir an der Detailplanung und schauen, ob es weiterhin einen Restaurationsbetrieb geben wird», heisst es von der Besitzerin Kost Holzbau AG, Küssnacht. «In der heutigen Form wird es aber sicher verschwinden.»
Ans Herz gewachsen
Therese Klimscha verlässt das Restaurant Kreuz
Kürzlich wurde das Inventar des Restaurants Kreuz verkauft. Therese Klimscha verlässt es nach elf Jahren. Sie bleibt dem Dorf erhalten.
Roger Wetli
«Am Anfang waren die Joner skeptisch. Sie haben dann aber wohl gemerkt, dass ich es ernst meine», blickt Therese Klimscha auf ihre Anfänge im Restaurant Kreuz zurück. Das Misstrauen kam nicht von ungefähr. Nachdem Franz Fischer 30 Jahre im Gebäude war, wechselten die Wirte einige Male. Fischer war es auch, der Therese Klimscha anfragte, ob sie das «Kreuz» übernehmen möchte.
Bettler, Arbeiter und Millionäre willkommen
«Ich arbeitete früher oft im Service, bevor ich sieben Jahre lang den ‹Talhof› in Althäusern führte. Dort kam auch Franz Fischer auf mich zu.» Sie sehnte sich damals sowieso nach einer Änderung. Fischer machte ihr das «Kreuz» schmackhaft. Jonen kannte sie noch nicht. Das alte, ehrwürdige Restaurant habe ihr aber sofort gefallen. Auch die sehr grosse Terrasse, die zentrale Lage im Dorf und das grosse Parkplatzangebot sprachen sie an. «Mein Ziel war es, eine ganz normale Dorfbeiz zu führen nach dem Prinzip: genug, gutbürgerlich, günstig. Daran habe ich anschliessend nie mehr was geändert.»
Es würde noch Restaurants brauchen, in denen alle, vom Bettler über den Arbeiter bis zum Millionär, willkommen seien. «Und jeder sollte gleich behandelt werden. Das habe ich auch von meinen Serviertöchtern verlangt.» Am Anfang sei sie wegen der Grösse des Betriebs etwas überfordert gewesen. Auch habe es gedauert, bis sie das richtige Personal gefunden hatte. Therese Klimscha kochte leidenschaftlich gerne. Über Mittag und bei angemeldeten Gesellschaften half ihr ein zusätzlicher Koch.
Grosse Unterstützung
Im «Kreuz» hat sie auch ihren Partner Edi «Biber» Huber kennengelernt. Dieser zählt seit 50 Jahren zu den Stammgästen. «Als wir zusammengekommen sind, hat das für mich vieles vereinfacht», ist die Wirtin froh. Das Gebäude habe sie immer so behandelt, als wäre es ihr eigenes. «Dieses Gefühl habe ich auch heute noch.»
Klimscha fühlt sich in Jonen von der Bevölkerung getragen. «Es sicherte mir immer den Grundumsatz. Aber auch sonst wurde ich immer gut und mit Respekt behandelt.» Wenn wieder ein Fest auf dem Programm stand, waren sofort zehn Personen da, die ihr beim Zeltaufstellen geholfen haben. «Und wir haben viele Feste gefeiert», versichert sie. Gut in Erinnerung bleiben ihr die 1.-August-Feiern und die Oktoberfeste auf der Wiese vor dem «Kreuz». Auch das 10-Jahr-Jubiläum war sehr gut besucht. «Das Echo der Leute gibt mir Kraft», ist die Wirtin dankbar.
Das Verhältnis zu den Besitzern bezeichnet sie als sehr gut. «Sie hatten immer ein offenes Ohr für mich. Und ich wusste immer, dass das Gebäude einmal umgebaut werden wird. Ich wurde immer rechtzeitig informiert.»
Jeden Tag im «Kreuz»
Therese Klimscha wird auch weiterhin in Jonen tätig sein. «Die Leute vom Restaurant La Rotonda sind auf mich zugekommen und haben mich angefragt, ob ich dort einsteigen möchte. Ich werde es zusammen mit Stefano Stassi führen.» Ihre Stammkunden seien ihr ans Herz gewachsen. Darum bleibt sie trotz vieler anderer Angebote im Dorf. «Die persönlichen Kontakte sind mir sehr wichtig.» Beim Ausverkauf habe zwar ein wenig Wehmut mitgeschwungen. Sie konzentriere sich aber jetzt auf das Neue.
Das «La Rotonda» bleibt Mitte August für mindestens zwei Wochen geschlossen. In dieser Zeit wird es neu eingerichtet. Die Wiedereröffnung ist für Anfang September vorgesehen. Klimscha nimmt ihr Personal mit. «Dieses freut sich mit mir», weiss sie. Vom Besitzer vom «Kreuz» fühlt sie keinen Druck. «Wenn ich fertig aufgeräumt habe, darf ich anrufen und dann das ‹Kreuz› abgeben. Danach werde ich Ferien machen.» Sie wird das Restaurant vermissen. «Ich war in den letzten elf Jahren jeden Tag da. Auch an den Ruhetagen – dann aber manchmal nur kurz.»
Renovation Ende Jahr
«In der heutigen Art wird das Restaurant Kreuz sicher verschwinden», erklärt Robert Schmidlin von der Kost Holzbau AG. Die Besitzerin der Liegenschaft verfügt über eine gültige Baubewilligung für die Sanierung vom «Kreuz». Der Start der Umbauarbeiten ist auf Ende Jahr geplant. «Wir werden deshalb auch keine Nachfolge für Therese Klimscha suchen. Die Zusammenarbeit mit ihr haben wir immer sehr geschätzt.» Sie habe das Restaurant äusserst engagiert geführt. Zurzeit würden intensive Abklärungen zur Umsetzung des Projektes laufen. «Was mit dem Restaurant geschieht, wird im nächsten halben Jahr entschieden.»



