«Ich sagte ja, dass ich treffe»
09.04.2019 FussballFussball, 1. Liga Promotion: FC Köniz – FC Wohlen 1:4 (1:2)
4:1. Der FC Wohlen ballert sich wieder über den Strich. Die Hoffnung auf den Ligaerhalt ist wieder einiges deutlicher zu spüren als noch vor zwei Wochen. Mittendrin ein ...
Fussball, 1. Liga Promotion: FC Köniz – FC Wohlen 1:4 (1:2)
4:1. Der FC Wohlen ballert sich wieder über den Strich. Die Hoffnung auf den Ligaerhalt ist wieder einiges deutlicher zu spüren als noch vor zwei Wochen. Mittendrin ein strahlender Brasilianer, der mit dem 3:1 für die Entscheidung sorgte.
«I told you I would score.» «Ich sagte ja, dass ich treffe.» Es ist die augenzwinkernde Nachricht von FC-Wohlen-Stürmer Victor Raphael Pelae Cardoso – kurz «Victor» – an die Sportredaktion dieser Zeitung. Der 26-jährige Brasilianer traf zum 3:1 in der 89. Minute. Er prophezeite sein Tor vor dem Spiel. Das 3:1 war die definitive Entscheidung in diesem Spiel gegen den FC Köniz. Die Berner, sie machten einen Fehler – sie gingen in Führung.
Milani: «Auf Boden der Realität geklatscht»
Nach dem 0:0 gegen Cham gingen die Freiämter zu verhalten an die Sache. Abwehrspieler Stefano Milani sagt: «Nach der guten Leistung letzte Woche sind wir zu locker in die Partie. Wir dachten, das geht dann schon irgendwie.» Es kam die 40. Spielminute, eine herrliche Ballstafette der Könizer schliesst Fabio Morelli mit einem wunderbaren Seitfallzieher ab. 1:0 für das Heimteam. «Da sind wir auf den Boden der Realität geklatscht – und haben dann super reagiert.» Innert zwei Minuten macht der FC Wohlen aus einem Rückstand eine Führung. 44. Minute: Ein Freistoss von Alain Schultz sorgt für Unruhe im Strafraum. Stefano Geri stochert die Kugel ins Netz. 1:1. 45. Minute: Schultz lanciert Rapperswil-Jona-Leihgabe Haris Samardzic. Der passt zu Thomas Schiavano, der aus spitzem Winkel eiskalt das 1:2 erzielt. Stürmer Schiavano sagt: «Im Nachhinein war das 1:0 von Köniz positiv für uns. Wir sind danach aus unserer Starre erwacht und handelten schnell und effektiv.»
Wer jetzt denkt, der FC Wohlen wurstelte sich irgendwie durch die zweite Halbzeit, der irrt. Die Freiämter treten ungewohnt souverän auf. Der FC Köniz kommt kaum in die gefährliche Zone. «Wir haben sie in der zweiten Halbzeit zerstört», meint Stürmer Victor Pelae, der nach 65 Minuten ins Spiel kommt. Der lebensfrohe Brasilianer fügt augenzwinkernd hinzu: «Und dann muss man wissen, wann genau man zuschlagen muss.» Es war für ihn die 89. Minute. Pelae schiebt zum 3:1 ein. Die Entscheidung. Kurz vor dem Abpfiff wird ein Freistoss von Alain Schultz ins Tor verlängert. 4:1. Die Wohler jubeln.
«Trainer hat uns perfekt vorbereitet»
Der vierte Saisonsieg bringt die Freiämter wieder über den Strich – dank des besseren Torverhältnisses gegenüber YF Juventus (das mit 0:2 gegen den FC Zürich II verlor). Wieso diese positive Auferstehung im Kampf um den Ligaerhalt? Viele rechneten schon mit dem sicheren Abstieg des FCW. Doch mit den beiden Unentschieden gegen La Chaux-de-Fonds und Cham (1:1, 0:0) und dem 4:1-Sieg nun gegen Köniz ist der FC Wohlen wieder voller Hoffnung. «Das neue System kommt uns entgegen und der Trainer setzt konsequent auf die erfahrenen Spieler», so Captain Schultz. Trainer Thomas Jent, er scheint einiges richtig zu machen. Der Trainerwechsel sorgt bislang für die richtigen Impulse. Stürmer Schiavano meint: «Er hat uns perfekt auf dieses Spiel vorbereitet.»
Es folgen die «U-Wochen»
Für den FC Wohlen folgen nun die drei Nachwuchsteams der Super-League-Teams aus Sion, Zürich und Basel. Es geht los am Samstag (17.30 Uhr) zu Hause gegen Sion II. Am Mittwoch, 17. April, spielt man auswärts gegen den FC Basel II (20 Uhr). Am Samstag, 27. April (17.30 Uhr), empfängt man in den Niedermatten den FC Zürich II. Und es wird sich zeigen, ob 3:1-Torschütze Victor Pelae seine Orakel-Fähigkeiten weiterhin unter Beweis stellt. Vor dem 4:1-Sieg gegen Köniz prophezeite er: «Wir holen in den nächsten vier Spielen vier Siege und damit zwölf Punkte.» Nach dem Spiel schreibt er in seiner Nachricht: «Es bleiben noch drei Siege.»
NACHGEFRAGT
«Nicht überheblich werden»
Zwei Spiele, vier Punkte: Der neue FC-Wohlen-Trainer Thomas Jent weist bislang eine starke Bilanz auf. Auch wenn er nicht den grossen Namen hat, so überzeugt der Aargauer mit Bodenständigkeit und positiven Worten. Eigenschaften, die anscheinend für einen erfolgreichen Abstiegskampf wichtig zu sein scheinen.
Der FC Köniz ist eine gestandene 1.-Liga-Promotion-Mannschaft. Und doch schafft es Ihr Team – besonders im zweiten Durchgang –, die Berner komplett zu neutralisieren. Wie haben Sie das hingekriegt?
Thomas Jent: Wir haben jetzt zweimal nicht verloren, wir stehen defensiv sehr solide. Das gibt den Spielern Selbstvertrauen. Man spürt, dass die Selbstsicherheit wieder zurück zu den Spielern findet.
In Köniz musste man allerdings zuerst in Rückstand geraten.
Anscheinend benötigte es einen heftigen Weckruf. Nachdem wir aus dem 0:1-Rückstand eine 2:1-Führung gemacht hatten, war das ganze Team wieder voll da. Die zweite Halbzeit war dann ganz stark.
Was haben Sie beobachtet in den zweiten 45 Minuten?
Der FC Köniz wollte Druck haben, hat es aber nicht geschafft. Wir haben wenig zugelassen. Köniz kam praktisch nie gefährlich vor unser Tor. Ich glaube, die Mannschaft hat kapiert, worum es geht. Die Leistung in der zweiten Halbzeit stimmt mich sehr zuversichtlich für die Zukunft.
In der Vergangenheit hatte der FC Wohlen immer dasselbe grosse Problem: die vielen Fehler, die zu Gegentoren führten. Irgendwie haben Sie es geschafft, diese abzustellen – wie?
Ich habe versucht, die Spieler aufzubauen, sie starkzureden. In dieser Saison wurde ihnen viel zu oft gesagt, dass sie schlecht sind und zu viele Fehler machen. Ich habe versucht, ihnen den Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten zurückzugeben. Ich glaube, mir ist das gut gelungen. Und zudem war es beim Spiel gegen Köniz so, dass wir uns sehr gut auf den Gegner vorbereiten konnten.
Nun folgen Sion II, Basel II und Zürich II. Was erwarten Sie gegen diese Nachwuchsteams?
Wir sind wieder über dem Strich, es folgen Charaktertests. Wir müssen beweisen, dass wir den Ligaerhalt wirklich wollen. Wir müssen weitermachen, wo wir gegen Köniz aufgehört haben. Wir dürfen jetzt bloss nicht überheblich werden. --spr



