Abstieg ist näher gekommen
12.03.2019 FussballFussball, 1. Liga Promotion: FC Wohlen – YF Juventus 1:2 (1:1)
Gehemmt, fehlerhaft, schwach. Die Rückrunde hat erst begonnen, doch der FC Wohlen ist nach diesem Auftritt mit einem Bein abgestiegen. «Wenn man diesen Gegner nicht schlägt, ...
Fussball, 1. Liga Promotion: FC Wohlen – YF Juventus 1:2 (1:1)
Gehemmt, fehlerhaft, schwach. Die Rückrunde hat erst begonnen, doch der FC Wohlen ist nach diesem Auftritt mit einem Bein abgestiegen. «Wenn man diesen Gegner nicht schlägt, hat man in dieser Liga nichts zu suchen», sagt Captain Alain Schultz.
Stefan Sprenger
Nach 181 Tagen gibt er das Comeback. In der 83. Minute kehrt Alain Schultz nach fast sieben Monaten Knieverletzungspause wieder zurück auf den Fussballrasen. Die Hoffnungen auf ihn sind schon wieder riesig. «Jetzt kommt Schultz, der macht einen», heisst es auf der Tribüne. 1:2 liegt Wohlen in diesem ultrawichtigen Spiel hinten. Doch Schultz vollbringt an diesem Tag keine Wunder. Es bleibt beim 1:2. Die Situation des FC Wohlen erkennt der Captain aber ohne Ausreden. Es sind nackte und ungemütliche Wahrheiten. «Wir sind selber schuld an der Situation. Nach dieser Niederlage wird der Ligaerhalt schwierig. Wenn man YF Juventus nicht schlägt, hat man in dieser Liga nichts verloren.» Schultz wirkt konsterniert, sucht nach Erklärungen. Am Ende «bringen wir die geforderte Leistung nicht auf den Platz».
Zu Beginn hypernervös
Es ist total unverständlich, wie der FC Wohlen in dieses immens wichtige Spiel startet. Die Spieler sind hypernervös und begehen viele Fehler. Da kommt nichts Konstruktives auf den aufgeweichten Niedermatten-Rasen. Die Wohler scheinen blockiert und ängstlich. Der Gegner hingegen kickt diszipliniert. Und nutzt die Chance eiskalt. 11. Minute: Einen Konter wie aus dem Fussball-Lehrbuch schliesst Guy Roger Eschmann zur Führung ab. Erster Schuss, erstes Tor. YF Juventus jubelt. Für das Wohler Team geht es in dieser Szene viel zu schnell.
Nun scheint sich der Druck etwas zu lösen, Wohlen spielt besser. Und kommt in Tornähe. 23. Minute: Ein Kraftanfall von Innenverteidiger Stefano Milani genügt, um Thomas Schiavano perfekt in Abschlussposition zu bringen. Der Stürmer, der im ersten Spiel doppelt traf, bringt aber nur ein laues Lüftchen auf die Kiste.
Bieris Anschluss
27. Minute: Ein Offside-Tor des FC Wohlen nach schöner Kombination. 33. Minute: Einwurf. Guto verlängert. Dölf Bieri knallt mit Wut im Fuss den Ball in die Maschen. 1:1. Der FC Wohlen hat die Überhand, allerdings ohne richtig zu dominieren. In der zweiten Halbzeit kommt nicht viel Zwingendes. Aber die Piu-Elf steht solide in der Defensive. «Das Spiel haben wir in der Hand», sagt Schultz. «Niemals dürfen wir dieses Spiel verlieren, niemals.» Doch genau dies passiert. YF Juventus schafft die erneute Führung mit der einzig gefährlichen Aktion. 77 Minute. Missverständnis in der Wohler Abwehr zwischen Joel Richner und Marko Muslin. Dazu eine behäbige Rückwärtsbewegung der gesamten Mannschaft. Elvedin Causi trifft.
Offside – oder nicht?
Zweiter Schuss, zweites Tor. YF Juventus führt 1:2. Viele Wohler sagen, es sei Offside gewesen. Schultz ist gerade am Einlaufen. «Ich stehe an der Seitenlinie. Für mich sieht es klar nach Abseits aus.» Auch Giovani Bamba, Wohlens Neuzugang vom FC Sion II, meint: «Es war Offside.» Doch in den TV-Bildern sieht man, dass Stefano Milani die Abseitsposition aufhebt, das Tor ist korrekt.
Der 19-jährige Bamba, der beim FC Sion einen 5-Jahres-Vertrag hat und den Traum vom Profifussballer hegt, meint nach dem Spiel: «Ein 1:1 wäre gut gewesen. Das 1:2 ist eine Katastrophe.» Den Klassenerhalt in den letzten elf Spielen zu schaffen, «wird hart, aber es ist möglich». Ähnlich sieht es Captain Schultz: «Wir müssen die Suppe nun auslöffeln. Das wird sehr schwierig.»
Der FC Wohlen schafft es in dieser (überlebens-)wichtigen Partie nicht, die Leistung auf den Platz zu bringen. Noch schlimmer: Anstatt auf Unentschieden zu spielen, vergeigt man sogar das Unentschieden und somit den Punktgewinn. YF Juventus – vor dem Rückrundenstart noch einen Zähler hinter Wohlen – ist nun fünf Punkte davongezogen. Auch wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, nach diesem Rückrundenstart ist der Abstieg in den Niedermatten nahe.
«Das war alles lauwarm»
Die Trainer Piu und Salvatore Andracchio mit unterschiedlichen Gefühlswelten
YF-Juventus-Trainer Salvatore Andracchio hatte vor dem Spiel gesagt, dass er nun endlich mal den FC Wohlen bezwingen wolle. Dies ist ihm gelungen. FC-Wohlen-Trainer Piu auf der Gegenseite ist bitter enttäuscht.
Eine Viertelstunde nach Spielschluss. Vereinzelt sind Jubelschreie der Spieler von YF Juventus zu hören. FC-Wohlen-Trainer Piu sitzt in seiner Trainerkabine. Er ist still. Er überlegt. Und gibt dann diese Worte von sich: «Ob das zweite Tor offside war oder nicht, ob wir gegen oder mit dem starken Wind gespielt haben oder ob es Glück oder Pech war, wir müssen unsere Arbeit richtig machen, und das haben wir heute nicht getan.»
«Mein Gott, es ist doch nur Fussball»
Die Startphase habe man verschlafen. Zur Nervosität zu Beginn der Partie sagt Piu. «Wieso? Mein Gott, es ist doch nur Fussball.» Piu analysiert, dass beide Gegentore trotz einer Überzahlsituation passiert sind. «Das war alles lauwarm», meint er. «Ich habe nur wenig Wille gespürt, den absoluten Kampf habe ich vermisst.» So erscheint es logisch, dass sein Team als Verlierer vom Platz geht.
YF Juventus hatte einige gewichtige Absenzen. Der FC Wohlen war beinahe komplett, alle Spieler waren fit. Auch die Einwechslungen haben nichts gebracht. «Dieses YF Juventus war für mich der bislang schlechteste Gegner in der Meisterschaft.» Die Frage: «Gegen wen will man den jetzt noch gewinnen?», beantwortet Piu nicht. Sein Kopfschütteln deutet aber auf Resignation.
Zum Ende des Gesprächs wird die Gemütslage des FCW-Trainers ein bisschen heller. «Es bleiben elf Spiele, wir müssen positiv bleiben. Die Situation ist sehr ernst, aber wir glauben an unsere Chance.» Am nächsten Samstag (15 Uhr) geht es auswärts zum FC Brühl. Die Ostschweizer sind «nur» sieben Punkte vor dem FC Wohlen. Es ist eine von elf weiteren Chancen für den Klassenerhalt. Der FC Wohlen sollte nun damit beginnen, die Chancen auch zu nutzen.
«Der Abstiegszug hat noch elf Stationen»
Dazu eine Anekdote von Gästetrainer Salvatore Andracchio, der mit YF Juventus noch nicht gerettet ist. «Der Abstiegszug hat noch elf Stationen. Irgendwann muss man einsteigen, sonst fährt er ab.» Mit zwei Siegen aus den ersten beiden Rückrundenspielen ist sein Team definitiv eingestiegen – und der FC Wohlen? «Ich hoffe, sie finden den Dreh. Die Qualität beim FCW ist vorhanden für den Klassenerhalt», meint Salvatore Andracchio.
Seine Mannschaft habe «taktisch gut» agiert. Aus einer kompakten Defensive heraus sollte man schnelle Konter fahren und die Torgelegenheiten eiskalt ausnutzen. Auch aus Freiämter Sicht muss man anerkennen: Diese Vorgabe hat YF Juventus hervorragend umgesetzt – ohne zu brillieren. «Das Spiel verlief für Wohlen sicher ein wenig unglücklich», meint Andracchio.
Als «James» Haller für Muri traf
Vor diesem wichtigen Kellerduell meinte Andracchio: «Jetzt bin ich dran mit gewinnen.» Der frühere Profifussballer erzählte, dass er erst als Spielertrainer des FC Muri und später als Trainer bei YF Juventus stets verloren hat gegen den FC Wohlen. Er korrigiert diese Aussage allerdings: «Ich habe heute vor dem Spiel meinen damaligen Assistenten beim FC Muri, Ernst Engel, getroffen. Und er erzählte von einem grandiosen Sieg gegen Wohlen.» Marco «James» Haller, ein Wohler in Diensten des FC Muri, traf mittels Sonntagsschuss zum Murianer Sieg. Also war es jetzt nicht der erste Sieg von Andracchio. «Aber ich glaube, dieser Sieg gegen Wohlen in der Gegenwart war einiges wichtiger als damals.» --spr
Extra
Das Ärgernis: Immer und immer wieder: Die Fehler des FC Wohlen sind zum haareraufen. Beim entscheidenden 1:2 passieren gleich mehrere Unzulänglichkeiten nacheinander. Erst ein Missverständnis, dann eine Unkonzentriertheit und am Ende schläft ein Spieler, der das Abseits aufhebt. So vergeigt man sich den Punktgewinn selber. Denn der Gegner war sicherlich alles andere als in bestechender Form.
Die Zahl des Spiels: Fünf. So viele Punkte hat YF Juventus nun Vorsprung auf den FC Wohlen. Dies scheint schon eine grosse Hypothek zu sein, denn die Freiämter haben in 19 Spielen erst 15 Punkte geholt.
Die Fanstimme: Andreas Stierli aus Künten und heute wohnhaft in Lenzburg sah ein Spiel, «wo gar nichts für den FC Wohlen lief. Das Wetter war so schwach wie die gezeigte Leistung auf dem Feld. Schade, so hat Wohlen keine Punkte verdient.»
Der Gegner: YF Juventus habe sich in der Winterpause verstärkt – hiess es. Doch die Mannschaft scheint keineswegs sattelfester zu sein. Im Gegenteil. Im Hinspiel, als der FC Wohlen mit 3:2 siegte, machte die Elf von Trainer Salvatore Andracchio einen besseren Eindruck. Spielerisch konnte man nicht überzeugen, dafür stellten sich die Zürcher einiges cleverer an als die Wohler.
Das nächste Spiel: Am kommenden Samstag (15 Uhr) reist der FC Wohlen zum SC Brühl ins Paul-Grüninger-Stadion nach St. Gallen. Brühl, «nur» sieben Punkte mehr auf dem Konto als Wohlen, spielte am Wochenende 0:0 gegen Schlusslicht La Chaux-de-Fonds.




